GfV fordert rasche Investition in Entwicklung zuverlässiger Antikörperdiagnostik

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Aus epidemiologischer Sicht ist es nach Auffassung der Gesellschaft für Virologie (GfV) derzeit nicht möglich, den weiteren Verlauf des Coronavirus-Ausbruchs in Mitteleuropa zu prognostizieren.

„Wir müssen davon ausgehen, dass die Zahl der tatsächlich Infizierten die der laborbestätigten Diagnosen um ein Vielfaches übersteigt“, heißt es in einer aktuellen Mitteilung. „Es könnte sein, dass die weitere Ausbreitung des Virus in der Bevölkerung auf nicht absehbare Zeit fortschreitet. Denkbar ist aber auch, dass sich die Ausbreitung der Viren mit der kommenden wärmeren Jahreszeit verlangsamen wird. Mit der Verfügbarkeit eines wirksamen und sicheren Impfstoffs zur breiten Anwendung ist keinesfalls vor einem Jahr zu rechnen. Denkbar ist, dass innerhalb weniger Monate wirksame Medikamente zur Verfügung stehen, und damit das Gefahrenpotenzial für einen tödlichen Verlauf der Infektion deutlich verringert werden kann.“

Aus Sicht der GfV gibt es keine Gründe, den politischen Entscheidungsträgern in Deutschland, Österreich und der Schweiz eine zu zögerliche Problemwahrnehmung und Entscheidungsfindung vorzuwerfen. Die Fachgesellschaft unterstreicht, dass die derzeit von der Politik verordneten Einschränkungen der Bewegungsfreiheit  unverzichtbar seien, um die Epidemie einzugrenzen. Die Maßnahmen in der richtigen Reihenfolge zurückzufahren, nachdem die Inzidenz der Virusneuinfektionen nachhaltig reduziert werden konnte, werde eine große Herausforderung der nahen Zukunft sein.

Ein erhebliches Defizit sieht die GfV aktuell bei der Virusdiagnostik. „Die derzeitige Knappheit von Testsystemen für die Coronavirus-Diagnostik und das bisherige Fehlen einer verlässlichen SARS-CoV-2-spezifischen Antikörperdiagnostik sind sehr problematisch, weil daher essenziell wichtige epidemiologische Analysen und mathematische Modellierungen nicht durchgeführt werden können“, so die Fachgesellschaft. Deshalb sei es bisher noch nicht möglich, die Entscheidungsfindung zu einer schrittweisen Aufhebung der derzeitigen Maßnahmen mithilfe epidemiologischer Daten zu unterstützen.

„Es ist dringend erforderlich, die tatsächliche Durchseuchung der Bevölkerung auf der Basis verlässlicher Antikörper-Tests zu ermitteln. Anders als PCR-Tests, mit denen akute Infektionen nachgewiesen werden, können Antikörper-Tests Menschen identifizieren, die eine Infektion bereits überstanden haben“, betont Prof. Hartmut Hengel, Präsident der GfV mit. „Deshalb weist die Gesellschaft für Virologie mit Nachdruck darauf hin, dass hier ein vordringlicher Forschungs- und Entwicklungsbedarf besteht, damit die SARS-Coronavirus-2-Diagnostik gezielt ausgeweitet werden kann. Die Gesellschaft für Virologie plädiert dafür, seitens der öffentlichen Hand alle diesbezüglichen Initiativen zu unterstützen und notwendigen Ressourcen beizusteuern, damit die Coronavirus-Diagnostik rasch auf eine noch viel breitere Basis gestellt werden kann.“