GLP-1-Rezeptoragonisten: Einfluss auf das Krebsrisiko9. September 2025 GLP-1-Rezeptoragonisten wurden ursprünglich zur Behandlung von Typ-2-Diabetes entwickelt. Inzwischen werden sie auch weit verbreitet zur Gewichtskontrolle bei Erwachsenen ohne Diabetes eingesetzt. Symbolbild ©Love Employee/stock.adobe.com Eine langfristige Behandlung mit GLP-1-Rezeptoragonisten erhöht wahrscheinlich nicht das Krebsrisiko – für Adipositas-assoziierte Krebsarten könnte das Risiko sogar gesenkt werden, wie eine neue US-Studie andeutet. GLP-1-Rezeptoragonisten (GLP-1RAs) werden weitverbreitet zur Blutzuckerkontrolle bei Menschen mit Typ-2-Diabetes verschrieben. Immer häufiger werden sie aber auch von Menschen ohne Diabetes zur Gewichtskontrolle verwendet. Bislang unbekannt ist dabei der langfristige Einfluss dieser Medikamente auf das Krebsrisiko. Geringeres Risiko für viele Krebsarten Die Ergebnisse einer gemeinsamen Studie der Indiana University und der University of Florida (USA) deuten nun darauf hin, dass die Anwendung von GLP-1RAs bei übergewichtigen Erwachsenen tatsächlich mit einem verringerten Krebsrisiko verbunden ist. Wie in der Fachzeitschrift „JAMA Oncology“ berichtet, wurden 14 Krebsarten untersucht: Leber, Schilddrüse, Pankreas, Blase, Dick- und Enddarm, oberer Magen-Darm-Trakt, Niere, Brust, Endometrium, Meningeom, Eierstöcke, Prostata, Multiples Myelom und Lunge. Bis auf letztere stehen alle Krebsarten mit Übergewicht oder Adipositas in Zusammenhang. Die retrospektive Kohortenstudie umfasste insgesamt 86.632 Erwachsene ohne Krebs in ihrer Vorgeschichte, darunter 43.317 GLP-1RA-Anwender und 43.315 Nichtanwender. Die Inzidenzraten der 14 Krebserkrankungen lagen insgesamt bei 13,6 beziehungsweise 16,4 pro 1000 Personenjahre, was einem signifikant niedrigeren Krebsrisiko für GLP-1RA-Anwender entspricht. Vor allem das Risiko für Endometrium- und Ovarialkarzinome sowie Meningeome war im Vergleich zu Erwachsenen, die keine GLP-1RAs verwendeten, reduziert. Lediglich das Risiko für Nierenkrebs war unter der Anwendung von GLP-1RAs leicht, aber nicht statistisch signifikant, erhöht. Kausalität oder Korrelation? Die Ergebnisse basieren auf elektronischen Gesundheitsdaten von übergewichtigen Erwachsenen mit und ohne Typ-2-Diabetes ab einem Alter von 18 Jahren, die im Zeitraum von Januar 2014 bis Januar 2024 für eine Medikation mit GLP-1RAs in Frage kamen. Aufgrund des retrospektiven Designs hat die Studie Limitationen. Aus den Daten gehe nicht hervor, ob die beobachteten Inzidenzraten direkt auf den Wirkstoff selbst zurückzuführen oder die Folge eines möglichen Gewichtsverlusts oder verbesserter Blutzuckerkontrolle seien, so die Autoren. Auch die Auswirkungen auf Patienten, die vor einer Medikation bereits an Krebs erkrankt waren, seien weiterhin unklar. Darüber hinaus führen die Autoren an, dass der Beobachtungszeitraum für eine differenzierte Aussage nach wie vor zu kurz sei, vor allem weil die Entstehung von Tumoren oft ein langwieriger Prozess ist. Trotz der Einschränkungen deuten die Ergebnisse an, dass zumindest kein generell erhöhtes Krebsrisiko für Patienten besteht, die langfristig GLP-1RAs anwenden. Ob GLP-1RAs direkten Einfluss auf die Tumorentstehung nehmen und dadurch das Krebsrisiko sogar senken, muss in weiterführenden Studien geklärt werden. Dass eine Gewichtsreduktion positive Auswirkungen auf bestimmte Krebsarten hat, ist jedoch zu erwarten. Gegensatz zu vorheriger Studie Forschende aus Dänemark untersuchten in einer retrospektiven Studie ebenfalls den Zusammenhang zwischen einer langfristigen Anwendung von GLP-1RAs und dem Krebsrisiko. Die Ergebnisse wurden bereits im Juni in der Fachzeitschrift „The Lancet Regional Health Europe“ veröffentlicht. Im Gegensatz zu der aktuellen US-Studie, zeigten die Ergebnisse der dänischen Studie ein leicht erhöhtes Risiko für GLP-1RA-Anwender. Allerdings wurden in dieser Studie ausschließlich Daten von Erwachsenen im Alter von über 50 Jahren analysiert und die Vergleichsgruppe bestand aus Patienten, die mit einem Dipeptidylpeptidase-4-Inhibitor (DPP-4i) behandelt wurden. Außerdem mutmaßen die Autoren, dass das erhöhte Krebsrisiko in ihrer Studie auch eine Folge des potenziell längeren Überlebens der Patienten sein könne. Dieser mögliche Zusammenhang müsse ebenfalls in größeren Studien mit längeren Nachbeobachtungszeiträumen geklärt werden. (mkl/BIERMANN)
Mehr erfahren zu: "Studie zu Schwangerschaftsübelkeit deckt sechs neue genetische Zusammenhänge auf" Studie zu Schwangerschaftsübelkeit deckt sechs neue genetische Zusammenhänge auf Eine neue Studie identifizierte insgesamt zehn Gene, die mit der schwersten Form der Schwangerschaftsübelkeit, der Hyperemesis gravidarum, in Verbindung stehen. Sie liefert Hinweise auf zugrundeliegende biologische Mechanismen und potenzielle neue […]
Mehr erfahren zu: "Typ-2-Diabetes und CKD: Metaanalyse vergleicht Wirksamkeit neuartiger Antidiabetika" Weiterlesen nach Anmeldung Typ-2-Diabetes und CKD: Metaanalyse vergleicht Wirksamkeit neuartiger Antidiabetika Eine aktuelle Metaanalyse aus China verdeutlicht: Neuartige Antidiabetika bieten Vorteile für Patienten mit Typ-2-Diabetes und gleichzeitiger chronischer Nierenkrankheit (CKD). Die optimale Intervention variiert jedoch je nach gewünschtem Behandlungsergebnis.
Mehr erfahren zu: "Limo, Tiefkühlpizza, Wurst – Für Kinder besonders schädlich?" Limo, Tiefkühlpizza, Wurst – Für Kinder besonders schädlich? Hochverarbeitete Lebensmittel wie Chips oder Wurst sind bei Kindern oft beliebt. Doch wer zu viel davon isst, kann dick werden. Fachleute erläutern, welche Folgen das noch haben kann.