Gewebespende 2022: Augenhornhaut stabil, Mangel an Herzklappen immer größer4. Januar 2023 Sachsen ist 2022 zweitstärkstes Bundesland bei der Gewebespende. Trotzdem beklagt die DGFG einen besorgniserregenden Mangel bei Herzklappen. Foto: DGFG 3070 Menschen spendeten in Deutschland im Jahr 2022 Gewebe – ein neuer Rekord, wie die Deutsche Gesellschaft für Gewebetransplantation (DGFG) aktuell mitteilt. Trotz dieser erfreulichen Entwicklung blickt die DGFG besorgt in die Zukunft. Denn was fehlt, sind lebensrettende Herzklappen. Im Vergleich zum Vorjahr konnte die Deutsche Gesellschaft für Gewebetransplantation (DGFG) die Gewebespende erneut steigern: 53 Gewebespendekoordinierende bearbeiteten knapp 45.000 Spendermeldungen, führten 7915 Aufklärungsgespräche und erhielten 3367 Zustimmungen. 42,5 Prozent aller Spenderinnen und Spender sowie Angehörigen stimmten einer Gewebespende zu. Zweitstärkstes Bundesland in 2022 ist Sachsen: Hier wurden insgesamt 446 Gewebespenden realisiert, davon 102 am Universitätsklinikum Leipzig (UKL), einer Gesellschafterin der DGFG. Hier liegt die Zustimmungsquote sogar bei 45,5 Prozent. Organspenderückgang führt zu Mangel an Herzklappen Während die DGFG die Spende von Augenhornhäuten ausbauen konnte, musste die gemeinnützige Gesellschaft einen starken Rückgang in der Spende von Herzklappen hinnehmen. Nur 144 Herzklappen konnte die DGFG in 2022 zur Transplantation vermitteln, zehn weniger als im Vorjahr. „Bei mehr als 300 Anfragen für eine Herzklappe ist das bedeutend zu wenig, wenn man bedenkt, dass hier die Lebenserwartung der Patientinnen und Patienten darunter leiden muss“, sagt Martin Börgel, Geschäftsführer der DGFG. Grund dafür ist insbesondere der Rückgang in der Organspende, aus der noch immer der Großteil an Herzklappen gewonnen wird. Nach wie vor ist die Organspende wichtig für die Patientenversorgung insbesondere mit kardiovaskulärem Gewebe: Insgesamt stammten 322 Gewebespenden von Menschen, die ein Organ spendeten (10,5 Prozent). Bei 55 Prozent dieser Gewebespenden konnte das Herz für die Gewinnung der noch funktionsfähigen Herzklappen und Gefäße entnommen werden. Neues Gesetz behindert Spendeprozess Nach Ansicht der DGFG gefährdet zudem das im März in Kraft getretene Gesetz zur Stärkung der Entscheidungsbereitschaft bei der Organspende die Patientenversorgung erheblich. Die darin festgeschriebenen Zugriffsbeschränkungen auf das geplante Register würden den Spendeprozess behindern und zu einem erheblichen Einbruch der Zahlen führen, sollte bis zum Registerstart an der Gesetzesreform nichts mehr geändert werden, so die Gesellschaft. „Das im März 2022 in Kraft getretene Gesetz wird in dieser Form zu einem Ausbremsen unserer Arbeit in der Gewebespende führen. Für jeden einzelnen Fall wären wir auf die Auskunft aus dem Register, die nur über bevollmächtigte Klinikangestellte mit einem elektronischen Heilberufeausweis abgerufen werden kann, angewiesen. Bei rund 45.000 Fällen pro Jahr kann das nicht funktionieren“, hält Börgel fest. „Diese Gesetzesreform macht deutlich, dass auf politischer Seite eine völlige Unkenntnis über die Prozesse in der Gewebespende bestehen.“ Diese Kritik wird auch vom UKL als einer der fünf Gesellschafterkliniken der DGFG unterstützt: „Wir dürfen am Ende nicht in eine Situation kommen, in der eine mit guten Vorsätzen initiierte Gesetzesreform die bestmögliche Patientenversorgung mittels Gewebetransplantation behindert, unter Umständen sogar verhindert“, sagt Prof. Christoph Josten, Medizinischer Vorstand des UKL. Augenhornhaut meistgespendetes Gewebe Auch im dritten Pandemiejahr ist es der DGFG gelungen, die Gewebespende weiter auszubauen: 7111 Gewebetransplantate konnte die DGFG erfolgreich vermitteln, darunter 4366 Hornhauttransplantate. In der Leipziger Universitätsaugenklinik erhielten 136 Patientinnen und Patienten eine Spenderhornhaut. Die Augenhornhaut ist mit 83,5 Prozent nach wie vor das meistgespendete Gewebe. Neben der Spende von Augenhornhäuten, Herzklappen, Blutgefäßen und Amnionmembranen (gewonnen bei einer Plazentaspende) widmete sich die DGFG 2022 auch der Spende von Knochen, Sehnen und Bändern (muskuloskelettale Gewebe, MSG). Im Rahmen dieser 28 MSG-Spenden konnten 388 Präparate gewonnen werden. Alternative zur Amnionmembran-Transplantation auf dem Vormarsch Als Alternative zur herkömmlichen Amnionmembran-Transplantation, bei der die dünne Eihaut aus der mütterlichen Plazenta auf die Augenoberfläche genäht wird, greifen immer mehr Augenärztinnen und Augenärzte auf den AmnioClip-plus (AC+) zurück. 140 dieser Clips konnte die DGFG in 2022 vermitteln, rund 60 Stück mehr im Vergleich zum Vorjahr. Der AC+ ist eine Innovation aus dem DGFG-Netzwerk. Er kann ähnlich wie eine Kontaktlinse auf das erkrankte oder verletzte Auge gelegt werden. Vorteil: Die Amnionmembran ist in ein Ringsystem eingespannt und kann nach erzieltem Erfolg wieder herausgenommen werden. Eine zusätzliche Naht entfällt, was für einen schonenderen Heilungserfolg bei Patient:innen sorgt. Gewonnen wird die Amnionmembran im Rahmen der Plazentaspende, einer Lebend-Gewebespende bei geplantem Kaiserschnitt. In 2022 konnte die DGFG 21 Plazentaspenden realisieren.
Mehr erfahren zu: "Chirurgieverband zu den Hybrid-DRG-Neuerungen: Ambulantisierung kann so nicht gelingen" Chirurgieverband zu den Hybrid-DRG-Neuerungen: Ambulantisierung kann so nicht gelingen Der Berufsverband der Deutschen Chirurgie (BDC) befürchtet, dass mit der jetzigen Ausgestaltung der Hybrid(H)-DRGs das angestrebte Ziel der Ambulantisierung nicht erreicht werden kann. Er fordert daher eine sachgerechte Refinanzierung vor […]
Mehr erfahren zu: "Extreme Tierarten als Schlüssel für Erkrankungen des Menschen" Extreme Tierarten als Schlüssel für Erkrankungen des Menschen Zahlreiche Tiere leben in extremen Umgebungen und haben ihren Stoffwechsel entsprechend angepasst. Wissenschaftler zeigen nun, dass sich aus diesem Wissen Lösungen entwickeln lassen könnten, die gegen Erkrankungen beim Menschen helfen. […]
Mehr erfahren zu: "DEGAM begrüßt Gesetzesinitiative zur Zuckersteuer" DEGAM begrüßt Gesetzesinitiative zur Zuckersteuer Schleswig-Holstein kündigte Pläne für eine bundesweite Zuckersteuer an. Die Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM) begrüßt die Initiative.