Gegen die Fremdbestimmung des Arztberufes4. September 2019 DGU-Präsident Oliver Hakenberg. foto: Solcher/DGU Prof. Oliver Hakenberg, langjähriger Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Urologie (DGU), stellt als Präsident bei „seinem“ Kongress in Hamburg (Motto: “Mensch Maschine Medizin Wirtschaft”) die Frage, wie viel vom Arztberuf inmitten der Verstrickung in Ökonomie und Digitalisierung noch übrig bleibt. Hakenberg stimmt in seinem Grußwort zum Kongress düstere Töne an und formuliert ein „Gefühl der Entfremdung: Das Bild vom Arztberuf, mit dem man einst angetreten war, hat sich ganz wesentlich verändert; die Selbstbestimmung ist der Fremdbestimmung weitgehend gewichen“. Schuld daran sind zu großen Teilen die „stetig zunehmende Bürokratisierung, die Arbeitsverdichtung, steigende Anforderungen an Dokumentation, Qualitätssicherung, Zertifizierung und Rezertifizierung, an die Qualifikation und deren Nachweise“. Besonders die Arbeitsverdichtung ist der weit fortgeschrittenen Ökonomisierung des Medizinbetriebes geschuldet. „Wenn Sie das Ganze vom Krankenhausträger, von der Verwaltung aus betrachten, dann hat die Wirtschaft mindestens den gleichen Stellwert wie der Patient“, sagt Hakenberg im Interview mit den Urologischen Nachrichten. „Es geht überall um Kostendruck, dass gespart werden soll, dass auf keinen Fall Leistungen eingeschränkt werden sollen – oder man soll die Leistungen steigern, aber mit dem gleichen Personal, und es darf um Gottes Willen nicht wesentlich mehr kosten.“ Damit knüpft Hakenberg an Prof. Kurt Miller an, der vor drei Jahren in Leipzig den Ökonomismus und seine Auswirkungen ebenfalls heftig kritisierte. Die mit titelgebende „Maschine“ steht für Hakenberg zwar für einen „Faktor, der Fortschritt darstellt“ – so stellt für ihn die roboterassistierte Chirurgie „wahrscheinlich ein Fortschritt für die Patienten“ dar –, doch der DGU-Präsident macht ebenfalls deutlich, dass damit hohe Kosten verbunden sind, die letztlich im „medizinisch-industriellen Komplex“ landen, „der uns immer neue Dinge anbietet, anpreist und in den Markt bringen will“. Eine gesunde Skepsis ist also angebracht, was Innovationen angeht. Insbesondere stimmt der Rostocker Klinikdirektor nicht ins allgemeine Digitalisierungs-Hurra ein, sondern konstatiert trocken: „Die Digitalisierung ist ja sehr auf dem Vormarsch, sie hat Vorteile, aber auch Nachteile.“ So spare die papierlose Akte etwa Geld, „weil man nicht mehr Papierakten über 20 Jahre archivieren muss“, aber den Umgang mit den Daten macht sie „weiß Gott nicht unbedingt leichter“. Fremdbestimmung also nicht nur durch die Wirtschaft, sondern auch durch die damit verflochtene Technisierung. „Ob wir daran etwas Substanzielles ändern können, ist eine Frage, über die wir uns Gedanken machen sollten“, ruft Hakenberg die Kongressteilnehmer in seinem Grußwort auf und betont im Interview mit den Urologischen Nachrichten, „dass wir diese Entwicklung aufgreifen und selber gestalten müssen, bevor es andere für uns tun“. (ms) Lesen Sie das vollständige Interview mit Prof. Oliver Hakenberg und 45 Autorenbeiträge aus dem breiten Themenspektrum des 71. DGU-Kongresses in der Kongressausgabe 1 der Urologischen Nachrichten, die am 13.09.2019 erscheint.
Mehr erfahren zu: "5-ARI vor TURP verringern das Blutungsrisiko" 5-ARI vor TURP verringern das Blutungsrisiko Die präoperative Gabe von 5-alpha-Reduktase-Inhibitoren (5-ARI) reduziert signifikant den intraoperativen Blutverlust und das Risiko einer Bluttransfusion bei Patienten, die sich einer transurethralen Resektion der Prostata (TURP) aufgrund einer Benignen Prostata-Hyperplasie […]
Mehr erfahren zu: "Nephrektomie beim cT1-Nierenzellkarzinom: Prädiktoren für Erhöhung des Tumorstadiums identifiziert" Weiterlesen nach Anmeldung Nephrektomie beim cT1-Nierenzellkarzinom: Prädiktoren für Erhöhung des Tumorstadiums identifiziert Neun bestimmte Variablen können Prädiktoren für eine postoperative Erhöhung des Tumorstadiums (pathological upstaging) des cT1-Nierenzellkarzinoms sein, so eine neue Studie aus China.
Mehr erfahren zu: "Unterstützung für Blasenkrebs-Betroffene im Großraum Düsseldorf" Unterstützung für Blasenkrebs-Betroffene im Großraum Düsseldorf Am Universitätsklinikum Düsseldorf gibt es ein neues Selbsthilfeangebot für Betroffene von Blasenkrebs. Die Leitung übernimmt Dr. Rudolf Kochs, Hausarzt aus Dormagen im Ruhestand.