Umbrella-Review bestätigt: Bewegung hilfreich bei einer Vielzahl von Schmerzerkrankungen24. September 2026 Mit Bewegung gegen Schmerzen. (Symbolfoto: ©WavebreakmediaMicro/stock.adobe.com) Die bislang umfassendste Übersichtsarbeit zum Thema Bewegung zur Schmerzlinderung verdeutlicht: Bewegung kann akute und chronische Schmerzen unterschiedlichster Genese wirksam lindern. Leichtere Übungen scheinen dafür sogar besser geeignet als ein sehr langes und intensives Training. Bewegung wird zur Schmerlinderung empfohlen. Allerdings ist noch unklar, wie dauerhaft, stark und zuverlässig die Wirkung verschiedener Bewegungsarten bei unterschiedlichen Schmerzarten ist. Forschende der Universität Adelaide (Australien) fassten nun in einem Umbrella-Review publiziert im Fachmagazin „Pain Reports“ die besten verfügbaren Erkenntnisse zu den schmerzlindernden Wirkungen von körperlicher Aktivität zusammen. Ihr Fazit: „Menschen mit chronischen Schmerzen können davon profitieren, wenn sie langsam und behutsam mit dem Training beginnen. Dies ist sicher, wirksam und verbessert in einzigartiger Weise sowohl die Schmerzen als auch die allgemeine Gesundheit.“ „Wenn wir uns körperlich betätigen, schüttet unser Körper Botenstoffe wie Endorphine und Serotonin aus, die dazu beitragen können, die Intensität unserer Schmerzempfindung zu verringern und unsere Schmerztoleranz zu erhöhen“, erklärt Studienleiter und Erstautor Dr. Ben Singh die physiologischen Zusammenhänge. „Zudem hilft es, Entzündungen zu lindern und die Art und Weise zu verändern, wie unser Gehirn auf Schmerzen reagiert, während es gleichzeitig die Stimmung verbessert. Diese Effekte helfen zu erklären, warum Bewegung ein so wirkungsvolles Mittel zur Schmerzbewältigung sein kann. Doch trotz der Belege wird sie nicht so routinemäßig eingesetzt, wie es möglich wäre, und nur selten mit derselben Präzision verschrieben wie Medikamente.“ Bewegung lindert akute und chronische Schmerzen gleichermaßen Die Gruppe um Studienleiter Dr. Ben Singh analysierte insgesamt 157 systematische Übersichtsarbeiten, die bis August 2024 publiziert wurden und wiederum 2736 randomisierte kontrollierte Studien und 221.279 Teilnehmer umfassten. Inkludiert wurden ausschließlich Reviews, in denen strukturierte Bewegungsinterventionen bewertet wurden, die auf die Steigerung oder Erhaltung körperlicher Fitness abzielen, beispielsweise Aerobic, Wassergymnastik, Tanz, Krafttraining, Pilates, Tai Chi und Yoga. Die Analyse ergab, dass Bewegung sowohl akute als auch chronische Schmerzen bei einer Vielzahl von Erkrankungen deutlich lindern kann. Dazu zählen Schmerzen des Bewegungsapparates, neurologische, entzündliche und krebsbedingte Schmerzen. Das Ausmaß der Wirksamkeit unterscheidet sich laut Studienergebnissen nicht signifikant zwischen akuten und chronischen Schmerzen. Außerdem entdeckten die Forschenden, dass Bewegungsprogramme mit kürzerer Dauer und geringerer Intensität eine stärkere Schmerzlinderung bewirkten. Selbst bei Programmen mit weniger als zwei Stunden Bewegung pro Woche wurden signifikante Vorteile festgestellt. Insgesamt reduzierte Bewegung die Schmerzen um etwa 1,1 Punkte auf einer visuellen Analogskala von eins bis zehn – eine Verringerung, die laut den Forschenden etwa 60 Prozent größer ist als die durchschnittliche Schmerzlinderung, die für gängige Schmerzmittel in separaten Studien zu chronischen Schmerzen berichtet wurde. Bewegung als zentraler Bestandteil einer multimodalen Schmerztherapie Laut Singh wird Bewegung trotz überzeugender Belege für ihren bedeutenden Nutzen als Behandlungsmethode bei Schmerzen nach wie vor zu wenig genutzt. Anstatt eines spezifischen, evidenzbasierten Trainingsprogrammes würde Schmerzbetroffenen oft einfach unkonkret geraten, „aktiv zu bleiben“. „Unsere Studie ergab, dass Bewegung bei allen Trainingsformen mit einer erheblichen Verringerung akuter und chronischer Schmerzen verbunden war – sei es durch Ausdauer- oder Krafttraining oder durch sanftere Bewegungsformen wie Yoga, Pilates oder Tai Chi. Wichtig ist, dass wir festgestellt haben, dass mehr Bewegung nicht unbedingt besser ist. Tatsächlich zeigten Programme mit kürzerer Dauer und geringerer Intensität eine stärkere Schmerzlinderung, was darauf hindeutet, dass Menschen möglicherweise nicht härter oder länger trainieren müssen, um spürbare Vorteile zu erzielen.“ Nach Ansicht der leitenden Forscherin Prof. Carol Maher sollten Ärzte dazu ermutigt werden, Bewegung als zentralen Bestandteil einer multimodalen Schmerztherapie zu integrieren. „Gesundheitsdienstleister benötigen klare Leitlinien – nicht nur dazu, ob Bewegung hilft, sondern auch dazu, welche Übungen bei welchen Patienten wirken und wie man sie effektiv verschreibt“, ergänzt Singh. „In einer Zeit, in der wir nach sicheren und wirksamen Möglichkeiten suchen, Schmerzen über die medikamentöse Behandlung hinaus zu lindern, liefern diese Ergebnisse starke Belege dafür, Bewegung zu einem routinemäßigeren Bestandteil der Schmerztherapie zu machen“, resümiert der Forscher. (ah/BIERMANN) Das könnte Sie ebenfalls interessieren: Hüftarthrose: Hilft Bewegung gegen die Schmerzen? Chronische Rückenschmerzen: Viele Therapien helfen – aber nur kurzfristig Online-Tai-Chi hilft bei Kniearthrose
Mehr erfahren zu: "Entzündungsschmerz: RAGE rückt als therapeutisches Ziel in den Fokus" Entzündungsschmerz: RAGE rückt als therapeutisches Ziel in den Fokus Entzündungen führen oft zu einer Hyperalgesie. Forschende der MedUni Wien machten nun anhand eines speziellen Experimentes auf der Haut gesunder Probanden den Rezeptor RAGE dafür verantwortlich.
Mehr erfahren zu: "Überraschende Entdeckung: Wärmesensor TRPM2 löst auch Schmerzen aus" Überraschende Entdeckung: Wärmesensor TRPM2 löst auch Schmerzen aus Wissenschaftler der University of Warwick (Vereinigtes Königreich) haben anhand von Experimenten mit Mäusen herausgefunden, dass der als Wärmesensor bekannte TRPM2-Kanal auch eine direkte Rolle bei der Auslösung chronischer Schmerzsignale spielt.
Mehr erfahren zu: "Merz sieht Gerechtigkeitsproblem bei Kassen- und Privatpatienten" Merz sieht Gerechtigkeitsproblem bei Kassen- und Privatpatienten Die schwarz-rote Koalition ringt um Akzeptanz für die geplanten Reformen im Renten- und Gesundheitsbereich. Nun räumt Bundeskanzler Friedrich Merz ein, dass die Unterschiede zwischen gesetzlich und privat Versicherten das Gerechtigkeitsempfinden […]