GLP-1-Rezeptoragonisten bei bipolarer Störung: Womöglich geringeres Risiko für Dialyse oder Nierentransplantation28. Oktober 2026 Bild KI-generiert mit Gemini GLP-1-Rezeptoragonisten (GLP-1-RA) sind bei Erwachsenen mit bipolarer Störung und chronischer Nierenerkrankung (CKD) mit einem geringeren Risiko für eine Dialyse oder Nierentransplantation assoziiert. Zu diesem Ergebnis kommt eine Forschungsarbeit der Mayo Clinic (USA). Die im „Journal of Affective Disorders“ veröffentlichte Studie deutet darauf hin, dass GLP-1-Rezeptoragonisten (GLP-1-RA) einen zusätzlichen Nutzen für den Schutz der Nierenfunktion bei einer besonders gefährdeten Patientengruppe haben könnte. Verglichen mit zwei etablierten Standardtherapien war die Anwendung von GLP-1-RA bei Patienten mit bipolarer Störung mit einem geringeren Risiko für eine Dialyse oder Nierentransplantation assoziiert. „Menschen mit bipolarer Störung sind in hohem Maße von chronischen Nierenerkrankungen betroffen. Allerdings wurden bislang nur wenige Strategien gezielt untersucht, um die Nierengesundheit in dieser Population zu schützen“, erklärt Dr. Balwinder Singh, Psychiater an der Mayo Clinic (USA) und Letztautor der Studie. „Unsere Ergebnisse sind ermutigend. Allerdings sind prospektive Studien erforderlich, um zu klären, ob GLP-1-basierte Medikamente das Fortschreiten der Nierenerkrankung tatsächlich verlangsamen.“ Risikogruppe mit besonderem Schutzbedarf Chronische Nierenerkrankungen (CKD) sind bei Menschen mit bipolarer Störung von besonderer Bedeutung. Gründe dafür sind unter anderem die erhöhte Prävalenz von Adipositas, Diabetes mellitus und arterieller Hypertonie sowie mögliche Auswirkungen bestimmter Psychopharmaka auf die Nierenfunktion. Lithium, das bei vielen Betroffenen eine wichtige Rolle in der Behandlung spielt, erfordert eine regelmäßige Kontrolle der Nierenfunktion. GLP-1-RA wurden ursprünglich zur Behandlung des Typ-2-Diabetes entwickelt und werden inzwischen auch zur Gewichtsreduktion eingesetzt. Für einige Wirkstoffe dieser Klasse wurden bereits nephro- und kardioprotektive Effekte bei Menschen mit Diabetes und CKD nachgewiesen (wir berichteten). Das Forschungsteam der Mayo Clinic untersuchte daher, ob vergleichbare Vorteile auch bei Menschen mit bipolarer Störung auftreten. Dazu werteten die Forschenden anonymisierte elektronische Gesundheitsdaten aus dem internationalen Forschungsnetzwerk TriNetX aus. Dieses umfasst Daten von rund 131 Millionen Erwachsenen aus 117 Gesundheitssystemen. In die Analyse wurden Erwachsene mit bipolarer Störung und einer leichten bis mittelschweren CKD eingeschlossen, die neu eine Behandlung mit einem GLP-1-RA oder einer Vergleichstherapie begonnen hatten. Als Vergleich wurden Patienten herangezogen, die entweder Dipeptidylpeptidase-4-Hemmer (DPP-4-Hemmer) oder Inhibitoren des Renin-Angiotensin-Aldosteron-Systems (RAAS) erhielten. Mithilfe statistischer Matching-Verfahren wurden vergleichbare Patientengruppen gebildet. Die Nachbeobachtungszeit betrug bis zu fünf Jahre. Bedeutung für die klinische Versorgung In beiden Vergleichsanalysen war die Anwendung von GLP-1-RA mit einem geringeren Risiko für eine Dialyse oder Nierentransplantation assoziiert. Dieser Zusammenhang zeigte sich weitgehend unabhängig von Geschlecht, ethnischer Zuordnung, Adipositasstatus und der Einnahme von Psychopharmaka, einschließlich Lithium. Die Ergebnisse könnten insbesondere für Patienten relevant sein, bei denen aufgrund der psychiatrischen Behandlung eine engmaschige Überwachung der Nierenfunktion erforderlich ist. Zugleich unterstreichen sie die Bedeutung einer interdisziplinären Zusammenarbeit zwischen Psychiatrie, Nephrologie und hausärztlicher Versorgung. „Bei Menschen mit bipolarer Störung erfordert der Schutz der Nierengesundheit häufig eine Versorgung über mehrere medizinische Fachgebiete hinweg“, so Singh. „Wenn sich unsere Ergebnisse [in prospektiven und klinischen Studien] bestätigen, könnten sie dazu beitragen, bessere Strategien zum Erhalt der Nierenfunktion zu entwickeln, ohne die wirksame Behandlung der bipolaren Störung zu beeinträchtigen.“ Da es sich um eine Beobachtungsstudie handelt, lässt sich aus den Ergebnissen kein kausaler Zusammenhang ableiten. Zudem konnten die Forschenden Faktoren wie Dosierung, Therapietreue, Behandlungsdauer und Veränderungen der Medikation im Studienverlauf nicht vollständig berücksichtigen. (mkl/BIERMANN) Eine aktuelle Übersicht zu in der EU zugelassenen inkretinbasierten Therapien sowie ausgewählten Pipeline-Kandidaten finden Sie hier.
Mehr erfahren zu: "Kaliumbinder verringert Belastungen durch kaliumarme Ernährung bei Dialysepatienten" Weiterlesen nach Anmeldung Kaliumbinder verringert Belastungen durch kaliumarme Ernährung bei Dialysepatienten In einer randomisierten Studie an erwachsenen Dialysepatienten mit Hyperkaliämie verbesserte der Kaliumbinder Natrium-Zirkonium-Cyclosilikat (SZC) die Lebensqualität und senkte den Serumkaliumspiegel.
Mehr erfahren zu: "Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin in Heidelberg unter neuer Leitung" Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin in Heidelberg unter neuer Leitung Seit 1. September 2026 ist Prof. Jun Oh Ärztlicher Direktor des Zentrums für Kinder- und Jugendmedizin am Universitätsklinikum Heidelberg. Zusammen mit der Klinikleitung hat der Transplantationsmediziner auch die neu eingerichtete […]
Mehr erfahren zu: "Neue Daten zu drei wirksamen Zytokin-Inhibitoren bei IgA-Nephritis" Weiterlesen nach Anmeldung Neue Daten zu drei wirksamen Zytokin-Inhibitoren bei IgA-Nephritis Im Rahmen der „Kidney Week“ der American Society of Nephrology vom 22.-25.10.2026 in Denver (USA) wurden die Ergebnisse zahlreicher klinischer Phase-III-Studien vorgestellt, welche die medizinische Versorgung bei Nierenerkrankungen beeinflussen könnten.