Mathematisches Modell zur Anpassung der Melanomtherapie

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Ein mathematisches Modell legt nahe, dass beim Melanom eine schrittweise Dosisreduktion die Tumorkontrolle verbessern und zugleich die therapiebedingte Toxizität verringern könnte. Klinische Studien müssen den Ansatz noch bestätigen.

Um die Behandlung des Melanoms und anderer Krebserkrankungen zu verbessern, analysierten US-amerikanische Mathematiker verschiedene Dosierungsstrategien. Dabei zeigte sich, dass eine zeitliche Anpassung der Behandlungsschemata eine wirksamere Möglichkeit zur Tumorkontrolle darstellen könnte als das Festhalten an starren Therapieplänen.

„Traditionell folgen onkologische Behandlungen festen Dosierungsschemata. Patienten erhalten Chemotherapie, Immuntherapie, chirurgische Eingriffe oder andere Behandlungen nach vorgegebenen Protokollen“, so Dr. Souvik Roy, außerordentlicher Professor für Mathematik an der University of Texas at Arlington (USA). „Durch mehrere frühere Studien meines Labors zum Ösophagus- und Kolonkarzinom haben wir jedoch festgestellt, dass kontinuierliche und dynamisch angepasste Dosierungstherapien in zwei wichtigen Aspekten besser wirken könnten: bei der Tumorkontrolle und bei der Verringerung der Toxizität.“ Die Verringerung der Toxizität sei für Patienten von großem Nutzen. Sie könne die von Familien selbst zu tragenden medizinischen Kosten senken und die Betriebskosten von Krankenhäusern reduzieren, so Roy.

Die Studie wurde in „Mathematical Biosciences“ veröffentlicht. Die Forschenden kombinierten mathematische Modellierung mit Methoden der optimalen Steuerung, um Behandlungspläne zu bestimmen, die sowohl die Tumorlast als auch die therapieassoziierte Toxizität minimieren.

Schrittweise Dosisreduktion

Ihre Ausführungen liefern eine mathematische Erklärung für ein wichtiges Rätsel der Melanomtherapie. Während Laborstudien nahelegten, dass eine intermittierende Dosierung die Entwicklung einer Arzneimittelresistenz verzögern könnte, sprachen klinische Studien für eine kontinuierliche Therapie. Die neue Analyse zeigt, dass die beste Strategie möglicherweise in einer schrittweisen Dosisreduktion der Behandlung besteht und statt in wiederholten Therapiephasen und Therapiepausen.

„Unser Modell prognostiziert den bestmöglichen Behandlungsplan unter Abwägung von Tumorkontrolle und therapieassoziierter Toxizität“, sagt Roy. „Anstatt ein fixes Dosierungsmuster zu erzeugen, schlägt es eine optimale Abfolge vor, die mit einer Therapie in voller Dosierung beginnt, zu einer intermediären Dosis übergeht und die Behandlung schließlich beendet, ohne sie erneut aufzunehmen.“ Die Idee bestehe darin, arzneimittelempfindliche Tumorzellen frühzeitig intensiv anzugreifen und die Behandlung anschließend vor ihrem Absetzen auszuschleichen. Dadurch sollen die Möglichkeiten für das Auftreten arzneimittelresistenter Zellen verringert werden, welche die Wirksamkeit der Therapie beeinträchtigen könnten.

Überprüfung in klinischen Studien erforderlich

Die Studie baut auf Roys früheren Forschungsarbeiten zur Verbesserung onkologischer Behandlungen mittels mathematischer Modellierung auf. Roy zufolge prüfen einige Krebsforschende und Kliniker bereits adaptive Behandlungsstrategien im klinischen Kontext. Obwohl die Studie auf das Melanom fokussiert, könnte der mathematische Rahmen auf andere Erkrankungen übertragen werden, bei denen die Wirksamkeit einer Behandlung vom Gleichgewicht zwischen therapeutischem Nutzen und Toxizität abhängt.

„Mathematische Modelle ermöglichen es Klinikern, Behandlungsstrategien zu bewerten, bevor sie an Patienten geprüft werden“, sagt Roy. „Unser Ziel ist nicht, Ärzte zu ersetzen, sondern rechnergestützte Werkzeuge bereitzustellen, die Therapieentscheidungen unterstützen und die Behandlungsergebnisse von Patienten verbessern.“ (ins)