Genomstudie: Forschende finden neue Risikogene für Magenkrebs26. Mai 2023 Magenkrebs (Abbildung: © Axel Kock/stock.adobe.com) Die Blutgruppe eines Menschen beeinflusst sein Risiko, an Magenkrebs zu erkranken. Das ist eines der Ergebnisse einer Metastudie, in der Wissenschaftler genetische Risikofaktoren für verschiedene Untertypen von Magenkrebs analysiert haben. Der Marburger Humangenetiker Prof. Johannes Schumacher koordinierte gemeinsam mit dem Gastroenterologen Prof. Marino Venerito von der Universitätsmedizin Magdeburg die Studie zahlreicher europäischer Zentren, die im Fachblatt „eBioMedicine“ über ihre Ergebnisse berichten. „Magenkrebs ist im klinischen Erscheinungsbild uneinheitlich“, erklärt Schumacher; „das gilt sowohl hinsichtlich der Lage des Tumors, als auch hinsichtlich der betroffenen Gewebe.“ In ihrer Studie arbeiten die Forschenden heraus, welche genetischen Risiken für die verschiedenen Subtypen bestehen. Marino Venerito von der Universitätsmedizin Magdeburg (Foto: © Melitta Schubert/Universitätsmedizin Magdeburg) „Uns interessiert außerdem, ob es genetische Zusammenhänge zwischen Magenkrebs und Speiseröhrenkrebs gibt, also zwei Erkrankungen des Verdauungstraktes“, legt Venerito dar, der die Studie gemeinsam mit Schumacher leitete. Die beteiligten Wissenschaftler verwerteten die Daten von zehn europaweiten Genomstudien. Solche Studien nutzen das Vorliegen molekularer Varianten, die über die gesamte Länge der DNA verteilt sind. Hierdurch lassen sich die genetischen Risikofaktoren aufspüren, die der Krebserkrankung ursächlich zugrunde liegen vorliegen. Außerdem führte das Team eine Transkriptomstudie durch. „Mit dieser Methode konnten auch diejenigen Gene identifiziert werden, die durch die genetischen Risikofaktoren beim Magenkarzinom fehlgesteuert werden“, führt Schumacher aus. „Insgesamt schließt unsere Studie mehr als 5800 Personen mit Magenkrebs ein, die sie mit knapp 11.000 krebsfreien Personen vergleicht“, erläutert Schumachers Mitarbeiter Timo Heß, einer der Leitautoren des Fachaufsatzes. Für die Transkriptomstudie lagen Gewebeproben aus dem Magen von 360 Probanden vor. Die Analyse bestätigte für fünf bereits bekannte DNA-Abschnitte, dass sie mit Magenkrebs-Unterarten in Zusammenhang stehen. „Zwei weitere Stellen kamen durch unsere Studie neu hinzu“, führt der Marburger Bioinformatiker Dr. Carlo Maj aus, ein weiterer Leitautor aus Schumachers Labor. Für eine bestimmte Stelle mit einem Risikogen fand das Team heraus, dass Menschen mit Blutgruppe 0 ein geringeres Risiko tragen, an Magenkrebs zu erkranken. Blutgruppe A hingegen erhöht das Risiko. „Unsere Analyse bestätigt: Die molekularen Prozesse, die einer Magenkrebserkrankung zugrunde liegen, sind je nach Ausprägung des Krebs-Subtyps sehr unterschiedlich“, fasst Schumacher zusammen. „Die Befunde deuten außerdem auf gemeinsame molekulare Mechanismen hin, die sowohl der Entstehung von Magenkrebs als auch von Speiseröhrenkrebs zugrunde liegen.“ Schumacher und Venerito koordinieren gemeinsam das Forschungsprojekt „StaR“ zu den Ursachen des Magenkarzinoms. Neben den beiden Arbeitsgruppen beteiligten sich zahlreiche Zentren aus ganz Europa an der Studie. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft unterstützte die wissenschaftliche Arbeit finanziell.
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