GOTS fordert Aufnahme von sportlichen Leistungsanforderungen in die Schulpläne11. Juni 2026 Mit mehr Schulsport will die GOTS die präventive Medizin stärken. (Foto: © Hermann – stock.adobe.com) Im Vorfeld ihres Jahreskongresses plädiert die Gesellschaft für Orthopädisch-Traumatologische Sportmedizin (GOTS) für eine Abkehr von einer rein kurativen hin zu präventiver Medizin. Dabei soll auch die gesetzliche Verankerung von 60 Minuten Sportunterricht pro Tag helfen. Zahlen und Fakten sprechen laut GOTS für sich: Die Gesundheitsausgaben in Deutschland betragen inzwischen mehr als 500 Milliarden Euro pro Jahr, was mehr als zwölf Prozent des Bruttoinlandproduktes entspreche. 80 Prozent der Krankheiten seien Zivilisationserkrankungen, Bewegungsmangel und körperliche Inaktivität vierthäufigster Risikofaktor für globale Mortalität, zählt die Fachgesellschaft auf. Übergewicht und Bewegungsmangel Im Public Health Index 2025, der den Umsetzungsgrad wissenschaftlich empfohlener Präventionsprogramme vergleicht, belege Deutschland Rang 17 von 18 Ländern Nord- und Zentral-Europas. Der Anteil übergewichtiger Kinder und Jugendlicher zwischen elf und 17 Jahren liege bei rund 38 Prozent, wovon rund 20 Prozent sogar adipös sind. Bei Erwachsenen litten 50 Prozent an Übergewicht, 19 Prozent seien adipös. „Dies ist ein zentraler Risikofaktor für chronische Erkrankungen wie Typ-2-Diabetes oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen und schwerere Infektionsverläufe“, erklärt Prof. Martin Engelhardt, der auf dem GOTS-Kongress beleuchtet, welche Maßnahmen ergriffen werden müssen, um Deutschland wieder fit zu machen. „Deutschland wird zukünftig die Kosten für das Gesundheitssystem in Höhe von 500 Milliarden Euro nicht mehr ausgeben können. Die Profiteure des bisherigen Systems werden weiter versuchen, an kranken Menschen zu verdienen. Die sogenannte ‚Krankenhausstrukturreform‛ wird bei gleichbleibender Ausrichtung des Systems als Sozialabbau für den Bürger zu Leistungseinbußen führen“, prognostiziert der Mediziner. Vision „Deutschland wieder fit machen“ Die GOTS plädiert daher dafür eine Änderung der Ausrichtung von einer rein kurativen zu einer präventiven Medizin. Sinnvolle Maßnahmen dafür sind: Schaffung von Gesundheitskompetenz in der Schule durch Einführung des Faches „Gesundheit“ (Gesundheits-Aufklärung, gesunde Ernährung, Motivation zum lebenslangen Sporttreiben), Schaffung einer Umgebung, die das Gehen, Radfahren und aktives Unterwegssein im Alltag einfach und selbstverständlich macht, Steuern auf Nikotin und Alkohol erhöhen und bei Zucker einführen, Umfassende Werbebeschränkungen bei Alkohol, Tabak und zuckerhaltigen Getränken, Politische Maßnahmen für eine Chancengleichheit aller Kinder, 60 Minuten qualifizierter Sportunterricht pro Tag, verbindlich durch gesetzliche Festlegung. Die GOTS fordert zudem eine Aufnahme von sportlichen Leistungsanforderungen in die Schulpläne, die Vorhaltung und Weiterentwicklung von Sportstätten und ungehinderten Zugang zu diesen, eine kompetente Ausbildung und adäquate Bezahlung von Sportlehrern und Trainern. Weiterhin brauche es eine Akzeptanz des Leistungssports und Unterstützung für Sportlerinnen und Sportler außerhalb der Eliteschulen des Sports und an den Universitäten, fordert die GOTS. Damit dies erreicht werden könne, sei allerdings parteiübergreifend ein entsprechender politischer Wille erforderlich, so die Fachgesellschaft.
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