Gentherapie für autosomal rezessive Taubheit: „OTOF ist erst der Anfang“22. Juli 2025 Foto: Victor Moussa – stock.adobe.com Das Hörvermögen von zehn Patienten mit autosomal rezessiver Taubheit aufgrund eines fehlerhaften Otoferlin-Gens (OTOF) konnte erfolgreich verbessert werden, wie aktuelle Forschungsergebnisse aus China zeigen. „Das ist ein großer Fortschritt in der genetischen Behandlung von Taubheit, der für Kinder und Erwachsene lebensverändernd sein kann“, kommentierte Maoli Duan, Berater und Dozent am Department of Clinical Science, Intervention and Technology, Karolinska Institutet, Schweden, und einer der Autoren der im Fachjournal „Nature Medicine“ erschienen Studie die Ergebnisse. An der Studie nahmen zehn Patienten im Alter zwischen 1,5 bis 23,9 Jahren an fünf chinesischen Krankenhäusern teil. Alle litten an einer genetisch bedingten Form von Taubheit oder schwerer Hörbehinderung, die durch Mutationen im OTOF-Gen verursacht wird. Primäre Endpunkte waren Sicherheit und Verträglichkeit in einem Zeitraum von fünf Jahren. Die sekundären Endpunkte beurteilten die Hörfunktion. Wirkung innerhalb eines Monats Als Vektor für die Gentherapie wurde ein synthetisches Adeno-assoziiertes Virus (AAV) verwendet. Mittels einer einmaligen Injektion druch das runde Fenster der Cocchlea wurde eine funktionelle Version des OTOF-Gens in das Innenohr gebracht. Die Wirkung der Gentherapie trat schnell ein: Die Mehrheit der Patienten erlangte bereits nach einem Monat ein gewisses Hörvermögen zurück. Eine Nachuntersuchung nach sechs Monaten zeigte bei allen Teilnehmern eine erhebliche Verbesserung des Hörvermögens: Die durchschnittliche Lautstärke des wahrnehmbaren Schalls verbesserte sich von 106 Dezibel auf 52 Dezibel. Für andere sekundäre Endpunkte zeigten sich ähnliche Verbesserungen, darunter die durchschnittliche Klick-Hirnstamm-Hörschwelle (ABR) (101±1 auf 48±26 dB), die Ton-Burst-ABR-Schwelle (91±4 auf 57±19 dB) und die stationäre Hörschwelle (80±14 auf 64±21 dB). Mittels Post-hoc-Analysen wurden der zeitliche Verlauf und die Faktoren, die zur Hörverbesserung beitragen, bewertet. Beste Ergebnisse bei Kindern zwischen fünf und acht Jahren Die jüngeren Patienten, insbesondere Kinder im Alter zwischen fünf und acht Jahren, sprachen am besten auf die Behandlung an. Eine der Teilnehmerinnen, ein siebenjähriges Mädchen, erlangte schnell fast ihr gesamtes Hörvermögen zurück und war vier Monate später in der Lage, sich täglich mit ihrer Mutter zu unterhalten. Aber auch bei Erwachsenen erwies sich die Therapie als wirksam. „Kleinere Studien in China haben bereits positive Ergebnisse bei Kindern gezeigt, aber dies ist das erste Mal, dass die Methode auch bei Teenagern und Erwachsenen getestet wurde“, erklärt Duan. „Bei vielen der Teilnehmer verbesserte sich das Hörvermögen erheblich, was einen großen Einfluss auf ihre Lebensqualität haben kann. Wir werden diese Patienten nun weiter beobachten, um zu sehen, wie nachhaltig die Wirkung ist.“ Keine schwerwiegenden unerwünschten Reaktionen Die Studie hatte auch das Sicherheitsprofil der Therapie im Blick: Dabei erwies sich die Behandlung als sicher und gut verträglich. Die häufigste unerwünschte Reaktion war eine Verringerung der Zahl der Neutrophilen In der Nachbeobachtungszeit von sechs bis Monaten wurden keine schwerwiegenden unerwünschten Wirkungen gemeldet. „OTOF ist erst der Anfang“, zeigte sich Duan überzeugt. Die Ausweitung auf andere, häufigere Gene wie GJB2 und TMC1 plant Duan zufolge nicht nur sein eigenes Team. Diese seien zwar komplizierter zu behandeln, aber Tierstudien hätten vielversprechende Ergebnisse geliefert, so Duan weiter, der betonte: „Wir sind zuversichtlich, dass Patienten mit verschiedenen Arten von genetisch bedingter Taubheit eines Tages eine Behandlung erhalten können.“ Die aktuelle Studie wurde in Zusammenarbeit mit einer Reihe von Einrichtungen durchgeführt, darunter das Zhongda-Krankenhaus der Südost-Universität in Chin und wurde von mehreren chinesischen Forschungsprogrammen und Otovia Therapeutics Inc. finanziert. Das Unternehmen hat die Gentherapie entwickelt und viele der an der Studie beteiligten Forscher sind dort beschäftigt. (ja/BIERMANN)
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