FSME-Überträger Auwaldzecke verbreitet sich bundesweit11. März 2022 Die Auwaldzecke Dermacentor marginatus breitet sich in Deutschland immer weiter Richtung Norden aus. (Foto: diy13 – stock.adobe.com) Mehr als 7000 eingesendete Funde zeigen: Die Auwaldzecke verbreitet sich in ganz Deutschland. Genau wie der Holzbock kann auch diese Zeckenart Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) übertragen. Die Ausbreitung der Erkrankung auch in Norddeutschland mache eine angepasste Impfstrategie notwendig. Zu diesem Ergebnis kommen die Zecken-Fachleute im Vorfeld des 6. Süddeutschen Zeckenkongresses. Im Rahmen einer „Citizen Science“ Studie, die Bürgerinnen und Bürger dazu aufrief, Zeckenfunde einzusenden, sammelte Prof. Ute Mackenstedt von der Universität Hohenheim mehr als 8000 Zecken aus ganz Deutschland. „Der Großteil davon sind Zecken der Gattung Dermacentor, darunter vor allem die Auwaldzecke Dermacentor reticulatus. Die Einsendungen kamen aus allen Bundesländern. Daran sehen wir, dass sich die Auwaldzecke bundesweit ausbreitet.“ In ihrem Forschungsprojekt untersuchte Mackenstedt außerdem die Verbreitung der Tropenzecken Hyalomma. Diese werden durch Zugvögel in Deutschland eingetragen. Schicksal der Tropenzecke hängt von Wetterbedingungen ab „Im Jahr 2021 wurden uns nur zehn Tropenzecken zugesendet“, erklärt Mackenstedt – in den Jahren 2019 und 2020 waren es insgesamt 191. „In den beiden Jahren hatten wir warme Sommer mit langen Trockenperioden, während die Temperaturen 2021 niedriger waren. Das deutet darauf hin, dass die Entwicklung der Tropenzecke von den Wetterbedingungen abhängt.“ Mit mehr heißen Sommern mit langen Trockenphasen könnten sich auch die Tropenzecken in Deutschland weiterentwickeln. Sie übertragen gefährliche Krankheitserreger, zum Beispiel das Zecken-Fleckfieber. Bereits jetzt stellen heimische Zecken ein Gesundheitsrisiko für Menschen dar. Dass der Holzbock FSME überträgt, ist bekannt. In den bundesweit verbreiteten Auwaldzecken wurde das FSME-Virus ebenfalls nachgewiesen. Durch Zeckenstiche können die Viren auf Menschen übertragen werden und zu FSME-Erkrankungen führen. Höher gelegene Gebiete in Süddeutschland sind stärker von FSME betroffen Im Vergleich zum Vorjahr gingen die FSME-Erkrankungen im vergangenen Jahr zurück: 2021 wurden 416 Fälle gemeldet, 2020 waren es 712 Fälle. Obwohl die Zahlen vor allem in Süddeutschland zurückgingen, treten die meisten Erkrankungen nach wie vor in Baden-Württemberg und Bayern auf. „Wenn man einzelne Landkreise betrachtet, zeigen sich ganz unterschiedliche Entwicklungen“, sagt Dr. Rainer Oehme, Laborleiter des Landesgesundheitsamts im Ministerium für Soziales, Gesundheit und Integration Baden-Württemberg. „In manchen Kreisen nahmen die Fälle ab, in anderen traten hingegen mehr Fälle auf. Insgesamt sind in Süddeutschland besonders höher gelegene Landkreise betroffen.“ Das deute darauf hin, dass sich Zecken, die mit dem FSME-Virus infiziert sind, in höhere Gebiete bewegen. Auch auf Bundesebene gibt es regionale Unterschiede bei den FSME-Fällen. FSME breitet sich auch in Norddeutschland aus „Während die Fallzahlen in Süddeutschland zurückgingen, breitet sich FSME in Norddeutschland zunehmend aus“, sagt Prof. Gerhard Dobler, Leiter des Nationalen Konsiliarlabors FSME am Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr in München. „Das deutet darauf hin, dass unterschiedliche Umweltfaktoren in den beiden Regionen Einfluss auf die Verbreitung der Krankheit haben.“ Diese Erkenntnis zeige weiteren Forschungsbedarf zur Epidemiologie der FSME und mache eine angepasste Impfstrategie erforderlich. Der 6. Süddeutsche Zeckenkongress findet vom 28. bis 30. März statt.
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