Glukosevariabilität sagt eine verlangsamte Nervenleitgeschwindigkeit bei Kindern und Jugendlichen mit Typ-1-Diabetes voraus

Jugendliche mit Typ-1-Diabetes prüft ihren Blutzuckerspiegel. (Foto: © Monkey Business – stock.adobe.com)

ST. GALLEN (Biermann) – Stärkere Schwankungen im Glukosespiegel erhöhen bei Kindern und Jugendlichen das Risiko für diabetische Neuropathien – auch unabhängig vom mittleren Glukosespiegel.

Bei jungen Menschen mit Diabetes besteht dringender Bedarf für eine bessere Erkennung früher subklinischer Manifestationen mikrovaskulärer Komplikationen wie der Diabetischen peripheren Neuropathie (DPN). Sobald eine DPN vorliegt, ist die Lebensqualität, aber auch Lebenserwartung bei autonomer Neuro­pathie reduziert, wobei Anomalien der Nervenleitgeschwindigkeit (NLG) Vorboten der DPN sind.

Ziel einer prospektiven Studie, die Wissenschaftler von 2016 bis 2022 am Ostschweizer Kinderspital in St. Gallen durchführten, war es, die Auswirkung der Glukoseprofil-­Qualität auf die NLG bei Kindern und jungen Erwachsenen mit T1D zu analysieren. Für eine Aufnahme in die Studiengruppe kamen Kinder im Alter von mindestens fünf Jahren infrage, bei denen mindestens sechs Monate zuvor ein T1D diagnostiziert worden war. Eine Diabetes-Klassifizierung erfolgte abhängig von den bei der Erstdiagnose gemessenen Diabetes-Autoanti­körpern (Glutamatdecarboxylase, Zink-Transporter-8, Tyrosinphosphatase, Pankreaszell-Antikörper und/oder Insulin-Antikörper), dem klinischen Bild, C-Peptid-Spiegeln und genetischen Analysen.

Die Forscher zeichneten die glykämischen Werte von 53 Probanden mit T1D im Alter von fünf bis 23 Jahren auf und führten eine Querschnittsuntersuchung der NLG des pero­nealen, tibialen, medianen moto­rischen und medianen sensorischen Nervs durch. Diese Daten verglichen sie mit denen von 50 gesunden Kindern (Kontrolle). In der für das Alter und die Körpergröße angepassten Diabetes-Subgruppe von zehn- bis16-jährigen Teilnehmern zeigten alle vier Nerven eine lang­samere NLG, am stärksten ausgeprägt für den Nervus peroneus. Da die Körpergröße verzögernde Effekte auf die pero­neale NLG hat, wurde diese um die Körpergröße bereinigt (dNLG). Die peroneale dNLG korrelierte negativ mit dem HbA1c und hoch­signifikant mit der Glukosevariabilität.

Da vor allem stärkere Schwankungen im ­Glukoselevel sowohl gemeinsam mit aber auch unabhängig vom mittleren Glukosespiegel das Neuro­pathierisiko eindeutig erhöhen, sollte diesem Aspekt der Blutzucker­einstellung bei der Betreuung von Diabetikern mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden, so das Resümee der Studienautoren. (bi)