Götter in Weiß oder im bunten T-Shirt?30. Juli 2019 Patienten reagieren unbewusst auf das Erscheinungsbild von Ärzten: Prof. Sax, Leiter der Spitalhygiene am Universitätsspital Zürich. (Quelle: Universitätsspital Zürich) Die Kleidung von Ärzten ist nicht nur Geschmackssache. Die richtige Wahl des Outfits kann sogar den Behandlungserfolg beeinflussen. Das zeigt eine Studie der Spitalhygiene des Universitätsspitals Zürich. Eine Ärztin im Businesskostüm, ein Arzt in Shorts? Für die meisten passt das nicht zum Bild der „Götter in Weiß“. In einer Studie untersuchte ein Forscherteam am Universitätsspital Zürich, welche Kleidung von Ärzten bei den Patienten im Spital am besten ankommt. Ziel der Studie war es aber nicht, zu erfahren, was optisch gefällt. Patienten reagieren – meistens unbewusst – auf das Erscheinungsbild von Ärzten. Tritt ein Arzt sehr formell auf, traut sich ein Patient möglicherweise nicht, Probleme von sich aus anzusprechen, bei einem legeren Outfit werden Anweisungen zur Medikamenteneinnahme weniger strikt befolgt. „Die Kleidung hat also letztlich auch Einfluss auf den Behandlungserfolg. Wir haben in der Studie deshalb untersucht, welche Kleidung bei Ärzten im Spital bei Patienten Vertrauen erweckt, bei welcher Bekleidung sie Arzt und Ärztin als zugänglich und fürsorglich erleben, und ob sie auch die Fachkompetenz an einem bestimmten Outfit festmachen“, erklärt Prof. Hugo Sax, Leiter der Spitalhygiene am Universitätsspital Zürich die auf den ersten Blick ungewöhnliche Studie. Im Krankenhaus ist Weiß noch immer top Für ihre Untersuchung befragte ein Team der Spitalhygiene Patienten der Ambulatorien für Dermatologie, Neurologie und Infektionskrankheiten am Universitätsspital Zürich über einen standardisierten, anonymen Fragebogen mit Bildern einer Ärztin beziehungsweise eines Arztes in verschiedenen Kleidungskombinationen. 834 Patienten gaben Auskunft. Mehr als ein Drittel der Teilnehmenden gab an, dass das Erscheinungsbild ihres Arztes und ihrer Ärztin wichtig für sie ist. Ein Viertel war der Meinung, dass die Kleidung auch ihr Urteil über die Behandlung beeinflusse. Im Vergleich der verschiedenen Erscheinungsbilder ist die Kombination aus einem weißen Oberteil und traditionellem Ärztekittel die bevorzugte Variante. Sie schnitt zudem insgesamt über alle Kategorien „Vertrauen“, „Zugänglichkeit“, „Fürsorglichkeit“ und „Fachkompetenz“ am besten ab. Auch bei der Frage, welche Kleidung Ärzte im Spital generell tragen sollten, war Weiß unbestritten der Favorit; je nach Einsatzgebiet sind Kittel (z.B. in der Sprechstunde) oder weiße Oberteile (z.B. in der Notfallstation) akzeptiert. „Der weiße Ärztekittel ist dabei nicht nur eine Tradition oder ein Statussymbol“, ist Sax überzeugt. „Weil im Spital Personen mit verschiedenen medizinischen Berufen auftreten, hilft die Bekleidung dort, deren Funktionen zu erkennen und zu unterscheiden.“ Bewusste Wahl der Kleidung wurde bisher wenig beachtet Welche Folgerungen zieht Sax aus der Studie? „Wir konnten zeigen, dass das Erscheinungsbild von Ärztinnen und Ärzten von den Patienten – teils bewusst, teils unbewusst – durchaus wahrgenommen wird. Weil es sogar Auswirkungen auf den Erfolg der Behandlung haben kann, lohnt es sich, die Kleidung gezielt an das Umfeld und die damit verbundenen Erwartungen der Patientinnen und Patienten anzupassen. Dieser Aspekt wurde bisher bei der Kleiderwahl wenig beachtet“, fasst Sax die Ergebnisse zusammen. „Und wir haben gesehen, dass wir mit der am USZ üblichen Bekleidung richtig liegen.“ Die Studie am USZ erhärtet die Resultate von 30 vergleichbaren Studien, die das Forscherteam um Sax zusätzlich zu der Umfrage systematisch auswertete. Auch dort zeigte sich aus den Befragungen, dass die Kleidung großen Einfluss auf die Beziehung von Arzt und Patient hat. Weiß oder farbig – Hauptsache sauber Welche Kleidung für Ärzte als angemessen gilt, ist jedoch nach Umfeld und Ländern verschieden. In den USA tragen Ärzte eher formelle Kleidung und Männer häufig Hemd und Krawatte unter dem Kittel, während die Pflegenden in simplen, farbigen Oberteilen, sogenannten „Scrubs“, arbeiten. In der Schweiz trägt medizinisches Personal in den Spitälern außerhalb des Operationsbereiches traditionell weiß. In Hausarztpraxen wird zunehmend Farbiges getragen, und wenn Weiß, dann eher ein T-Shirt; der Ärztekittel ist dort inzwischen fast eine Seltenheit. Ob sich dieser Trend zu informellerer Kleidung ähnlich positiv auswirkt wie die weiße Kleidung im Krankenhaus, wurde bisher aber nur vermutet und nicht untersucht. Weiß oder bunt: Gibt es aus hygienischer Sicht Einwände gegen farbige Kleidung? „Auf Weiß sieht man zwar Verunreinigungen besser, im Operationsbereich wird meistens Grün getragen, weil die Farbe nicht blendet. Wichtiger als die Farbe sind jedoch der regelmäßige Kleiderwechsel und Hygienemaßnahmen wie die Händedesinfektion“, so Sax.
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