Gebärmutterhalskrebs: Risiko für Analkrebs fast doppelt so hoch

Symbolbild: creative/stock.adobe.com

Frauen, die an Gebärmutterhalskrebs erkranken, haben ein fast doppelt so hohes Risiko, später auch an Analkrebs zu erkranken, wie die Ergebnisse einer Studie des Hollings Cancer Center (USA) zeigen. Die Forschenden wollen das Bewusstsein für diesen Zusammenhang schärfen und die Vorsorge für Hochrisikopatientinnen verbessern.

Frauen, die eine Gebärmutterhalskrebserkrankung überstanden haben, könnten einem weiteren Risiko ausgesetzt sein, das sie vermutlich nicht auf dem Schirm haben: Analkrebs. Das zeigen neue Forschungsergebnisse des Hollings Cancer Center an der Medical University of South Carolina (MUSC), die unter der Leitung von Dr. Haluk Damgacioglu und Dr. Ashish Deshmukh gewonnen und jüngst in der Fachzeitschrift „JAMA Network Open“ veröffentlicht wurden.

Derzeit keine Routinevorsorge für Patientinnen mit Gebärmutterhalskrebs

Gebärmutterhalskrebs ist eine der am besten vermeidbaren Krebsarten: Dank regelmäßiger Vorsorgeuntersuchungen und der Impfung gegen Humane Papillomviren (HPV) liegt die Überlebensrate bei frühzeitiger Erkennung bei mehr als 90 Prozent. Klinische Leitlinien geben jedoch keine Auskunft darüber, wie es für diese Patientinnen weitergeht und welchen weiteren Risiken sie ausgesetzt sein könnten.

„Wir wissen schon lange, dass sowohl Gebärmutterhals- als auch Analkrebs durch HPV verursacht werden“, erklärt Deshmukh. „Unklar ist jedoch, wie dieses gemeinsame Risiko die beiden Krankheiten im Laufe des Lebens einer Frau miteinander verbindet.“

Derzeit wird ein Analkrebs-Screening für bestimmte Hochrisikogruppen empfohlen, beispielsweise für Menschen mit HIV (Humanes Immundefizienz-Virus), Organtransplantierte und Frauen mit Vulvakrebs in der Vorgeschichte. Es gibt jedoch keine klaren Screening-Richtlinien für Frauen mit Gebärmutterhalskrebs.

Risiko für Analkrebs fast doppelt so hoch

Die Forschenden nutzten das SEER-Programm (Surveillance, Epidemiology and End Results) des National Cancer Institute – ein umfassendes Register, das Krebsdiagnosen in den USA erfasst. Sie analysierten die Daten von mehr als 85.000 Frauen mit der Diagnose Gebärmutterhalskrebs und verfolgten diese über zwei Jahrzehnte, um zu ermitteln, wie viele von ihnen später an Analkrebs erkrankten und wann.

Sie fanden heraus, dass Frauen mit Gebärmutterhalskrebs in der Vorgeschichte im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung ein fast doppelt so hohes Risiko hatten, an Analkrebs zu erkranken.

Vor allem ältere Frauen betroffen

Die Analkrebsraten stiegen mit dem Alter und im Laufe der Zeit an. Die meisten Diagnosen wurden bei Frauen im Alter von 65 bis 74 Jahren gestellt, deren ursprüngliche Diagnose mehr als 15 Jahre zurücklag. Bei Frauen dieser Altersgruppe war die Rate der Analkrebsdiagnosen so hoch, dass sie einen allgemein akzeptierten Schwellenwert für die Empfehlung einer Routinevorsorge überschritt.

„Unsere Studie zeigt, dass das Risiko nicht verschwindet – es steigt sogar mit dem Alter und im Laufe der Zeit“, so Damgacioglu. Der Grund dafür könnte sein, dass HPV-bedingte Krebserkrankungen sich oft erst nach Jahren, manchmal Jahrzehnten entwickeln. In manchen Fällen kann das Virus unentdeckt bleiben oder sich von einem anderen Körperteil aus ausgebreitet haben.

„Es ist ein langsamer Prozess“, erklärt Deshmukh, „und das ist einer der Gründe, warum er so schwer zu erkennen ist. Wenn Symptome auftreten, ist der Krebs oft schon weit fortgeschritten.“

Hochrisikogruppen identifizieren und priorisieren

Das Screening auf Analkarzinome ist zwar nicht so routinemäßig wie Screenings auf andere Krebsarten, es gibt jedoch zuverlässige Methoden, darunter die Analzytologie (eine Art Pap-Test) und die Anoskopie. Der Zugang zu spezialisierten Screenings sei allerdings nach wie vor eingeschränkt, so die Autoren. In South Carolina gebe es beispielsweise derzeit nur einen Arzt, der für die Durchführung hochauflösender Anoskopien ausgebildet sei.

Deshalb sei es wichtig, die Hochrisikogruppen zu identifizieren und zu priorisieren, betonen die Autoren weiter. „Diese Ergebnisse zeigen uns, dass Frauen, die vor Jahren an Gebärmutterhalskrebs erkrankt waren, für ein routinemäßiges Analkrebs-Screening in Betracht gezogen werden sollten“, sagt Damgacioglu. „Derzeit geschieht das nicht.“

Bewusstsein schärfen, Vorsorge optimieren

Die Langzeitdaten der aktuellen Studie könnten ein erster Schritt sein, das zu ändern und die entsprechenden Leitlinienempfehlungen anzupassen. Deshmukh und sein Team nutzen die Ergebnisse bereits in einem neu finanzierten Projekt, das die optimale Vorgehensweise beim Screening dieser Gruppe untersuchen soll. Diese Arbeit, die in Zusammenarbeit mit dem MD Anderson Cancer Center und der Icahn School of Medicine am Mount Sinai (USA) durchgeführt wird, soll dazu beitragen, die richtige Art und Häufigkeit von potenziellen Screenings zu bestimmen.

„Wir verfügen nicht über die Ressourcen, um alle Patientinnen zu screenen“, sagt Deshmukh. „Aber wir können diese Daten strategisch nutzen. Risikobasiertes Screening stellt sicher, dass wir den Menschen helfen, die es am dringendsten benötigen.“

Vorerst hofft das Team, dass seine Forschung das Bewusstsein schärft und Gespräche zwischen Patientinnen und Ärzten anregt. „Es geht darum, Langzeitüberlebenden von Krebs zu helfen, ihre Gesundheit zu schützen“, so Damgacioglu abschließend. „Sie haben bereits eine Krebserkrankung bekämpft – wir wollen helfen, eine zweite zu verhindern.“

(mkl/BIERMANN)