Forschungsteam der Freien Universität Berlin hat eine neue Technik zur Untersuchung von Proteinen entwickelt20. März 2024 Bild: © Christoph Burgstedt – stock.adobe.com Ein Forschungsteam um den Biochemiker Prof. Helge Ewersder Freien Universität Berlin hat eine neue Technik zur Untersuchung von Proteinen in Zellen entwickelt. Die Studie dazu trägt den Titel “An optogenetic method for the controlled release of single molecules“ und ist im Fachmagazin „Nature Methods“ erschienen. Die meisten Funktionen der Zellen unseres Körpers werden von winzig kleinen Maschinen, den Proteinen ausgeführt. Um die Funktion dieser nur Millionstel Millimeter großen Eiweiße besser zu verstehen, können sie in der Arbeitsgruppe des Biochemikers Ewers am Institut für Chemie und Biochemie der Freien Universität Berlin einzeln beobachtet werden. Die Einzelmolekülmikroskopie und die Verfolgung einzelner Moleküle hat zum Verständnis zellulärer Mechanismen wie zum Beispiel des Kopierens der Erbinformation beigetragen. Eine Schwierigkeit dieser komplexen Technologie bestand bislang allerdings darin, dass in der Zelle Milliarden von Proteinen vorkommen und es schwer ist, mit Farbstoffen versehene Proteine einzeln für sich im Kontext der Zelle zu beobachten. Das Forschungsteam um Ewers hat nun eine neue Technik entwickelt, die es erlaubt, nur wenige, eingefärbte Proteine gleichzeitig zu beobachten. Die eingefärbten Proteine werden nach der Biosynthese im Zentrum der Zelle durch eine molekulare Bindung festgehalten. Ein kurzer, energiereicher Laserblitz durchtrennt dann die Bindung und eine Anzahl der Proteine wird an den Ort ihrer Funktion in der Zelle transportiert. „Die neue Technik ist ein Durchbruch für die Untersuchung einzelner Proteine in Zellen, weil sie es möglich macht, mit Hilfe eines nur kurzen Pulses an Laserlicht, einige Moleküle zur Beobachtung in der Zelle freizusetzen“, erklärt Ewers, der Leiter der Forschungsgruppe der Freien Universität. Die Erstautorin und Zellbiologin Dr. Purba Kashyap betont: „Als wir dann gesehen haben, dass wir die Zahl der freigesetzten Proteine durch die Intensität der Bestrahlung kontrollieren können, wussten wir, dass unsere Technik ein weites Anwendungsfeld hat und vielen Forschenden helfen wird.“ Die nun in der jüngsten Ausgabe von „Nature Methods“ beschriebene Technik ist in Zusammenarbeit der Arbeitsgruppe an der Freien Universität gemeinsam mit mehreren Laboren in Berlin, Hamburg und Tokyo entstanden. „Die Technik wurde bereits in drei Laboren etabliert, ist daher sehr robust und wir sind bereits mit vielen Interessenten aus der Wissenschaft in Kontakt, die diese Technik anwenden wollen“, sagt der Biochemiker. Mögliche Einsatzgebiete könnten künftig neben der direkten Beobachtung einzelner Proteine zum Beispiel auch die Manipulation von Funktionen in infizierten Zellen oder einzelnen Zellen von Lebewesen sein. „Wir könnten zum Beispiel untersuchen wie viele mutierte Rezeptoren eine Zelle dazu bringen sich unkontrolliert zu Teilen, weil wir endlich genau definierte Mengen an Proteinen freisetzen können.“ Die Arbeitsgruppe um Ewers hat zudem bereits Pläne, die Technik mit Partnern anzuwenden und zu erweitern: „Berlin ist ein wichtiger Forschungsstandort für Forschungsmethoden, die mit Licht biologische Probleme erforschen, die sogenannte Optogenetik. Und wir freuen uns, dass wir mit Prof. Andrew Plested (Humboldt Universität) und Dr. Marcus Taylor (Max-Planck-Institut für Infektionsbiologie) so effizient zusammenarbeiten konnten.“ Gemeinsam konnten die Arbeitsgruppen darstellen, wie durch die neue Technik die Funktion von Proteinen in Immunzellen mit Gendefekt wiederhergestellt werden konnte. In naher Zukunft soll in Zusammenarbeit mit weiteren Forschungsgruppen die Anwendung der neuen Methodik in Fruchtfliegen gelingen.
Mehr erfahren zu: "KI und Roboter statt Menschen: Vollautomatisiertes Labor im KIWI Biolab" KI und Roboter statt Menschen: Vollautomatisiertes Labor im KIWI Biolab Ein Labor ohne Menschen? An der TU Berlin ist das Realität. Ein vollautomatisiertes Labor führt mithilfe von Künstlicher Intelligenz und verschiedenen Robotern eigenständig Versuche und Analysen durch. Das KIWI Biolab […]
Mehr erfahren zu: "Wie Adipositas den Impfschutz beeinträchtigt" Weiterlesen nach Anmeldung Wie Adipositas den Impfschutz beeinträchtigt Eine aktuelle US-Studie legt nahe, dass sich Adipositas negativ auf den Impfschutz auswirken könnte. Im Mausmodell beeinträchtigt Adipositas die Antikörperproduktion nach einer Impfung gegen Pseudomonas aeruginosa. Gewebsständige Gedächtnis-T-Zellen könnten dieses […]
Mehr erfahren zu: "Zirkulierende Tumor-DNA mit hoher prognostischer Aussagekraft bei muskelinvasivem Blasenkrebs" Zirkulierende Tumor-DNA mit hoher prognostischer Aussagekraft bei muskelinvasivem Blasenkrebs Der perioperative Status zirkulierender Tumor-DNA (ctDNA) ist mit der Patientenprognose bei muskelinvasivem Blasenkarzinom (MIBC) assoziiert. Dies zeigt eine aktuelle Publikation in „European Urology Focus“.