GLP-1-Medikamente: Verursachen oder verhindern sie den Verlust der Sehkraft?13. November 2025 Es gibt Hinweise, dass die Einnahme von GLP-1-Medikamenten das Risiko für Augenerkrankungen wie NAION erhöhen kann. Nun gibt es zwei neue Studien mit gemischten Ergebnissen.Symbolbild.© Kassandra-stock.adobe.com Auf der 129. Jahrestagung der American Academy of Ophthalmology wurden zwei neue Studien zur Einnahme von GLP-1-Medikamenten im Zusammenhang mit Augenerkrankungen vorgestellt – mit gemischten Ergebnissen. Eine im letzten Jahr veröffentlichte Studie zeigte, dass die Verabreichung des GLP-1-Medikamentes mit dem Wirkstoff Semaglutid das Risiko erhöhen kann, eine zur Erblindung führende Augenerkrankung zu entwickeln. Nun liefern zwei neue Studien unterschiedliche Ergebnisse. GLP-1-Gabe erhöht Risiko für NAION und diabetische Retinopathie Forscher einer internationalen Kooperation zwischen dem Eye Institute der University of Ottawa, Ottawa, Kanada, der University of Toronto, Toronto, Kanada, der McMaster University, Hamilton, Kanada und dem Doheny Eye Institute der University of California, Los Angeles, USA, führten eine weltweite Studie zu diesem Thema durch. Die Autoren analysierten Daten aus der globalen Datenbank der Weltgesundheitsorganisation für Arzneimittelsicherheitsberichte von 117.173 Patienten mit Diabetes, die Semaglutid, Empagliflozin, Exenatid, Tirzepatid oder Insulin verabreicht bekamen. Den Ergebnissen zufolge hatten Patienten, die GLP-1-Medikamente bekamen ein 68,6-mal höheres Risiko an Nichtarteriitische Anteriore Ischämische Optikusneuropathie (NAION) und ein achtmal höheres Risiko an diabetischer Retinopathie zu erkranken, als diejenigen, die Empagliflozin, Exenatide, Insulin oder Metformin verabreicht bekamen. Die Analyse ergab keinen signifikanten Zusammenhang zwischen Tirzepatide und NAION oder diabetischer Retinopathie. „Ich hoffe, dass diese Ergebnisse Patienten und Ärzten helfen, eine fundierte Entscheidung zwischen den vielen derzeit verfügbaren GLP-1-Rezeptoragonisten zu treffen“, betonte Moiz Lakhani, Medizinstudent an der Medizinischen Fakultät der University of Ottawa. „Patienten verdienen eine proaktive Versorgung. Diese sollte die Dokumentation einer grundlegenden Augenanamnese, eine Beratung zu frühen Sehstörungen und optimierte Überweisungswege zur Augenheilkunde umfassen. Damit können auftretende Probleme erkannt und behandelt werden, ohne den Zugang zu diesen Therapien zu unterbrechen.“ GLP-1-Gabe senkt Risiko für die Entwicklung einer trockenen AMD In einer separaten Studie untersuchten Forscher des Cleveland Clinic`s Cole Eye Institute, Ohio, USA, die Wirkung von GLP-1-Medikamenten auf das Risiko, an altersbedingter Makuladegeneration (AMD) zu erkranken. Die Forscher untersuchten Daten von mehr als 430.000 Patienten im Alter von mehr als 50 Jahren, die mindestens zwei Jahre lang entweder ein GLP-1-Präparat, Natrium-Glukose-Cotransporter-2-Hemmer (SGLT2i), Metformin oder Insulin zur Behandlung ihres Diabetes bekamen. Alle Patienten wurden in einem einzigen Augenzentrum behandelt. Das ermöglichte den Autoren, alle durch ICD-10-Kodierung identifizierten AMD-Fälle manuell zu überprüfen. Die Analysen ergaben, dass 7319 Patienten, die 5 Jahre lang ein GLP-1-Medikament einnahmen, ein signifikant geringeres Risiko für die Entwicklung einer trockenen AMD aufwiesen. Die schützende Wirkung nahm den Autoren zufolge bei Patienten, die bis zu fünf Jahre lang beobachtet wurden, zu. Die Analyse ergab jedoch keinen signifikanten Schutz vor der feuchten Form der AMD. „Während die Rolle von GLP-1RA bei AMD noch diskutiert wird, zeigt diese Studie eine schützende Wirkung von GLP-1RA auf die Entwicklung einer nicht-exsudativen AMD im Vergleich zu anderen Antihyperglykämika. Diese Studie war auch die erste, die die Wirkung von GLP-1 auf AMD im Vergleich zu SGLT2i untersuchte“, erklärte die leitende Forscherin Dr. Julia Joo vom Cleveland Clinic Lerner College of Medicine der Cleveland Clinic. Die Autoren beider Studien kommen zu dem Schluss, dass weitere Langzeitstudien erforderlich sind, um die Wirkung von GLP-1-Medikamenten auf die Augengesundheit sicher aufzuklären. (sas/BIERMANN)
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