GfV fordert rasche Investition in Entwicklung zuverlässiger Antikörperdiagnostik31. März 2020 Foto: © Kaesler Media/Adobe Stock Aus epidemiologischer Sicht ist es nach Auffassung der Gesellschaft für Virologie (GfV) derzeit nicht möglich, den weiteren Verlauf des Coronavirus-Ausbruchs in Mitteleuropa zu prognostizieren. „Wir müssen davon ausgehen, dass die Zahl der tatsächlich Infizierten die der laborbestätigten Diagnosen um ein Vielfaches übersteigt“, heißt es in einer aktuellen Mitteilung. „Es könnte sein, dass die weitere Ausbreitung des Virus in der Bevölkerung auf nicht absehbare Zeit fortschreitet. Denkbar ist aber auch, dass sich die Ausbreitung der Viren mit der kommenden wärmeren Jahreszeit verlangsamen wird. Mit der Verfügbarkeit eines wirksamen und sicheren Impfstoffs zur breiten Anwendung ist keinesfalls vor einem Jahr zu rechnen. Denkbar ist, dass innerhalb weniger Monate wirksame Medikamente zur Verfügung stehen, und damit das Gefahrenpotenzial für einen tödlichen Verlauf der Infektion deutlich verringert werden kann.“ Aus Sicht der GfV gibt es keine Gründe, den politischen Entscheidungsträgern in Deutschland, Österreich und der Schweiz eine zu zögerliche Problemwahrnehmung und Entscheidungsfindung vorzuwerfen. Die Fachgesellschaft unterstreicht, dass die derzeit von der Politik verordneten Einschränkungen der Bewegungsfreiheit unverzichtbar seien, um die Epidemie einzugrenzen. Die Maßnahmen in der richtigen Reihenfolge zurückzufahren, nachdem die Inzidenz der Virusneuinfektionen nachhaltig reduziert werden konnte, werde eine große Herausforderung der nahen Zukunft sein. Ein erhebliches Defizit sieht die GfV aktuell bei der Virusdiagnostik. „Die derzeitige Knappheit von Testsystemen für die Coronavirus-Diagnostik und das bisherige Fehlen einer verlässlichen SARS-CoV-2-spezifischen Antikörperdiagnostik sind sehr problematisch, weil daher essenziell wichtige epidemiologische Analysen und mathematische Modellierungen nicht durchgeführt werden können“, so die Fachgesellschaft. Deshalb sei es bisher noch nicht möglich, die Entscheidungsfindung zu einer schrittweisen Aufhebung der derzeitigen Maßnahmen mithilfe epidemiologischer Daten zu unterstützen. „Es ist dringend erforderlich, die tatsächliche Durchseuchung der Bevölkerung auf der Basis verlässlicher Antikörper-Tests zu ermitteln. Anders als PCR-Tests, mit denen akute Infektionen nachgewiesen werden, können Antikörper-Tests Menschen identifizieren, die eine Infektion bereits überstanden haben“, betont Prof. Hartmut Hengel, Präsident der GfV mit. „Deshalb weist die Gesellschaft für Virologie mit Nachdruck darauf hin, dass hier ein vordringlicher Forschungs- und Entwicklungsbedarf besteht, damit die SARS-Coronavirus-2-Diagnostik gezielt ausgeweitet werden kann. Die Gesellschaft für Virologie plädiert dafür, seitens der öffentlichen Hand alle diesbezüglichen Initiativen zu unterstützen und notwendigen Ressourcen beizusteuern, damit die Coronavirus-Diagnostik rasch auf eine noch viel breitere Basis gestellt werden kann.“
Mehr erfahren zu: "Krankenhäuser fürchten neue Milliardenlöcher und Pleiten" Krankenhäuser fürchten neue Milliardenlöcher und Pleiten Die große Mehrheit der deutschen Krankenhäuser ist in finanziell prekärer Lage. Die Einsparungen der Bundesregierung werden die Not einer Umfrage unter Klinikchefs zufolge noch vergrößern.
Mehr erfahren zu: "Einweg-Vapes sind die beliebtesten Nikotin-Produkte bei Jugendlichen" Einweg-Vapes sind die beliebtesten Nikotin-Produkte bei Jugendlichen Bei Schülerinnen und Schülern in Deutschland sind Einweg-E-Zigaretten die am meisten konsumierten Nikotin-Produkte. Eine Krankenkasse fordert, mehr gegen die Attraktivität der Vapes zu tun.
Mehr erfahren zu: "Organspende in Deutschland: Leichter Anstieg, weiterhin großer Bedarf" Organspende in Deutschland: Leichter Anstieg, weiterhin großer Bedarf In Deutschland ist die Zahl der Organspenden in den ersten neun Monaten des Jahres leicht gestiegen. Dies geht aus Zahlen hervor, welche die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) bei ihrem Jahreskongress […]