Frühes Ovarialkarzinom: Mehr Nachteile durch minimalinvasive Chirurgie10. August 2026 Symbolbild © Nuchjaree/stock.adobe.com Minimalinvasive Eingriffe beim frühen Ovarialkarzinom werden immer häufiger durchgeführt. Eine aktuelle Kohortenstudie zeigt jedoch ein erhöhtes Risiko für intraoperative Kapselrupturen und Hinweise auf ein schlechteres Gesamtüberleben. Die Studie zeigt für die USA, dass zunehmend minimalinvasive Chirurgie zur Behandlung früher Ovarialkarzinome eingesetzt wird. Anfang der 2020er-Jahre wurde bereits mehr als die Hälfte der Patientinnen minimalinvasiv operiert. Die minimalinvasiven Verfahren waren jedoch mit einem erhöhten Risiko für eine intraoperative Kapselruptur assoziiert. Eine solche Ruptur wiederum war mit einem schlechteren OS verbunden, wobei dieser Zusammenhang nach minimalinvasiver Operation stärker ausgeprägt zu sein schien als nach offener Chirurgie. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift „JAMA Oncology“ veröffentlicht. Minimalinvasive Eingriffe nehmen weiter zu Frühere Untersuchungen hatten bereits gezeigt, dass der Einsatz minimalinvasiver Chirurgie zur Adnexektomie bei epithelialem Ovarialkarzinom im Stadium I zwischen 2010 und 2015 zugenommen hat, obwohl hierfür keine Evidenz der höchsten Qualitätsstufe vorlag. Da die bisherigen Daten mehr als zehn Jahre alt sind, wurde die Rolle der minimalinvasiven Chirurgie beim frühen Ovarialkarzinom anhand aktueller Daten erneut untersucht. Patientinnen mit unilateralem Ovarialkarzinom im Stadium IA oder IC1 aus der US-amerikanischen National Cancer Database der Commission on Cancer, die zwischen 2018 und 2023 primär operiert worden waren, wurden retrospektiv eingeschlossen. Von insgesamt 11.425 Patientinnen wurden 5770 (50,5 %) minimalinvasiv operiert, darunter 2930 (25,6 %) laparoskopisch und 2840 (24,9 %) roboterassistiert. Im Verlauf des sechsjährigen Studienzeitraums nahm der Anteil minimalinvasiver Eingriffe um 26,6 Prozent zu – von 45,1 Prozent auf 57,1 Prozent (jährliche prozentuale Veränderung 4,7 %; 95 %-KI 3,6–6,1). Dieser Anstieg war vor allem auf die zunehmende Nutzung der roboterassistierten Chirurgie zurückzuführen, deren Anteil von 17,9 Prozent auf 31,9 Prozent stieg (relative Zunahme 78,2 %; jährliche prozentuale Veränderung 12,3 %; 95 %-KI 9,4–15,9). Höheres Risiko für intraoperative Kapselrupturen In der mittels Propensity Score gewichteten Kohorte trat eine intraoperative Kapselruptur unter minimalinvasiver Chirurgie häufiger auf als nach offener Operation (21,9 % vs. 19,4 %; Inzidenzratenverhältnis 1,17; 95 %-KI 1,07–1,27). Bei Patientinnen, die minimalinvasiv operiert wurden, war eine intraoperative Kapselruptur mit einem schlechteren Gesamtüberleben (OS) assoziiert als das Ausbleiben einer Ruptur (3,5-Jahres-OS 92,6 % vs. 94,7 %; adjustierte Hazard Ratio 1,52; 95 %-KI 1,13–2,06). Nach offener Operation war dieser Zusammenhang abgeschwächt und nicht statistisch signifikant (3,5-Jahres-OS 91,0 % vs. 92,5 %; aHR 1,30; 95 %-KI 0,94–1,79). Als mögliche Erklärungen nennen die Autoren eine stärkere Verschleppung von Tumorzellen in den Oberbauch in Trendelenburg-Lagerung ohne schützende Abdeckung des Operationsfeldes oder den direkten Kontakt des Tumors mit den Instrumenten und den Trokarzugängen. Auch ein durch das Kohlendioxid-Pneumoperitoneum begünstigtes intraabdominelles Aussäen von Tumorzellen könnte eine Rolle spielen. (nec/lj)
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