Geringe Prävalenz persistierender Infektionen mit SARS-CoV-223. Mai 2024 © dermatzke – stock.adobe.com (Symbolbild) Anhaltende SARS-CoV-2-Infektionen können als Virusreservoir fungieren, das künftige Ausbrüche auslösen könnte, stark divergierende Abstammungslinien hervorrufen und zu Fällen mit postakuten COVID-19-Folgeerkrankungen wie Long-COVID beitragen könnte. Die Bevölkerungsprävalenz persistierender Infektionen, Kinetik der Viruslast und Evolutionsdynamik waren im Verlauf von SARS-CoV-2-Infektionen jedoch bisher weitgehend ungeklärt. Erstautor Mahan Ghafari vom Big DataInstitute der University of Oxford (Großbritannien) und sein Team fanden diesbezüglich im Rahmen ihrer Studie jetzt tiefgreifende Erkenntnisse zum Verständnis und zur Charakterisierung der Infektion mit SARS-CoV-2 sowie seiner Epidemiologie und Evolution. Die Forschenden identifizierten mithilfe von Virussequenzdaten, die bei einer nationalen Infektionsumfrage in Großbritannien gesammelt worden waren, 381 Personen mit SARS-CoV-2-RNA mit hohem Titer, die ≥30 Tage lang vorhanden war. Von den Patienten persistierte die virale RNA bei 54 sogar ≥60 Tage lang. Die Wissenschaftler bezeichneten die Infektionen aufgrund der verfügbaren Erkenntnisse als persistente Infektionen und nahmen an, dass eine andauernde Virusreplikation vorlag, obwohl die Persistenz nichtreplizierender RNA nicht vollständig auszuschließen ist. Personen mit persistierender Infektion hatten eine um >50% höhere Wahrscheinlichkeit, selbst das Vorliegen von Long-COVID zu melden, als jene mit nichtpersistierender Infektion. Die Wissenschaftler schätzen, dass 0,1–0,5% der Infektionen persistieren können, wobei die Viruslast mit der Zeit typischerweise wieder ansteigt und ≥60 Tage anhält. Bei einigen Personen identifizierten sie viele virale Aminosäuresubstitutionen, was auf Zeiträume mit starker positiver Selektion hinweist, während bei anderen über längere Zeiträume hinweg keine Konsensänderung in den Sequenzen auftrat, was mit einer schwachen Selektion vereinbar ist. Zu den Substitutionen gehörten Mutationen, die für SARS-CoV-2-Varianten liniendefinierend sind, sich an Zielstellen für monoklonale Antikörper befinden und/oder häufig bei immungeschwächten Menschen vorkommen. (sh) Autoren: Ghafari M et al. Korrespondenz: Mahan Ghafari; [email protected] Studie: Prevalence of persistent SARS-CoV-2 in a large community surveillance study Quelle: Nature 2024;626(8001):1094–1101. Web: https://doi.org/10.1038/s41586-024-07029-4
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