Abnehmspritze als Kassenleistung? AOK-Chefin warnt vor Kosten

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Die Behandlung mit Abnehmspritzen wie Wegovy oder Mounjaro kostet mehrere Hundert Euro im Monat und muss meist selbst bezahlt werden. Eine Kostenübernahme könnte die GKV mit Milliarden belasten.

Eine Kostenübernahme von Abnehmspritzen könnte die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) laut AOK-Bundesverbandschefin Carola Reimann im Extremfall mit Milliardenbeträgen belasten. Würden alle GKV-versicherten Adipositas-Patienten mit einem Body-Mass-Index (BMI) von 30 oder mehr regelmäßig damit behandelt, entstünden hochgerechnet jährliche Kosten von etwa 45 Milliarden Euro, sagte Reimann den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

Bei einem BMI von 35 und mehr würden sich die jährlichen Kosten demnach immer noch auf rund 14 Milliarden Euro belaufen. „Das ist sicher ein Maximal-Szenario, aber es zeigt die finanziellen Dimensionen dieses Themas“, fügte Reimann hinzu.

Die neue Vorsitzende des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA), Sonja Optendrenk, hatte zuletzt eine Kostenübernahme von Abnehmspritzen bei schwerer Adipositas ins Gespräch gebracht (wir berichteten). Reimann sagte zu der Thematik: „So verkürzt kann man die Debatte nicht führen.“

Michaela Engelmeier, Vorstandsvorsitzende des Sozialverbands Deutschland, sagte, es sei richtig und wichtig, die möglichen Kosten von Abnehmspritzen seriös zu betrachten. „Die Debatte sollte dabei aber nicht allein auf die Medikamentenkosten reduziert werden.“ Adipositas verursache schon heute medizinische Kosten in Milliardenhöhe. Wirksame Behandlungen könnten dazu beitragen, Folgeerkrankungen zu vermeiden und die Gesundheit und Lebensqualität der betroffenen Menschen zu verbessern. 

„Riesiger medialer Hype“ um Abnehmspritzen

Auf Kassenrezept können Diabetiker GLP-1-Rezeptoragonisten die in den Medikamenten Wegovy oder Mounjaro enthalten sind, bereits erhalten, wenn sie zur Behandlung von Diabetes Typ 2 genutzt werden und nicht allein zum Abnehmen. Die Behandlung mit ihnen kostet einige Hundert Euro pro Monat. „Gleichzeitig gibt es einen riesigen medialen Hype, weil manche Menschen sie ohne medizinischen Hintergrund aus kosmetischen Gründen nutzen“, sagte Reimann.

Derzeit fallen Abnehmspritzen, die explizit zur Behandlung von Adipositas zugelassen sind, in Deutschland unter den „Lifestyle-Paragrafen“. Sogenannte „Lifestyle-Arzneimittel“ dürfen nicht als Kassenleistung verordnet werden. Dazu zählen etwa Appetitzügler, Mittel für mehr Haarwuchs oder zur Steigerung der sexuellen Potenz – bei deren Anwendung eine Erhöhung der Lebensqualität im Vordergrund steht.