Gesundheitswesen im Umbruch: Kardiologische Versorgung von Herzpatienten sicherstellen

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Wie sich in Krisen- und Umbruchszeiten eine vernünftige kardiologische
Versorgung bei geänderten Rahmenbedingungen in Deutschland sicherstellen lässt, wurde kürzlich bei einem Expertengespräch auf Einladung der Deutschen Herzstiftung diskutiert.

Deutschlands Gesundheitssystem befindet sich in einer Phase des massiven Umbruchs, die auch die ambulante und stationäre kardiologische Versorgung in Deutschland vor enorme Herausforderungen stellt, betont die Deutsche Herzstiftung in einer aktuellen Mitteilung. Die bedarfsgerechte Verfügbarkeit kardiologischer Leistungen in Deutschland wird demnach durch Sparzwänge im Gesundheitswesen, eine alternde Bevölkerung, den chronischen Fachkräftemangel in der Medizin und Versäumnisse in Bürokratieabbau und Digitalisierung von Verwaltungs- und Versorgungsstrukturen erschwert. Berechnungen des Statistischen Bundesamtes beziffern die Krankheitskosten für die Versorgung von Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems allein im Jahr 2020 auf 56,7 Mrd. Euro (davon akuter Herzinfarkt: 2,81 Mrd. Euro, Bluthochdruck: 6,56 Mrd. Euro). Zugleich stehen umfassende strukturelle Veränderungen im Zuge der Krankenhausreform bevor, die Ärztinnen und Ärzte ebenso wie Patientinnen und Patienten vor völlig neue Herausforderungen stellen.

Führende Vertreterinnen und Vertreter aus dem Gesundheitswesen diskutierten in einem Expertengespräch auf Einladung der Deutschen Herzstiftung und des Bundesverbands Niedergelassener Kardiologen (BNK) in Berlin, welche Anstrengungen nötig sind, um eine vernünftige kardiologische Versorgung bei geänderten Rahmenbedingungen sicherzustellen. Geleitet wurde das Gespräch von Prof. Thomas Voigtländer, Vorsitzender der Deutschen Herzstiftung, und Dr. Norbert Smetak, Bundesvorsitzender des BNK. Beteiligt waren Vertreter unterschiedlicher Institutionen, beispielsweise der Arbeitsgemeinschaft Leitende Kardiologische Krankenhausärzte (ALKK) und der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK), der Ärztekammer Mecklenburg-Vorpommern, verschiedener Krankenkrassen (BKK Dachverband und AOK Baden-Württemberg), des Gemeinsamen Bundesausschusses sowie des
Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung.

„Die aktuelle politische Situation und die Krankenhausreform darf im Fall von Schließungen von Kliniken oder Fachabteilungen auf keinen Fall zu Engpässen in der kardiologischen Versorgung führen. Für Herzpatienten muss – besonders in akuten Notsituationen – der Zugang zur kardiologischen Versorgung sichergestellt sein“, betont Voigtländer. „Die Krankenhausreform bietet die einmalige Chance für eine zukunftsfähige und vor allem bedarfsgerechte Umgestaltung der ambulanten und stationären Versorgung, die den Bedürfnissen chronisch herzkranker Menschen gerecht wird“, fügt Smetak hinzu.

Die Expertinnen und Experten identifizierten unter anderem folgende Kernbereiche für die Sicherstellung der kardiologischen Versorgung:

  1. Prävention und Gesundheitskompetenz: Auch mit Zuständigkeiten auf Bundes- und Länderebene (Gesundheits- bzw. Gesundheits-, Sozial- und Kultusministerien) – in Kooperation mit Krankenkassen und Gesundheitsorganisationen wie beispielsweise Deutsche Herzstiftung.
  2. Stärkung der Patientensteuerung durch Einführung von verbindlichen Überweisungsvorbehalten, auch z.B. durch hausarztzentrierte Versorgung, mit dem Ziel der bedarfsgerechten Inanspruchnahme niedergelassener Kardiologen.
  3. Intensivieren der ambulanten Versorgung: Ambulantisierung operativer und interventioneller Verfahren (Verbessern des Hybrid-DRG-Abrechnungssystems) und sektorenverbindende Strukturen (Telemedizin, Telemonitoring).
  4. Stärkung der stationären Versorgung durch Schwerpunktbildung in den kardiovaskulären Versorgungsbereichen: Zentrenbildung und kleinere regionale Kliniken und ambulante Strukturen („Satelliten“) für Versorgungssicherheit im ländlichen Raum; mehr digitale Strukturen für mehr Versorgungseffizienz.
  5. Weiterbildungsprogramme im stationären und ambulanten Setting für Ärzte im ländlichen Raum als Voraussetzung für Kontinuität der stationären Versorgung.

Ihr Fazit: Insgesamt müsse sich Deutschlands Gesundheitswesen wesentlich mehr den Anforderungen der Prävention stellen und die Versorgung mit einer Stärkung der ambulanten und sektorenverbindenden Strukturen sehr viel moderner gestalten.