Genetische Loci für chronische Venenerkrankungen identifiziert19. Juni 2026 Symbolbild: © Art – stock.adobe.com Eine systematische Übersichtsarbeit zu genomweiten Assoziationsstudien identifiziert zahlreiche genetische Varianten und Signalwege, die zur Heritabilität der Varikosis und zur Pathogenese chronischer Venenerkrankungen beitragen. Die chronische Venenerkrankung (CVD) entsteht aus einem venösen Hypertonus infolge einer beeinträchtigten venösen Rückstromfunktion und führt zu erheblicher Morbidität und einer verminderten Lebensqualität. Genetische Faktoren sind wahrscheinlich an der Pathogenese und Prädisposition für eine CVD beteiligt. Ein vertiefendes Verständnis der genetischen Grundlagen der Pathogenese könne wichtige Impulse für die zukünftige Diagnostik, Prognostik und personalisierte Therapie liefern, so das Resümee einer Arbeitsgruppe vom Imperial College London. In ihrer systematischen Übersichtsarbeit, die genomweite Assoziationsstudien (GWAS) zusammenfasst, heben sie Gene hervor, die in der Literatur mit der Entstehung der CVD in Verbindung gebracht worden sind. Die Arbeit wurde im „Journal of Vascular Surgery: Venous and Lymphatic Disorders“ publiziert. Screening von mehr als 500 Studien Die Forschenden durchsuchten EMBASE, PubMed und Ovid nach Studien, die zwischen Januar 1994 und Juli 2025 veröffentlicht worden waren. Das Screening von Abstracts und Volltexten erfolgte durch 2 unabhängige Gutachter. Berücksichtigt wurden GWAS bei Erwachsenen, in denen Zusammenhänge zwischen genetischen Varianten und CVD untersucht wurden. Studien mit venöser Thromboembolie, arteriellen oder diabetischen Erkrankungen sowie mit Tiermodellen wurden nicht berücksichtigt. Nach dem Screening von 517 Studien wurden 13 Studien in das Review eingeschlossen. Als Datenquellen dienten unter anderem die UK Biobank, FinnGen, PopGen sowie landes- oder krankenhausspezifische Datenbanken, überwiegend mit kaukasischen und europäischen Patientenkohorten. Es wurden insgesamt 602.760 Patienten mit Varikosis und 3.664.604 Kontrollpersonen identifiziert, die mithilfe von GWAS und weiteren statistischen Verfahren untersucht wurden. Mehrere genetische Polymorphismen identifiziert Die Arbeitsgruppe identifizierte eine Reihe statistisch signifikanter genetischer Polymorphismen, die zur Heritabilität der Varikosis beitragen und Entzündung und Immunität (z.B. PPP3R1, EBF1 und GATA2), arterielle Hypertonie (z.B. CASZ1) sowie die Gefäßarchitektur (z.B. CASZ1, PIEZO1 und STIM2) beeinflussen. In finnischen Populationen fanden die Forschenden zudem protektive Varianten (z.B. GJD3, MMP10 und 4EBP1). Replikationsstudien zeigten jedoch, dass diese genetischen Polymorphismen nicht auf spezifische Populationen übertragbar sind. Aufgrund der statistisch unzureichenden Aussagekraft einzelner GWAS empfehlen die Autoren weitere groß angelegte Studien mit Repräsentativität für globale Populationen, einschließlich Metaanalysen von GWAS-Datensätzen, um generalisierbare Schlussfolgerungen ziehen zu können. (ins)
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