Gestörte diastolische Funktion des Herzens gefährlicher als bisher bekannt11. Mai 2020 Foto: Carlos Arranz Pena- Adobe.stock.com Der plötzliche Herztod ist eine häufige Todesursache bei PatientInnen mit reduzierter, systolischer Herzauswurffunktion. Nun konnten ForscherInnen der MedUni Wien von der Klinischen Abteilung für Kardiologie im Rahmen einer Langzeitbeobachtung auch die Wichtigkeit der diastolischen Füllungs-Funktion aufzeigen. Je eingeschränkter sich das Herz bei einer diastolischen Dysfunktion füllt, desto häufiger versterben Betroffene plötzlich an einer Herzrhythmusstörung. Menschen mit ischämischer (Verengung der Herzkranzgefäße) oder nicht ischämischer Herzmuskelerkrankung haben per se ein erhöhtes Risiko für Herzrhythmusstörungen. Gängige Praxis ist es bei deutlich reduzierter Auswurffunktion (systolischer Herzinsuffizienz), auch einen implantierbaren Defibrillator (ICD) zu erwägen. Der ICD gibt dann bei schnellen Herz-KammerRhythmusstörungen bzw. Kammerflimmern einen Elektro-Impuls ab, bis wieder ein normaler Herzrhythmus vorliegt. Jede/r zweite herzinsuffiziente PatientIn leidet jedoch an der diastolischen Form (reduzierte Füllungsfunktion): Die versteifte linke Herzkammer kann sich nicht genug dehnen und wird gegen einen erhöhten Widerstand gefüllt. Dadurch gelangt weniger Blut in die linke Kammer, welches aber vollständig in den Kreislauf gepumpt wird. Die systolische Auswurf-Funktion (auch Ejektionsfraktion genannt) kann dabei sogar noch erhalten sein. Frauen und ältere Menschen sind von dieser Form häufiger betroffen. „Bisher wurde zwischen diesen beiden Formen ein Unterschied in der Risikobewertung für den plötzlichen Herztod gemacht“, sagt Studienleiter Thomas Pezawas von der Klinischen Abteilung für Kardiologie, „PatientInnen mit nicht systolischer Herzmuskelschwäche werden mit einem geringeren plötzlichen Herztodrisiko beurteilt und erhalten daher seltener einen primär-präventiven ICD.“ Auch diastolische Dysfunktion gefährlich Im Rahmen der Studie wurden 210 Risiko-PatientInnen mit bislang nicht vorhandenen oder ungefährlichen Herzrhythmusstörungen über einen Zeitraum von bis zu zehn Jahren untersucht. „Die Anzahl der potenziell tödlich verlaufenden Fälle ist viel häufiger als erwartet, und der Zusammenhang mit der Ausprägung der diastolischen Funktionsstörung ist frappant“, beschreibt Pezawas die Ergebnisse, die nun im Top-Journal „Circulation AE“ veröffentlicht wurden. „Leider betrifft der plötzliche Herztod auch PatientInnen mit nur gering ausgeprägter Herzmuskelschwäche.“ Langjähriges Kompetenzzentrum für Herzrhythmusstörungen Diese Ergebnisse werden auch für andere Zentren wichtig sein – denn die Datenlage auf diesem Gebiet war bisher sehr dünn, so die MedUni Wien-Experten: Ziel ist es, einen ausgezeichneten Schutz vor dem plötzlichen Herztod zu erreichen und die richtigen PatientInnen zu screenen. Die Empfehlung der Studienautoren, die diastolische Funktion in die Risikobeurteilung miteinzubeziehen, könnte einen Paradigmenwechsel in der Behandlung fortsetzen. Multizentrale, internationale Kooperation Die vorliegende Publikation ist aus einer Kooperation der MedUni Wien (Klinische Abteilung für Kardiologie, Studienleiter Thomas Pezawas) und der Vanderbilt University (Departments of Medicine and Autonomic Dysfunction Center, Nashville, TN, USA) entstanden und wurde vom National Institute for Advancing Translational Science of the National Institute of Health (NIH), USA, unterstützt. Service: Circulation AE Importance of Diastolic Function for the Prediction of Arrhythmic Death: A Prospective, ObserverBlinded, Long-Term Study. Pezawas T, Burger AL, Binder T, Diedrich A. Circulation Arrhythm Electrophysiol. 2020 Feb;13 (2):e007757. doi: 10.1161/CIRCEP.119.007757. PMID:31944144
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