GLP-1-Rezeptoragonisten bei Typ-2-Diabetes mit erhöhtem Risiko für Haarausfall assoziiert30. Juli 2026 Symbolbild: Pixel-Shot/stock.adobe.com Der Einsatz von GLP-1-Rezeptoragonisten (GLP-1-RA) ist bei Erwachsenen mit Typ-2-Diabetes mit einem erhöhten Risiko für Haarausfall (Alopezie) verbunden. Das absolute Risiko sei laut Forschenden zwar gering, dennoch könnte die Kenntnis dieser potenziellen Nebenwirkung Therapieentscheidungen beeinflussen. Alopezie wurde zuvor bereits als mögliche Nebenwirkung von GLP-1-RA beschrieben, insbesondere unter Semaglutid und Tirzepatid. Bisher fehlte es jedoch an Studien, die das Risiko im Vergleich zu anderen Antidiabetika systematisch untersuchten. Für die aktuelle Analyse nutzten die Forschenden um Erstautor Huilin Tang elektronische Gesundheitsdaten des University of Pennsylvania Health System (Penn Medicine). Verglichen wurden die Alopezie-Raten bei Erwachsenen mit Typ-2-Diabetes, die erstmals mit GLP-1-RA behandelt wurden, mit denen bei Patient:innen, die eine Therapie mit SGLT-2-Inhibitoren oder DPP-4-Inhibitoren begonnen hatten. Die Ergebnisse sind im „BMJ“ veröffentlicht. Erhöhtes Risiko ist auf nicht vernarbende Alopezie beschränkt Insgesamt wurden 12.004 GLP-1-RA-Anwender:innen mit 15.221 Patient:innen unter SGLT-2-Inhibitoren verglichen. Darüber hinaus wurden 11.964 GLP-1-RA-Anwender:innen mit 11.233 Patient:innen unter DPP-4-Inhibitoren analysiert. Der Untersuchungszeitraum erstreckte sich von Januar 2019 bis September 2024. Im Vergleich zu Anwender:innen von SGLT-2-Inhibitoren waren Patient:innen unter GLP-1-RA jünger (mittleres Alter 58 versus 65 Jahre), wiesen einen höheren Body-Mass-Index (36,2 vs. 32,3 kg/m²) auf und litten seltener an Herz-Kreislauf- oder chronischen Nierenerkrankungen. Auch gegenüber Anwender:innen von DPP-4-Inhibitoren waren die GLP-1-Patient:innen jünger (58 vs. 67 Jahre) und adipöser (BMI 36,2 vs. 31,3 kg/m²). Nach der Adjustierung für potenzielle Einflussfaktoren wie Alter, Geschlecht, Ethnie, Begleiterkrankungen, Begleitmedikation und BMI war die Anwendung von GLP-1-RA mit einem um 37 Prozent höheren Risiko für Alopezie assoziiert als die Behandlung mit SGLT-2-Inhibitoren (6,91 vs. 5,04 Fälle pro 1.000 Personenjahre). Gegenüber DPP-4-Inhibitoren lag das Risiko um 68 Prozent höher (6,53 vs. 3,89 Fälle pro 1.000 Personenjahre). In weiteren Analysen zeigte sich, dass der Zusammenhang auf die nicht vernarbende Alopezie beschränkt war. Bei dieser Form bleiben die Haarfollikel erhalten, sodass grundsätzlich die Möglichkeit eines Nachwachsens besteht. Das Risiko war gegenüber SGLT-2-Inhibitoren um 53 Prozent und gegenüber DPP-4-Inhibitoren um 72 Prozent erhöht. Systematische Evidenz für Haarausfall als Nebenwirkung Die Autor:innen weisen darauf hin, dass ein rascher Gewichtsverlust ein etablierter Auslöser für vermehrten Haarausfall ist. Zudem könne er zu Eisen- oder Zinkmangel führen und dadurch den Haarwachstumszyklus beeinträchtigen. Auch hormonelle Veränderungen könnten eine Rolle spielen. Zur Klärung der zugrunde liegenden Mechanismen seien daher weitere Studien erforderlich. Zugleich räumen die Forschenden mehrere Limitationen ihrer Untersuchung ein. So fehlten klinische Informationen, um Schweregrad, Ausmaß, Dauer und mögliche Rückbildung der Alopezie nach Absetzen der Therapie zu beurteilen. Zudem könne nicht ausgeschlossen werden, dass nicht erfasste Einflussfaktoren die Ergebnisse mit beeinflusst haben. Dennoch bewerten die Autor:innen ihre Untersuchung als methodisch robust. Sie beruhe auf hochwertigen Daten einer großen repräsentativen Kohorte und die Ergebnisse hätten sich auch in zusätzlichen Analysen als konsistent erwiesen. Die Forschenden kommen daher zu dem Schluss, dass ihre Ergebnisse frühere anekdotische Sicherheitssignale ergänzen und erstmals systematische Evidenz liefern, um das Bewusstsein für diese potenzielle unerwünschte Nebenwirkung in der klinischen Praxis zu schärfen. Da die Ergebnisse auf Patientendaten aus den USA beruhen, lassen sie sich womöglich nicht uneingeschränkt auf europäische Länder übertragen. Die Wirkmechanismen von GLP-1-RA sind jedoch unabhängig vom Gesundheitssystem, daher könnte der Zusammenhang grundsätzlich auch in europäischen Populationen bestehen. Ob das Ausmaß des Risikos vergleichbar ist, müssen Studien aus Europa klären. (mkl/BIERMANN)
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