Forschungsdurchbruch bei post-viralem Entzündungssyndrom von COVID-1921. Oktober 2021 Foto:©Bernard Chantal – stock.adobe.com Ein internationales Team konnte zeigen, dass ein bestimmter Typ von HLA-Gewebemarkern mit der Entwicklung des Multisystem Inflammatory Syndrome in Children (MIS-C) korreliert. Das Immunsystem betroffener Kinder richtet sich auch gegen das eigene Immunsystem. Einem Team aus Forschenden um Prof. Mascha Binder, Direktorin der Universitätsklinik und Poliklinik für Innere Medizin IV Hämatologie/Onkologie der Universitätsmedizin Halle, ist zusammen mit einem US-amerikanischen Konsortium ein Durchbruch in der Erforschung des MIS-C gelungen. Dieses Syndrom kann – vor allem im Schulalter – bei Kindern und Jugendlichen nach einer Infektion mit Sars-CoV-2 auftreten. Es zeichnet sich vorwiegend durch Entzündungen in Organen wie Haut, Herz, Magen-Darm-Trakt, Lunge, Leber und Nieren aus. Die Krankheit erinnert an eine Blutvergiftung. Bis zu ein Viertel der betroffenen Kinder und Jugendlichen müssen intensivmedizinisch behandelt werden. MIS-C tritt nicht direkt nach einer Corona-Infektion auf, sondern erst bis zu sechs Wochen später. Das Forschungsteam um Prof. Binder ging möglichen Ursachen des Ausbruchs von MIS-C auf den Grund. „Eine der größten Fragen bei diesem Syndrom war bisher, wieso es bei manchen Kindern auftritt und bei anderen nicht“, erläutert Binder den Forschungsansatz. „Wir waren die ersten, die zeigen konnten, dass ein bestimmter Typ von HLA Gewebemerkmalen mit der Entwicklung von MIS-C verbunden zu sein scheint. Da diese Konstellation von Gewebemerkmalen selten ist, erklärt sich, warum glücklicherweise verhältnismäßig wenige Kinder dieses potentiell lebensbedrohliche Syndrom nach COVID-19 entwickeln.“ Die Forschung offenbarte zudem, dass sich die Immunsysteme von an MIS-C erkrankten Kindern während des Syndroms auch gegen körpereigene Strukturen richten kann, was die Organprobleme der Kinder erklärt. Eltern, deren Kinder und Jugendliche eine Infektion mit Sars-CoV-2 durchgemacht haben und die Entzündungs-Symptome oder andere Auffälligkeiten in den Wochen danach entwickeln, rät Binder, sich ärztlich vorzustellen, damit MIS-C ausgeschlossen oder entsprechend behandelt werden kann. Die zusammen mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus Boston und Los Angeles erarbeiteten Daten stießen in der internationalen Medizin und Forschung auf große Beachtung. Sie wurden in zwei Beiträgen im Fachmagazin „The Journal of Clinical Investigation“ publiziert. Originalpublikationen: Porritt RA et al. HLA Class I-associated expansion of TRBV11-2 T cells via a CDR3-independent mechanism in Multisystem Inflammatory Syndrome in Children (MIS-C). JCI 2021. Porritt RA et al. The autoimmune signature of hyperinflammatory multisystem inflammatory syndrome in children. JCI 2021.
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