Geplante Studie zu neuen medikamentösen Therapiemöglichkeiten bei Herzmuskelfibrose nach TAVI

Miriam Puls (links), Geschäftsführende Oberärztin der Klinik für Kardiologie und Pneumologie, und Elisabeth Zeisberg, Leiterin der Arbeitsgruppe „Kardiales Stroma“, Klinik für Kardiologie und Pneumologie der Universitätsmedizin Göttingen. Bild: umg/hzg

Eine schwere Aortenklappenstenose geht häufig mit einer Myokardfibrose einher, welche sich auch durch einen kathetergetützten Aortenklappenersatz (TAVI) nicht vollständig aufhalten lässt. Ob eine zusätzliche medikamentöse Therapie den Prozess weiter verlangsamen kann, soll nun eine Studie unter Leitung zweier Göttinger Ärztinnen überprüfen.

Bei einer Aortenklappenstenose kann es zu einer fortschreitenden krankhaften Veränderung des Herzmuskels kommen: eine Myokardfibrose entsteht. Dabei wird gesundes Herzgewebe durch funktionsloses Bindegewebe ersetzt und der Herzmuskel verhärtet. Eine chronische Herzinsuffizienz ist die Folge. Daher sollte eine fortgeschrittene Aortenklappenstenose schnell behandelt werden. In den vergangenen zehn Jahren hat sich die TAVI als (schonende) Alternative zum chirurgischen Eingriff bei einer fortgeschrittenen Aortenklappenstenose insbesondere zur Behandlung von älteren Patientinnen und Patienten durchgesetzt.

Forschende am Herzzentrum der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) konnten auf Grundlage erster umfassender Studiendaten von 2017 bis 2019 bereits den Einfluss der Herzmuskelfibrose auf die Prognose nach TAVI bewerten. Dabei fanden sie heraus: Die krankhafte Vermehrung von funktionslosem Bindegewebe im Herzen lässt sich offenbar durch den Ersatz der Klappe allein nicht vollständig zurückbilden. Das Ausmaß der Bindegewebsvermehrung verlangsamt aber die Erholung des Herzens und spielt eine wichtige Rolle für die Überlebenswahrscheinlichkeit und die weitere Prognose der Patientinnen und Patienten.

In einem neuen Vorhaben prüfen die Projektleiterinnen Prof. Miriam Puls und Prof. Elisabeth Zeisberg, beide Klinik für Kardiologie und Pneumologie der UMG, nun erstmals eine ergänzende medikamentöse Therapie zur Behandlung von Herzmuskelfibrose, um das Langzeitüberleben von Patientinnen und Patienten nach TAVI zu verbessern.

Die geplante Medikamentenstudie trägt den Kurztitel „Reduce Myocardial Fibrosis in Aortic stenosis“ REDUCE-MFA-DZHK 25 und wird vom Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK) mit rund 1,8 Millionen Euro gefördert. Neben der Klinik für Kardiologie und Pneumologie am Herzzentrum der UMG nehmen 17 weitere Zentren in ganz Deutschland teil. Die Studie ist Anfang Oktober 2021 gestartet und läuft voraussichtlich bis Ende Juni 2025. Die ersten Patientinnen und Patienten werden ab Anfang 2022 in die Studie aufgenommen.

„Für die Schädigung des Herzmuskels durch eine Aortenklappenverengung gibt es derzeit keine Therapie, die über den Herzklappenersatz und die Hoffnung auf spontane Erholung hinausgeht. Wir wollen nun prüfen, ob eine zielgerichtete Behandlung der Herzmuskelfibrose mit antifibrotischen Medikamenten erfolgreich ist“, sagt Puls, geschäftsführende Oberärztin der Klinik für Kardiologie und Pneumologie der UMG.

Die Studie REDUCE-MFA-DZHK25

Im Rahmen der Studie REDUCE-MFA-DZHK25 sollen zwei Medikamente näher auf ihre Wirksamkeit bei Herzmuskelfibrose untersucht werden: Das Medikament Spironolacton ist seit langem zugelassen, kommt bereits bei genereller Herzschwäche zum Einsatz, wurde bislang aber nicht für Aortenklappenverengungen erforscht.

Zudem soll das Medikament Dihydralazin getestet werden, das für dieses Anwendungsgebiet neu ist. Das Medikament gilt als gut verträglich und wird für die Behandlung von Bluthochdruck verschrieben. Erst vor kurzem hat die Arbeitsgruppe „Kardiales Stroma“ unter der Leitung von Zeisberg erkannt, dass Dihydralazin in sehr geringer Dosierung offenbar in der Lage ist, Organ-Fibrosierung zu behandeln. „Insgesamt könnte die Prüfmedikation zu einer verbesserten Erholung des Herzens von der Herzklappenerkrankung und somit zu einer verbesserten Lebensqualität führen“, sagt Zeisberg.

„Da nur Patientinnen und Patienten mit fortgeschrittener Herzmuskelfibrose einen ungünstigen Langzeitverlauf haben und potentiell von dieser neuartigen Behandlung profitieren könnten, wird vor dem geplanten Herzklappeneingriff bei Studieneinschluss zunächst der Grad der Herzmuskelfibrose mittels Magnetresonanztomographie (Herz-MRT) untersucht“, erklärt Puls. Wenn die Herzmuskelfibrose einen kritischen Schwellenwert überschreitet, erfolgt per Zufallsverfahren die Zuteilung der Studienteilnehmenden zu einem der drei Behandlungsarme: Kontrollgruppe (optimale Standardtherapie), Spironolacton (25 mg pro Tag), oder Spironolacton (25 mg pro Tag) und Dihydralazin (zweimal 12,5 bis 25 mg pro Tag). Bei geringer Herzmuskelfibrose werde keine Studienmedikation verabreicht, da davon kein zusätzlicher Nutzen zu erwarten sei, heißt es vom UMG.

Alle Teilnehmenden werden die erforderliche TAVI erhalten. Nach zwölfmonatiger Behandlung mit der Studienmedikation soll eine erneute Untersuchung der Herzmuskelfibrose mittels MRT erfolgen, um die Werte im Anschluss mit den jeweiligen Ausgangswerten zu vergleichen. Abschließend wird evaluiert, ob in den beiden Studienarmen mit Studienmedikation im Vergleich zur Kontrollgruppe eine größere Rückbildung der Herzmuskelfibrose zu verzeichnen ist und ob sich dies auch auf die Erholung des Herzens sowie die Lebensqualität und die Überlebensrate der Patientinnen und Patienten auswirkt.