Chemisch-pharmazeutische Industrie: „Das Problem ist der Standort Deutschland“26. August 2026 Monika von Zedlitz (VCI-Pressesprecherin), Thomas Wessel (Vorsitzender des VCI-Ausschusses Forschung, Wissenschaft und Bildung), Ulrike Zimmer (Leiterin des Bereichs Wissenschaft, Technik und Umwelt im VCI, Geschäftsführerin des Fonds der Chemischen Industrie); v.l.n.r. (Foto: VCI/Thomas Lohnes) Der Verband der Chemischen Industrie (VCI) hat aktuelle Zahlen zu Forschung und Entwicklung in der Chemie- und Pharmabranche vorgelegt. Unter anderem planen Unternehmen demnach stärker ins Ausland zu investieren. Innovation bleibt für die chemisch-pharmazeutische Industrie der Schlüssel aus der Krise. Nach wie vor ist die Investitionsbereitschaft für Forschung und Entwicklung (FuE) hoch und die Unternehmen setzen auf eine starke Forschungsorientierung, so der VCI: 2025 lagen die FuE-Budgets der Branche bei knapp 16 Milliarden Euro. Drei Viertel der Unternehmen entwickeln neue Produkte und Verfahren. Rund sieben Prozent ihrer Umsätze investieren sie wieder in FuE. Das geht aus heute (26. August) veröffentlichten Zahlen des Verbandes der Chemischen Industrie (VCI) hervor, die in Frankfurt/Main der Presse vorgestellt wurden. Diese hat der Verband unter anderem in Rahmen einer Umfrage zum Thema Forschung unter seinen Mitgliedern erhoben. Rückläufige Zahlen für Forschung und Entwicklung in Deutschland Für das laufende Jahr trüben sich die Pläne allerdings ein: Nach Angaben des VCI rechnen 29 Prozent der Chemie- und Pharmafirmen mit rückläufigen FuE-Ausgaben in Deutschland. Nur noch knapp jedes fünfte Unternehmen plant mit steigenden Budgets am heimischen Standort. Deutlich positiver dagegen fallen die Pläne für das Ausland aus: Hier prognostizieren 41 Prozent der befragten Firmen steigende Etats. Thomas Wessel, Vorsitzender des VCI-Ausschusses Forschung, Wissenschaft und Bildung, macht deutlich: „Die chemisch-pharmazeutische Industrie will sich aus der Krise herausinnovieren. Das Problem ist nicht der Wille, sondern der Standort Deutschland.“ Thomas Wessel (Foto: VCI/Thomas Lohnes) Während die Unternehmen ihren Innovationskurs fortsetzten, gerät laut VCI der Standort immer stärker unter Druck. Viele Länder holten mit hoher Geschwindigkeit auf. Das zeige sich beispielsweise an ihren wachsenden FuE-Budgets. Der Anteil der deutschen chemisch-pharmazeutischen Industrie an den globalen FuE-Ausgaben gehe dagegen von 6,5 Prozent (2010) auf 4,2 Prozent (2025) zurück. Hinzu kommt, so der VCI, dass andere Länder Forschung, Entwicklung, Produktion und Standort längst als Einheit denken. Damit werde der globale Wettbewerb nicht nur härter, er stelle sich auch strategischer auf, beschreibt der Verband die Entwicklung im internationalen Wettstreit um die besten Standortbedingungen. Besonders China verfolge eine glasklare industrieorientierte Innovationsstrategie. Dies zeige sich auch in Zahlen: Der Anteil an den weltweiten Patentanmeldungen in Chemie und Pharma hat sich demnach 2010 bis 2024 nahezu vervierfacht. Damit liegt China nach den USA jetzt auf Rang 2 – vor Japan, Südkorea und Deutschland, berichtet der VCI. „Der Transfer aus der Forschung bis zur Marktreife wird über mehrere Wege sichergestellt. Flankiert wird der ganze Prozess von einer offensiven Agenda zum Schutz geistigen Eigentums“, erläutert Wessel den Trend Chinas. „Es geht um den großen Wurf“ Der VCI fordert von der Politik daher strategischer zu denken und handeln. Das Tempo müsse deutlich anziehen, um Forschungsideen zu kommerzialisieren und die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands zu erhöhen. „Wettbewerb kennt keine Schonzeit“, betont Wessel, und weiter: „Alle Anstrengungen der Unternehmen müssen auf politisch zukunftsfähige Rahmenbedingungen treffen. Es geht nicht um Korrekturen im Klein-Klein, sondern um eine Richtungsentscheidung für den Innovationsstandort Deutschland und den Willen zu grundlegenden Reformen. Es geht um den großen Wurf.“ Deutschland müsse den Mut und den Willen haben, ein Land zu sein, das Innovationen ermöglicht, beschleunigt und willkommen heißt, so Wessel. „Gesundheits-Sparpaket schwächt Pharmastandort massiv“ Das Reformpaket der Bundesregierung ist Wessel zufolge ein „erster Anfang“. Er drängt jedoch darauf, widersprüchliche Politik zu korrigieren, die sich beispielsweise im Gesundheits-Sparpaket zeige, das den Pharmastandort massiv schwäche. Laut Wessel sollten die Chemie- und Hightech-Agenda, die nationale Plattform Biotechnologie sowie die künftige Pharma- und Medizintechnikstrategie aufeinander abgestimmt und zu einer schlüssigen Innovationsstrategie verzahnt werden. Dafür müsse die Chemie-Agenda 2045 die industriepolitischen Leitplanken setzen, damit die Potenziale von Chemie, Pharma und Biotechnologie in wettbewerbsfähige Wertschöpfung und Produktion überführt würden. Nach Auffassung Wessels braucht es dafür „eine ressortübergreifende Steuerung, eine verlässliche Finanzierung, die Einbettung in Sozial- und Wirtschaftsreformen sowie eine berechenbare Politik“. (hr/BIERMANN)
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