Patientensicherheit: Auszeichnung für KI-gestützte Allergieerfassung

Dr. Julian Friedrich, Mediziner am Universitätsklinikum Essen © privat

Der Mediziner Dr. Julian Friedrich wird für ein KI-System zur verbesserten Allergiedokumentation mit dem Preis für Patientensicherheit der Deutschen Gesellschaft für Biomedizinische Technik im VDE (VDE DGBMT) ausgezeichnet.

Bestehen bekannte Allergien und/oder Medikamentenunverträglichkeiten? In der klinischen Praxis werden solche Informationen häufig lediglich im Freitext von Arztbriefen, Aufnahmen oder Verlaufsnotizen festgehalten. Für digitale Warnsysteme bleiben sie dadurch unsichtbar. Genau diese Lücke möchten Dr. Julian Friedrich und sein Team mit dem Electronic Medical Records (EMR) Guard schließen. Das Preisgeld beträgt 6.500 Euro.

Verbesserte Dokumentation mit dem EMR Guard

Der EMR Guard ist ein Assistenzsystem mit Künstlicher Intelligenz (KI), das neu erstellte Aktennotizen und Verlaufsdokumentationen auf Hinweise zu Allergien analysiert und diese mit bereits strukturiert hinterlegten Allergiedaten abgleicht. Erkennt der EMR Guard, dass eine im Freitext dokumentierte Allergie nicht in der offiziellen Allergieliste erfasst ist, informiert das System die zuständigen Behandler. „Informationen über Allergien und Medikamentenunverträglichkeiten gehören zu den wichtigsten Voraussetzungen für eine sichere Patientenversorgung. Moderne Krankenhausinformationssysteme können zwar automatisch vor potenziell gefährlichen Medikamenten warnen – allerdings nur dann, wenn die entsprechenden Allergien strukturiert dokumentiert sind“, erläutert Friedrich das Anwendungsszenario des EMR Guard. Friedrich arbeitet am Institut für Künstliche Intelligenz in der Medizin am Universitätsklinikum Essen. Dort hat er den Guard mit Unterstützung von Prof. Felix Nensa, Prof. Jens Kleesiek, Prof. Joachim Dissemond und Dr. Ruth Hecker entwickelt.

Erste Erfahrungen aus dem klinischen Einsatz auf zwei Stationen am Klinikum zeigen, dass der EMR-Guard die Qualität der Allergiedokumentation verbessern kann. Durch die bessere Verfügbarkeit sicherheitsrelevanter Informationen unterstützt das System bestehende klinische Warnmechanismen und trägt dazu bei, Risiken in der Arzneimitteltherapie frühzeitig zu erkennen. Langfristig kann eine vollständigere und konsistentere Dokumentation helfen, allergiebedingte Medikationsfehler zu reduzieren und dadurch die Patientensicherheit zu erhöhen.

Auszeichnung für wissenschaftlich-technischen Nachwuchs

Der Preis für Patientensicherheit der VDE DGBMT wird gestiftet von Dr. Hans Haindl, der als öffentlich bestellter Sachverständiger für Medizinprodukte über 25 Jahre lang Schäden an Medizinprodukten untersucht hat. Mit dem Preis soll das Ziel gefördert werden, die Sicherheit der Patienten und die Qualität einer Behandlung zu jedem Zeitpunkt zu gewährleisten und die Wahrscheinlichkeit von Fehlern zu minimieren.

Die Auszeichnung richtet sich an den wissenschaftlich-technischen Nachwuchs in Forschungseinrichtungen, Kliniken und in der Industrie. Aber auch Krankenhausbetreiber sollen profitieren, weil sie dafür sorgen müssen, dass Medizinprodukte in verlässliche Prozesse eingebunden werden.

Die VDE DGBMT ist die wissenschaftlich-technische Fachgesellschaft für Medizintechnik in Deutschland. Sie wurde 1961 in Frankfurt am Main gegründet. Sie vernetzt Expertinnen und Experten aus allen Bereichen der Technikanwendungen in der Medizin und bearbeitet das gesamte Themenspektrum der Biomedizinischen Technik.