Grünen-Experte: Rettungsdienst an Belastungsgrenze

Rettungskräfte in Deutschland sind im Dauereinsatz. (Symbolfoto: ©RFBSIP/stock.adobe.com)

Manchmal muss medizinische Hilfe schnell da sein – dann starten Notärzte und Rettungswagen. Doch im System gibt es Hürden und Überlastungen. Kommt bald eine seit langem geplante Reform?

Der Grünen-Gesundheitsexperte Janosch Dahmen fordert die Umsetzung dringender Verbesserungen beim Rettungsdienst in Deutschland. Die Notfallversorgung sei „an der Belastungsgrenze und strukturell völlig zersplittert“, sagte der Bundestagsabgeordnete der Deutschen Presse-Agentur zum europäischen Tag des Notrufs am 11.2..

„Ob Menschen im Notfall schnell und richtig versorgt werden, hängt noch immer viel zu oft von der Postleitzahl ab.“ Eine lebensrettende Reform befinde sich aber weiter in der Warteschleife. 

„Wir haben knapp 300 Rettungsdienstbereiche, rund 240 Leitstellen und mehr als ein Dutzend Organisationsformen – oft ohne einheitliche Standards, ohne digitale Vernetzung und ohne klare Steuerung“, erläuterte Dahmen. „Die Folge ist, dass Rettungswagen zu Einsätzen fahren, bei denen andere Hilfen besser geeignet wären – während Notaufnahmen überlaufen, obwohl es Alternativen gäbe, Menschen direkt und fallabschließend zu helfen.“

Reform für mehr Effizienz

Das belaste Patientinnen und Patienten, überfordere das Personal und treibe die Kosten, warnte der Grünen-Experte. „Mit einer konsequenten Notfall- und Rettungsdienstreform ließen sich jährlich bis zu fünf Milliarden Euro einsparen – bei besserer Versorgung.“ Dahmen kritisierte, dass Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) es bislang nicht geschafft habe, einen eigenen Gesetzentwurf im Kabinett beschließen zu lassen. Das sei angesichts der Lage „fahrlässig“. 

Warken hatte den Entwurf im November in die interne Abstimmung in der Bundesregierung gegeben. Kernpunkt ist eine stärkere Steuerung über zentrale Anlaufstellen in Krankenhäusern und von überall per Telefon – vor allem nachts und an Wochenenden, wenn normale Praxen geschlossen sind. Vorgesehen ist auch eine generelle digitale Vernetzung mit der Notrufnummer 112.