Riech- und Geschmacksstörungen sind nicht mehr typisch für akute SARS-CoV-2-Infektion19. August 2026 Nach einer SARS-CoV-2-Infektion können Veränderungen des Geruchs- oder Geschmackssinns auftreten, die sich objektiv nicht nachweisen lassen. (Foto: © be free – stock.adobe.com) Nach dem Ende der Corona-Pandemie sind Hyposmie und Hypogeusie bei Kindern nicht mehr pathognomonisch für eine akute SARS-CoV-2-Infektion. Eine aktuelle Querschnittsstudie zeigt, dass auch andere Atemwegsinfekte ähnliche objektive Defizite verursachen. Während zu Beginn der Pandemie – insbesondere unter der Delta-Variante – Störungen des Geruchs- und Geschmackssinns als typische oder sogar einzige Symptome einer SARS-CoV-2-Infektion (SCI) galten, hat sich dieses Bild gewandelt, wie ein Forscherteam der Universitätskinderklinik Bochum im „Pediatric Infectious Disease Journal“ berichtet. Dieses hatte zwischen Juli 2021 und Oktober 2022 insgesamt 123 Kinder und Jugendliche im Alter von acht bis 17 Jahren untersucht, um die Spezifität dieser Symptome in der Omikron-Ära zu evaluieren. Objektive Defizite bei verschiedenen Erregern ähnlich Dazu unterteilten die Forschenden die Probanden in Gruppen mit akuter SCI, anderen akuten Atemwegsinfekten (URTI), Post-Infektions-Gruppen mit und ohne persistierende Symptome (PI+/PI–) sowie eine gesunde Kontrollgruppe (NI). Zur objektiven Messung kamen validierte Verfahren wie der U-Sniff-Test und Taste Strips zur Geschmacksprüfung zum Einsatz. Messbare Einschränkungen des Geruchs- und Geschmackssinns fanden die Autoren bei bis zu einem Fünftel der Kinder, unabhängig vom Erreger. Eine schwere Hyposmie wurde bei 17 Prozent der Kinder mit allgemeinen Atemwegsinfekten und bei 21 Prozent der PI+-Gruppe nachgewiesen. Eine schwere Hypogeusie fand sich am häufigsten bei Kindern mit akuter SCI (18 %), gefolgt von den Post-Infektions-Gruppen. Statistisch ließen sich somit keine signifikanten Unterschiede in der Häufigkeit objektiver Defizite zwischen SARS-CoV-2 und anderen viralen Erregern feststellen. Die Last der aversiven Fehlwahrnehmungen Die klinisch relevanteste Erkenntnis der Studie liegt jedoch in der Diskrepanz zwischen messbaren Funktionen und subjektivem Empfinden. Kinder in der PI+-Gruppe berichteten signifikant häufiger über subjektive Riech- (32 %) und Geschmacksstörungen (29 %). Besonders auffällig: 14 Prozent der Kinder in den Post-Infektions-Gruppen gaben an, dass Nahrungsmittel für sie „ekelhaft“ schmecken oder riechen (Parosmie/Parageusia). Diese aversiven Veränderungen korrelierten häufig nicht mit den objektiven Testergebnissen. Mehr als die Hälfte der PI+-Kinder (57 %) klagte zudem über ein verändertes Essverhalten oder Appetitlosigkeit. Die Autoren betonen, dass objektive Tests wie Taste Strips zwar Funktionsverluste (Hypogeusie/Ageusie) sicher identifizieren, qualitative Fehlwahrnehmungen jedoch übersehen. Für eine verlässliche Diagnose im klinischen Alltag sei es daher essenziell, objektive Messungen und subjektive Befragungen mittels validierter Fragebögen stets kombiniert einzusetzen. Nur so können die oft belastenden Langzeitfolgen im Sinne von Long-COVID bei Kindern adäquat erfasst und die betroffenen Familien besser beraten werden. (ej)
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