Früher Rhythmuserhalt nützt Menschen mit Vorhofflimmern und weiteren Risikofaktoren6. Mai 2022 Abbildung: ©freshidea – stock.adobe.com Unterscheidet sich die Wirksamkeit einer frühen rhythmuserhaltenden Therapie zwischen Patientinnen und Patienten mit mehr oder weniger kardiovaskulären Begleiterkrankungen? Eine Subgruppen-Analyse der Studie EAST – AFNET 4 kommt nun zu dem Ergebnis: Ja, komorbide Menschen mit Vorhofflimmern profitieren eher von rhythmuserhaltenden Maßnahmen. Die Ergebnisse der Subgruppen-Analyse präsentierte Dr. Andreas Rillig, Universitäres Herz- und Gefäßzentrum, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, am 29.04.2022 beim Heart Rhythm Kongress in San Francisco, USA. Die Ergebnisse sind nach Angaben des Kompetenznetz Vorhofflimmern e.V. (AFNET) zur Publikation eingereicht. Die Studie EAST – AFNET 4 hat untersucht, ob eine rhythmuserhaltende Therapie mittels Antiarrhythmika oder Katheterablation, wenn sie im ersten Jahr nach der Diagnose Vorhofflimmern begonnen wird, die Prognose der Betroffenen verbessert. Das Hauptergebnis der Studie, das im vorigen Jahr im „New England Journal of Medicine“ publiziert wurde, zeigte einen Nutzen des frühen Rhythmuserhalts für alle Patientinnen und Patienten. Eine frühzeitige rhythmuserhaltende Therapie mit Medikamenten und/oder Ablation führte im Vergleich zur üblichen Behandlung zu weniger Todesfällen, Schlaganfällen und Krankenhausaufenthalten wegen Verschlechterung einer Herzschwäche oder akutem Koronarsyndrom. In der Studie wurden 2789 Studienteilnehmende mit kürzlich diagnostiziertem Vorhofflimmern (innerhalb eines Jahres nach Diagnose) und kardiovaskulären Risikofaktoren entweder einer Behandlung zum frühen Rhythmuserhalt oder der üblichen Behandlung zugeführt und über einen Zeitraum von fünf Jahren beobachtet. Subgruppenanalyse bei Menschen mit mehr oder weniger Begleiterkrankungen In der aktuellen Subgruppenanalyse verglichen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der EAST-AFNET-4-Studiengruppe die Wirksamkeit des frühen Rhythmuserhalts bei Menschen mit mehr oder weniger Begleiterkrankungen. Studienleiter Prof. Paulus Kirchhof, ebenfalls vom Universitären Herz- und Gefäßzentrum UKE, erklärt: „Üblicherweise neigen wir dazu, eine rhythmuserhaltende Therapie verhältnismäßig jungen und gesunden Patientinnen und Patienten mit Vorhofflimmern anzubieten. Diese Subanalyse gibt uns nun die Möglichkeit, die Wirksamkeit und Sicherheit einer frühen rhythmuserhaltenden Behandlung bei Menschen mit weniger Begleiterkrankungen und Menschen mit vielen Begleiterkrankungen zu vergleichen.“ Als Maß für die gesundheitliche Belastung und das Schlaganfallrisiko durch Krankheiten wie Herzschwäche, Bluthochdruck, Diabetes, Schlaganfall und Gefäßerkrankung verwendeten die Forschenden den CHA2DS2-VASc-Score, der auch Alter und Geschlecht mitberücksichtigt. Die Analyse umfasste 1093 Personen mit vielen Begleiterkrankungen (CHA2DS2-VASc ≥4) in einem Durchschnittsalter von 74,8±6,8 Jahren sowie 1696 Personen mit weniger Begleiterkrankungen (CHA2DS2-VASc <4) im Alter von 67,4±8,0 Jahren. 61 Prozent der ersten Gruppe und 37 Prozent der zweiten Gruppe waren Frauen. Früher Rhythmuserhalt bei Menschen mit vielen Begleiterkrankungen besonders wirksam In der Gruppe mit hohem CHA2DS2-VASc-Score ereignete sich der primäre Studienendpunkt (kardiovaskulärer Tod, Schlaganfall oder Krankenhausaufenthalt wegen Verschlechterung der Herzschwäche oder akutem Koronarsyndrom) unter früher rhythmuserhaltender Therapie seltener als unter üblicher Behandlung: 5,5 gegenüber 8,4 Ereignisse pro 100 Patientenjahre. Im Gegensatz dazu sorgte in der Gruppe mit niedrigerem CHA2DS2-VASc-Score die frühe rhythmuserhaltende Therapie nicht für eine Reduktion der Ereignisse: 3,0 gegenüber 3,2 Ereignisse pro 100 Patientenjahre. Vermehrt sicherheitsrelevante Ereignisse bei Menschen mit wenigen Begleiterkrankungen Der primäre Sicherheitsendpunkt (Tod, Schlaganfall oder Komplikationen der rhythmuserhaltenden Therapie) ereignete sich bei Personen mit CHA2DS2-VASc ≥4 unter früher rhythmuserhaltender Therapie etwa gleich häufig wie unter üblicher Behandlung: 112/549 Ereignisse (20,4 Prozent) gegenüber 132/544 Ereignisse (24,3 Prozent). Aber bei jenen mit CHA2DS2-VASc <4 traten unter früher rhythmuserhaltender Therapie mehr Ereignisse auf als unter üblicher Behandlung: 119/846 (14,1%) gegenüber 91/850 (10,7%), hauptsächlich auf Grund von Ereignissen durch einen zu langsamen Herzschlag. Lebensbedrohliche Komplikationen oder die Gesamtmortalität unterschieden sich nicht in den beiden Gruppen. Menschen mit vielen Begleiterkrankungen bei frühem Rhythmuserhalt bevorzugen Rillig fasst die wesentlichen Ergebnisse zusammen: „Diese Subanalyse der EAST-AFNET-4-Studie zeigt: Patientinnen und Patienten mit neu diagnostiziertem Vorhofflimmern und vielfältigen kardiovaskulären Begleiterkrankungen sollten vorrangig Zugang zu einer rhythmuserhaltenden Therapie bekommen, um kardiovaskuläre Folgeschäden zu verhindern. Obwohl es keine Unterschiede hinsichtlich der lebensbedrohlichen Ereignisse gab, betonen unsere Ergebnisse die Notwendigkeit, sicherere Technologien der Vorhofflimmerablation als auch sicherere Methoden der medikamentösen antiarrhythmischen Therapie zu entwickeln. Um die Resultate zu validieren, brauchen wir weitere spezielle Studien.“ Eine von vielen Subgruppenanalysen Seit der Veröffentlichung des Hauptstudienergebnisses im Jahr 2020 wurden verschiedene Subgruppenanalysen der EAST-AFNET-4-Studiendaten durchgeführt. Eine davon zeigte, dass der in der EAST-AFNET-4-Studienpopulation erzielte klinische Nutzen der frühen systematischen rhythmuserhaltenden Therapie unabhängig war von unterschiedlichen Behandlungsmustern bei den antiarrhythmischen Medikamenten und der Ablation, die innerhalb der Leitlinien-Empfehlungen angewandt wurden. Andere Subgruppenanalysen belegten den Nutzen des frühen Rhythmuserhalts für Menschen mit Vorhofflimmern und Herzschwäche, für Menschen mit asymptomatischem Vorhofflimmern und bei unterschiedlichen Formen des Vorhofflimmerns, nämlich persistierendem, paroxysmalem und erstmals diagnostiziertem Vorhofflimmern (in Druck).
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