Forscher sehen Zusammenhang zwischen Plazenta-Hormonschub in der Spätschwangerschaft und depressiven Symptomen nach der Geburt

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Eine von der University of California, USA, geleitete Studie hat Hinweise auf einen möglichen Zusammenhang zwischen den Veränderungen des plazentaren Corticotropin-Releasing-Hormons (pCRH) und den Symptomen einer postpartalen Depression gefunden.

Die in der Fachzeitschrift „Psychoneuroendocrinology“ veröffentlichten Ergebnisse ergänzen eine wachsende Zahl von Forschungsergebnissen über physiologische Risikofaktoren während der Schwangerschaft, die mit ungünstigen Ergebnissen nach der Geburt in Zusammenhang stehen. Die Ergebnisse könnten dazu beitragen, gefährdete Mütter frühzeitig zu erkennen, heißt es in der Publikation. „Eine von fünf Frauen berichtet über erhöhte depressive Symptome innerhalb des Jahres nach der Geburt“, erklärt Isabel F. Almeida, Assistenzprofessorin an der University of California. „Depressive Symptome nach der Geburt eines Kindes können negative Auswirkungen auf Mütter, Kinder und Familien haben, daher ist es von entscheidender Bedeutung, dass wir daran arbeiten, die Ursachen zu verstehen“, betont sie.

Im Rahmen der Studie wurden 173 US-amerikanische Frauen mit unterschiedlichem Einkommen und Bildungsstand sowie unterschiedlicher ethnischer Herkunft während der Schwangerschaft und im Jahr nach der Entbindung beobachtet. Bei drei pränatalen Besuchen (einer in der achten bis 16. Schwangerschaftswoche, einer in der 20. bis 26. Schwangerschaftswoche und einer in der 30. bis 36. Schwangerschaftswoche) wurden Blutproben entnommen. Außerdem wurde ein Fragebogen, der 10 Punkte umfasst, sechs und 12 Monate nach der Geburt ausgefüllt, um das Auftreten und den Grad depressiver Symptome zu erfassen.

Beobachtung des pCRH-Wertes über die gesamte Schwangerschaft

„Frühere Studien haben sich auf einen einzigen Zeitpunkt konzentriert, um den pCRH-Spiegel zu bewerten, während unsere Arbeit umfassende Veränderungen des pCRH über die gesamte Schwangerschaft hinweg charakterisierte, um Zusammenhänge mit der psychischen Gesundheit nach der Geburt zu klären“, erläutert Almeida. „Dieser personenzentrierte Ansatz war von entscheidender Bedeutung, da er es uns ermöglichte, Untergruppen von Personen und ihre Verläufe auf einer detaillierteren Ebene während der Schwangerschaft zusammen mit postpartalen Daten zu identifizieren und zu vergleichen“, ergänzt sie.

Frühere Arbeiten haben gezeigt, dass die pCRH-Werte während der Schwangerschaft exponentiell ansteigen. Auch die von den Forschern entnommenen Blutproben stimmten mit diesen Mustern überein. Allerdings gab es Schwankungen in den individuellen pCRH-Spannen, insbesondere zwischen den mittleren und späten pränatalen Werten.

Ergebnisse der Studie

Im Einzelnen fielen die Frauen in eine von drei Gruppen: In der gesamten Studie berichteten 13,9 Prozent der Teilnehmerinnen einen Monat nach der Geburt über depressive Symptome, wobei die Frauen in der „beschleunigten“ Gruppe geringfügig mehr depressive Symptome aufwiesen als die Frauen in der „typischen“ Gruppe und der Gruppe mit flachen pCRH-Werten.

Laut Almeida deuten die Ergebnisse darauf hin, dass der Verlauf des pCRH-Wertes die depressiven Symptome nach der Geburt beeinflussen kann: „Unsere Ergebnisse verdeutlichen die dynamischen physiologischen Veränderungen, die während der Schwangerschaft auftreten, und geben Aufschluss darüber, wie sich diese Veränderungen auf die Gesundheit nach der Geburt auswirken. Zukünftige Arbeiten sollten weiter untersuchen, wie Veränderungen der Stressreaktion in der Hypothalamus-Hypophysen-Nebennieren-Achse mit depressiven Symptomen nach der Geburt zusammenhängen, und sich dabei speziell auf die Veränderungsmuster von pCRH konzentrieren“, sagt die Wissenschaftlerin abschließend.