DGMKG warnt vor schweren Gesichtsverletzungen durch E-Scooter-Unfälle20. August 2026 Foto: Mihajlo Maricic/stock.adobe.com Schwere Gesichtsverletzungen durch E-Scooter-Unfälle: Laut DGMKG betreffen 40 Prozent der Verletzungen den Kopf- und Gesichtsbereich. Die Fachgesellschaft mahnt zur Vorsicht – auch wenn sich die Verletzungen oft gut behandeln lassen. Gerade in den Sommermonaten gehören E-Scooter zum Stadtbild – jedoch steigt die Zahl von schweren Unfällen mit ihnen erheblich an. 16.496 E-Scooter-Unfälle mit Personenschaden registrierte die Polizei nach Angaben des Statischen Bundesamtes im Jahr 2025 – ein Anstieg von 38,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Besonders häufig sind Verletzungen im Kopf- und Gesichtsbereich. Die Deutsche Gesellschaft für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie (DGMKG) weist darauf hin, dass vor allem Männer zwischen 20 und 40 Jahren betroffen sind, und fordert das persönliche Fahrvermögen sowie die aktuelle Verkehrslage, die Wetterbedingungen und den Zustand der Straße mehr zu beachten. Mit moderner Diagnostik und innovativen Operationsverfahren lassen sich viele der Verletzungen im Kopf- und Halsbereich erfolgreich behandeln. Gesichtsverletzungen durch E-Scooter-Unfälle: Unterkieferfrakturen häufig Eine Auswertung des BG Klinikums Unfallkrankenhaus Berlin aus den Jahren 2020 bis 2024 zeigt, dass rund 40 Prozent der Verletzungen bei E-Scooter Unfällen den Kopf und das Gesicht betreffen. „Gerade im Bereich der Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie behandeln wir nach E-Scooter-Unfällen regelmäßig komplexe Verletzungsmuster“, erklärt PD Dr. Björn Riecke, Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurg am BG Klinikum Unfallkrankenhaus Berlin sowie Experte der DGMKG. Die Arbeit ist im „Journal of Clinical Medicine“ erschienen. „Besonders häufig sehen wir Unterkieferfrakturen – darunter sind häufig Kiefergelenkfrakturen wie mehrfragmentäre Gelenkköpfchenfrakturen und Gelenkhalsfrakturen. Auch beidseitige Mittelgesichtsfrakturen, Zahnfrakturen sowie Riss-Quetschwunden kommen oft vor.“ Männer im Alter von 20 bis 40 Jahren verunfallen am häufigsten. Moderne MKG-Chirurgie ermöglicht präzise Versorgung Die Versorgung komplexer Kopf- und Gesichtsverletzungen durch E-Scooter-Unfälle hat sich in den vergangenen Jahren erheblich weiterentwickelt. Hochauflösende dreidimensionale Bildgebungsverfahren wie die Computertomografie (CT) oder die digitale Volumentomografie (DVT) ermöglichen eine exakte Diagnostik und eine präzise Operationsplanung. Des Weiteren ermöglichen CADCAM-geplante patientenspezifische Titanimplantate eine größtmögliche Annäherung an die ursprüngliche Anatomie. „Dank dieser modernen Verfahren können Patientinnen und Patienten präziser versorgt werden, haben kürzere Krankenhausaufenthalte und eine schnellere Rehabilitation“, betont Riecke. Auch künftig werde sich die Versorgung weiter verbessern. „Künstliche Intelligenz wird die Auswertung bildgebender Verfahren zunehmend unterstützen und die Operationsplanung weiter optimieren“, erwartet der DGMKG-Experte. „Durch die verkürzte Operationszeit wird die Belastung für die Patientinnen und Patienten verringert.“ Funktionen erhalten und sichtbare Folgen von Gesichtsverletzungen durch E-Scooter-Unfälle vermeiden Das oberste Ziel der Behandlung besteht darin, Funktion und Ästhetik der verletzten Mund- und Gesichtsbereiche vollständig wiederherzustellen. Dennoch können schwere Gesichtsverletzungen durch E-Scooter-Unfälle auch nach erfolgreicher Versorgung Beschwerden verursachen. „Sensibilitätsstörungen im Gesichtsbereich, schmerzhaftes Kauen, eine schmerzbedingt eingeschränkte Mundöffnung, Augenbewegungsstörungen oder Doppeltsehen sind mögliche Unfallfolgen“, erklärt der DGMKG-Experte. In