Gesunder Lebensstil versus hohes erbliches Risiko: Häufigkeit von Koronarereignissen lässt sich halbieren29. März 2017 © Photographee.eu – fotolia.com Wie stark tragen genetische und Lebensstilfaktoren zum individuellen Risiko für eine koronare Herzkrankheit (KHK) bei? Die neue Auswertung von 4 Studien mit 55.685 Teilnehmern zeigt, dass genetische und Lebensstilfaktoren unabhängig mit der Empfänglichkeit für eine KHK assoziiert sind. So war bei Teilnehmern mit hohem genetischen Risiko ein günstiger Lebensstil mit einem um fast 50 % niedrigeren relativen KHK-Risiko assoziiert als ein ungünstiger Lebensstil. Die Forscher um Dr. Amit V. Khera vom Massachusetts General Hospital, Boston, bestimmten mit einem polygenen Score aus DNA-Sequenz-Polymorphismen das genetische KHK-Risiko in 3 prospektiven Kohorten bei jenen Teilnehmern, für die Genotyp und Kovariatendaten vorlagen. Dazu gehörten die Kohorten der Atherosclerosis Risk in Communities (ARIC) Studie (n=7814), der Women‘s Genome Health Study (WGHS) (n=21.222) und der Malmö Diet and Cancer Study (MDCS) (n=22.389). Hinzu kamen Teilnehmer der Querschnittsstudie BioImage (n=4260). Ob ein gesunder Lebensstil vorlag, beurteilten sie anhand von 4 Faktoren: kein aktuelles Rauchen, keine Adipositas, regelmäßige körperliche Aktivität und eine gesunde Ernährung. Wie den Ergebnissen zu entnehmen ist, war das relative Risiko für neu auftretende Koronarereignisse um 91 % höher bei Teilnehmern mit hohem genetischen Risiko (Topquintile der polygenen Scores) als bei jenem mit niedrigem genetischen Risiko (unterste Quintile der polygenen Scores) (Hazard Ratio 1,91; 95 %-Konfidenzintervall [KI] 1,75–2,09). Hingegen stellten Khera und seine Kollegen fest, dass ein günstiger Lebensstil (≥3/4 gesunden Lebensstilfaktoren) mit einem erheblich geringeren Risiko für Koronarereignisse assoziiert war als ein ungünstiger Lebensstil (≤1 gesunder Lebensstilfaktor), ungeachtet der genetischen Risikokategorie. Bei Teilnehmern mit hohem genetischen Risiko war ein günstiger Lebensstil mit einem um 46 % geringeren relativen Risiko für koronare Ereignisse assoziiert als ein ungünstiger Lebensstil (Hazard Ratio 0,54; 95 %-KI 0,47–0,63). Wie die Wissenschaftler berechneten, entsprach dieser Befund einer Reduktion in der standardisierten 10-Jahres-Inzidenz von Koronarereignissen von 10,7 % bei einem ungünstigen Lebensstil auf 5,1 % bei einem günstigen Lebensstil in ARIC, von 4,6 % auf 2,0 % in WGHS und von 8,2 % auf 5,3 % in MDCS. Außerdem stellte sich anhand der BioImage-Studie heraus, dass ein günstiger Lebensstil in jeder Kategorie des genetischen Risikos mit signifikant weniger Kalzifizierung der Koronararterien einherging. Autoren: Khera AV et al. Korrespondenz: Dr. Sekar Kathiresan; [email protected] Studie: Genetic Risk, Adherence to a Healthy Lifestyle, and Coronary Disease Quelle: N Engl J Med 2016;375(24):2349–2358. Web: dx.doi.org/10.1056/NEJMoa1605086
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