Geräuschpegel auf Intensivstationen: Gespräche von Mitarbeitern und Besuchern sind die Hauptquelle

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Eine auf verschiedenen Intensivstationen durchgeführte Analyse der Geräuschkulisse hat ergeben, dass mehr als 50 Prozent der kumulierten akustischen Belastung von Gesprächen herrührte.

Der Hauptautor der im Irak durchgeführten Studie, Awwab Althahab von der Fakultät für Elektrotechnik und Maschinenbau der University of Portsmouth (Australien), erklärt: „Der Geräuschpegel auf Intensivstationen ist viel höher als von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfohlen, was in Krankenhäusern weltweit zu einem wachsenden Problem wird. Mit fortschreitendem technologischen Fortschritt und der Ausstattung von Intensivstationen ist die akustische Belastung in diesem Umfeld viel stärker geworden. Diese Geräuschpegel stellen ein großes Risiko für die menschliche Gesundheit dar, da sie sowohl Patienten als auch Personal psychologisch und physiologisch beeinträchtigen können.” Althahab ergänzt, dass laut älteren Untersuchungen Patienten einen hohen Geräuschpegel häufig als einen bedeutenden und manchmal belastenden Aspekt ihres Aufenthaltes auf einer Intensivstation in Erinnerung behalten. Auch aus diesem Grund empfiehlt die Weltgesundheitsorganisation WHO, dass die akustische Belastung auf Intensivstationen tagsüber 35 Dezibel (dBA) und nachts 30 dBA nicht überschreiten sollte. Dabei sollten 45 dBA als Spitzenwert niemals überschritten werden.

Die Forschenden entwickelten im Rahmen ihrer Untersuchung ein intelligentes und kostengünstiges Aufzeichnungssystem, das nicht nur den Geräuschpegel maß und überwachte sowie Geräuschereignisse aufzeichnete, sondern auch andere Umgebungsparameter wie Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Lichtintensität dokumentierte.

Akustisches Aufnahmesystem in einer Station (Quelle: University of Portsmouth)

Dieses System wurde auf drei Intensivstationen zur Datenerfassung eingesetzt. Man installierte es etwa einen Meter hinter Patientenbetten auf zwei Intensivstationen mit Beatmungsgeräten sowie auf einer Intensivstation für Neugeborene. Es zeichnete akustische Daten kontinuierlich über mehrere Tage auf.

WHO-Standardgrenzwerte überschritten

Die Autoren klassifizierten die erfassten Geräuschereignisse genau, um die Hauptquellen dafür zu identifizieren. Dabei wurden sie vom Pflegepersonal unterstützt, dass Audioereignisse einordnete als Beatmungs- oder Luftbefeuchteralarme, Alarme von Patientenmonitoren und den Betrieb von Sauerstoffpumpen. „Durch die genaue Klassifizierung von Geräuschereignissen haben wir Gespräche auf allen beobachteten Intensivstationen als vorherrschenden Faktor identifiziert”, berichtet Althahab. Die Untersuchung zeigte, dass der Geräuschpegel die Standardgrenzwerte der WHO für einen erheblichen Zeitraum überschritt. Eine Intensivstation war deutlich lauter als die anderen beiden – der Mindestpegel erreichte 41 dBA und der Höchstpegel fast 82 dBA.

In der Untersuchung wurden tiefe neuronale Netzwerke genutzt, um Lärmereignisse auf Intensivstationen nicht nur zu erkennen, sondern auch zu klassifizieren. „Bisher war die Lärmüberwachung auf Intensivstationen auf teure Schallpegelmesser angewiesen, die die Lärmquellen nicht unterscheiden und identifizieren konnten”, erläutert Althahab. „Die präzisen Messungen und die umfassende intelligente Analyse, die durch das entwickelte Messsystem und das System zur Klassifizierung akustischer Ereignisse erreicht werden, stellen einen bedeutenden Fortschritt beim Verständnis und Umgang mit Lärm auf Intensivstationen dar und dienen als Ausgangspunkt für weitere Forschungen in diesem Bereich.” Er ergänzt: „Die Lösung dieses Problems ist entscheidend, um die Patienten-Outcomes zu verbessern, die Versorgungskosten zu senken und eine produktivere Umgebung für das Pflegepersona. zu schaffen.“ Für die Zukunft hofft der Forscher, mit britischen Krankenhäusern zusammenarbeiten zu können.