Einzelfällen kann sich eine Kiefergelenksarthrose entwickeln. Zahnverletzungen machen darüber hinaus häufig weitere zahnärztliche Behandlungen bis hin zu Implantat-Versorgungen erforderlich. Auch sichtbare Narben könnten dauerhaft bestehen bleiben. „Je früher komplexe Gesichtsverletzungen durch spezialisierte Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurginnen und -chirurgen behandelt werden, desto besser sind die Chancen, langfristige funktionelle und ästhetische Einschränkungen zu vermeiden“, hebt Riecke hervor. Prävention kann schwere Verletzungen verhindern Nach Auffassung der DGMKG ist Prävention der wirksamste Schutz vor schweren Gesichts- und Kopfverletzungen, die durch E-Scooterunfälle hervorgerufen werden. Dazu gehört eine realistische Einschätzung der eigenen Fahrfähigkeiten ebenso wie die Berücksichtigung von Verkehrsaufkommen, Witterung und Fahrbahnbeschaffenheit. Auf Fahrten unter Alkoholeinfluss sollte grundsätzlich verzichtet werden. Zudem empfiehlt die Fachgesellschaft das Tragen eines Helms. Zwar schützt ein herkömmlicher Fahrradhelm das Gesicht nur eingeschränkt – vor schweren Mittelgesichts- und Unterkieferfrakturen bietet lediglich ein Integralhelm einen wirksamen Schutz –, dennoch kann bereits ein Fahrradhelm das Risiko schwerer Kopfverletzungen deutlich senken. Bußgelder und Helmpflicht: Vorbild Paris Eine Vorbildfunktion erfüllt hier die französische Hauptstadt: Angesichts stark angestiegener Unfall- und Todesopfer durch E-Scooterunfälle (Anzahl von Verkehrsunfällen im Jahr 2025 im Vergleich zum Jahr 2024 um ein Drittel gestiegen, 79 Todesfälle in 2025 – 34 mehr als 2024), hat Paris vor kurzem neben einer Helmpflicht auch eine Pflicht zum Tragen einer Warnweste oder anderer reflektierender Ausrüstung eingeführt. Ohne Helm wird eine Geldstrafe von 135 Euro fällig, ohne Weste oder Reflektoren 35 Euro. Solche präventiven Maßnahmen begrüßt die DGMKG ausdrücklich. Zuletzt hatte sich die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin für mehr Prävention in Sachen E-Scooter stark gemacht. Literatur: Käckenmester W et al. E-Scooter-Associated Injury Types and Injury Severity: A Systematic Review and Meta-Analysis. J Clin Med 2026;15(6):2154. Dudde F et al. Facial Trauma in E-Scooter vs. Bicycle Accidents: A Retrospective Comparative Analysis in a Metropolitan Setting. Kleinertz H et al. Risk factors and injury patterns of e-scooter associated injuries in Germany. Sci Rep 2023;13(1):706. Auch interessant: E-Scooter-Unfälle: Deutschlandweit klare Muster
Mehr erfahren zu: "Hitzeschutz: Nur fünf Prozent der Patientenzimmer sind klimatisiert" Hitzeschutz: Nur fünf Prozent der Patientenzimmer sind klimatisiert Laut einer Blitzumfrage des Deutschen Krankenhausinstitutes im Auftrag der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) können 59 Prozent der deutschen Kliniken kein einziges Patientenzimmer kühlen. Bei den restlichen 41 Prozent gelingt dies im […]
Mehr erfahren zu: "Riech- und Geschmacksstörungen sind nicht mehr typisch für akute SARS-CoV-2-Infektion" Riech- und Geschmacksstörungen sind nicht mehr typisch für akute SARS-CoV-2-Infektion Nach dem Ende der Corona-Pandemie sind Hyposmie und Hypogeusie bei Kindern nicht mehr pathognomonisch für eine akute SARS-CoV-2-Infektion. Eine aktuelle Querschnittsstudie zeigt, dass auch andere Atemwegsinfekte ähnliche objektive Defizite verursachen.
Mehr erfahren zu: "Umfrage: Osteopathie-Allianz sieht Auftrag für berufsgesetzliche Regelung bestätigt" Umfrage: Osteopathie-Allianz sieht Auftrag für berufsgesetzliche Regelung bestätigt Laut einer Befragung im Auftrag der Osteopathie-Allianz sind osteopathisch und schulmedizinisch versorgte Patienten deutlich zufriedener als vergleichbare ausschließlich schulmedizinisch behandelte Patienten.