Fortschritte beim Herzklappenersatz bei Kindern und Jugendlichen mit zellfreien Homografts10. März 2020 Foto: Illustration: Henning Riediger – stock.adobe.com Die Frage nach dem idealen Ersatz von defekten Herzklappen bei Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen ist seit vielen Jahren Gegenstand der Diskussion unter Kinderkardiologen und Kinderherzchirurgen. Die jüngsten Ergebnisse intensiver Forschung stehen nun nach zehn Jahren Einsatz am Patienten zur Verfügung. Auf der gemeinsamen Jahrestagung der Kinderkardiologen und der Herzchirurgen in Wiesbaden berichtete Dr. Alexander Horke aus der Hannoveraner Arbeitsgruppe über den Ersatz von defekten Herzklappen durch dezellularisierte Homografts. Bei diesem Verfahren werden menschliche Pulmonal- und Aortenklappen mit einem chemischen Verfahren zellfrei gemacht und dann in das Patientenherz an die Stelle der defekten Klappe implantiert, wo sie idealerweise mit den körpereigenen Zellen des Patienten neu besiedelt werden. Nach Abschluss der durch die EU geförderten Studien ESPOIR für die zellfreie Pulmonalklappe und ARISE für die zellfreie Aortenklappe wurden nun die neuesten Ergebnisse präsentiert. Zehn Jahre nach der Implantation liegt die Freiheit von Degeneration und Explantation der zellfreien Pulmonalklappen – insbesondere auch bei Kindern – bei 85 Prozent und ist damit bis zu 20 %Prozent besser als herkömmliche Homografts. Für die dezellularisierten aortalen Homografts liegen nun Fünfjahresergebnisse vor. Hier liegt die Freiheit von Explantation für Patienten unter 18 Jahren bei 91 Prozent, für Patienten über 18 Jahren bei 93,5 Prozent. Im Vergleich mit anderen Klappenersatzmethoden wie den mechanischen Klappen, Bioprothesen, der Ross-Methode (Austausch der defekten Aortenklappe durch die patienteneigene Pulmonalklappe) zeigt dieses Verfahren weniger nachteilige Befunde innerhalb der ersten fünf Jahre nach Implantation. Klappen, die im Rahmen einer Herztransplantation explantiert wurden, weisen eine gute Rezellularisierung auf. Degenerative Veränderungen sind insgesamt selten zu beobachten, aber Ziel weiterer Forschung. So sollen präformierte Antikörper des Empfängers identifiziert werden, um immunologische Reaktionen zu vermeiden. Außerdem soll überprüft werden, ob in diesem schwierigen Krankengut mit mehr als 50 Prozent zum Teil mehrfach voroperierten Patienten gute Flussverhältnisse in der neuen Herzklappe existieren. Nachteil bleibt die geringe Verfügbarkeit von menschlichen Herzklappen. Insgesamt stellt die Methode nach Angaben von Horke eine derzeit sehr hoffnungsvolle Option für den Klappenersatz im Kindes- und Jugendalter dar. Ergebnisse über zehn Jahre stehen allerdings noch aus.
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