Forschung am Zusammenhang zwischen Nieren- und Herz-Kreislauf-Leiden30. November 2021 Danilo Fliser, Direktor der Klinik für Nieren- und Hochdruckkrankheiten am Uniklinikum Homburg und Leiter der saarländischen Projekte des Transregio-Sonderforschungsbereichs. Foto: Universität des Saarlandes/Thorsten Mohr Mediziner der Saar-Uni und der RWTH Aachen sowie beider Universitätskliniken erhalten für den Transregio-Sonderforschungsbereich in einer zweiten Förderperiode von 2022 bis 2025 von der Deutschen Forschungsgemeinschaft rund 12,5 Millionen Euro. Patienten, deren Nieren nicht mehr richtig funktionieren, haben mit einer Vielzahl von Einschränkungen und Komplikationen zu leben. Etwa 100.000 Menschen müssen in Deutschland regelmäßig zur Dialyse, rund 25.000 Menschen leben mit einer transplantierten Niere, deren Funktionen ebenfalls häufig eingeschränkt sind. Insgesamt leben in Deutschland schätzungsweise 1,5 bis zwei Millionen Menschen, die eine Einschränkung ihrer Nierenfunktion haben.Diese haben oft auch mit Folgeerkrankungen zu kämpfen, deren Ursache in der fehlerhaften Arbeit der Nieren liegt, zum Beispiel eine Anämie. „Das Hauptproblem sind aber tatsächlich kardiovaskuläre Krankheiten, an denen diese Patienten deutlich häufiger leiden als die Normalbevölkerung“, erklärt Prof. Danilo Fliser, der die saarländischen Projekte des Transregio-Sonderforschungsbereichs leitet. „Ein Dialysepatient hat ein dreimal höheres Risiko, an einem Versagen des Herz-Kreislauf-Systems zu sterben als ein Mensch mit gesunden Nieren. Warum das so ist, ist medizinisch noch nicht hinreichend erforscht“, erläutert der Direktor der Klinik für Nieren- und Hochdruckkrankheiten am Uniklinikum Homburg.„In den vergangenen vier Jahren konnten wir nun herausfinden, dass eine Urämie, das heißt, eine Vergiftung des Körpers mit Substanzen, die eigentlich über den Urin ausgeschieden werden sollten, körpereigene Moleküle derart beeinflusst, dass eine Schädigung des Kreislaufsystems die Folge sein kann“, erklärt der Nephrologe. Außerdem haben die Medizinerinnen und Mediziner herausgefunden, dass es bei nierenkranken Patienten zu fehlgeleiteten Anpassungsprozessen im Körper kommen kann, in deren Folge das Herz-Kreislauf-System empfindlicher auf Störungen reagiert, mithin also leichter kardiovaskuläre Erkrankungen entstehen können. „Als ein Beispiel kann infolge einer Nierenfehlfunktion ein bestimmtes körpereigenes Eiweiß, das Matrix-Gla-Protein, nicht mehr in ausreichender Menge produziert werden. Dieser Mangel kann zu einer gefährlichen Gefäßverkalkung führen“, führt Fliser weiter aus.Solche Prozesse im Körper können schwerwiegende Konsequenzen für die betroffenen Patientinnen und Patienten haben. „Nach einem ersten Herzinfarkt ist der zweite Infarkt bei Nierenerkrankten schlimmer als bei ansonsten gesunden Patienten“, erklärt der Fachmann, der im Forschungsverbund eng mit Kardiologen die Zusammenhänge zwischen Nierenkrankheiten und Herz-Kreislauf-System erforscht. „In der zweiten Förderperiode ist es daher eines unserer wichtigsten Ziele, herauszufinden, warum dies so ist, nachdem wir in der ersten Periode diesen Zusammenhang erkennen konnten.“In 19 Teilprojekten inklusive eines gemeinsamen Graduiertenkollegs forschen Nephrologen und Kardiologen zu gleichen Anteilen miteinander. „Dass die Deutsche Forschungsgemeinschaft einen solcherart aufgestellten Transregio unterstützt, zeigt auch den Stellenwert des Problems“, sagt Fliser. Einmalig in diesem Forschungsverbund sei vor allem das „Patientenkollektiv“, das den Arbeiten zugrunde liegt. Üblicherweise werden Forschungen, die kardiovaskuläre Erkrankungen zum Gegenstand haben, nicht vorwiegend auf Grundlage von Patienten konzipiert, die darüber hinaus auch noch an Nierenerkrankungen leiden. Das ist beim Verbund der saarländischen und Aachener Forscher nun anders.Hintergrund:Der Transregio „TRR 219: Mechanisms of Cardiovascular Complications in Chronic Kidney Disease“ ist ein gemeinsamer Forschungsverbund der Universität des Saarlandes und der RWTH Aachen. Insgesamt besteht er in seiner zweiten Förderperiode aus 19 Teilprojekten, die vom 1.1.2022 bis Ende 2025 von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert werden. Die Fördersumme beträgt rund 12,5 Millionen Euro, von denen gut ein Drittel an die Universität des Saarlandes fließen. Sprecherhochschule ist die RWTH Aachen.
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