Grundlagenforschung zum Spermientransport auf dem Weg zur „Pille für den Mann“2. Juni 2026 Die “Energiewährung” ATP hat auch Bedeutung für den Spermientransport in den Hodenkanälchen. Symbolbild: Zerbor – stock.adobe.com Forschende der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU), der RWTH Aachen sowie der Universitäten Bonn, Gießen und Münster arbeiten im Forschungsverbund „ContraPur“ an der Entwicklung einer neuartigen Verhütung für Männer. Langfristiges Ziel ist eine sichere, reversible und nicht hormonelle Verhütungsmethode. Besonders jüngere Menschen wünschen sich im Vergleich zu bestehenden Verhütungsmethoden neue Optionen mit weniger Nebenwirkungen, nicht hormonelle Alternativen und vielfältigere Möglichkeiten für Partner jeglichen Geschlechts. Vor diesem Hintergrund besteht ein erheblicher Bedarf an sicheren, wirksamen und reversiblen Verhütungsmethoden für Männer. Hier setzt das interdisziplinäre Forschungsprojekt ContraPur an, in dessen Rahmen Forschende aus fünf deutschen Universitäten eine neuartige, nicht hormonelle Verhütungsmethode für Männer entwickeln wollen. Koordiniert wird das Projekt von Prof. Marc Spehr, Inhaber des Lehrstuhls für Chemosensorik an der RWTH Aachen. Weitere Projektpartner sind die LMU, die Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, die Justus-Liebig-Universität Gießen und die Universität Münster. Das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt fördert das Vorhaben über einen Zeitraum von drei Jahren mit rund drei Millionen Euro. Nicht hormonelle Verhütung Ziel ist es, die zugrunde liegenden molekularen und physiologischen Prozesse im Hoden zu entschlüsseln und langfristig gezielt zu beeinflussen. Perspektivisch könnte es dadurch möglich werden, den Spermientransport vorübergehend zu blockieren und Männer zeitweise unfruchtbar zu machen – ohne ihre Fruchtbarkeit dauerhaft zu beeinträchtigen. „Mit ContraPur verfolgen wir einen völlig neuen Ansatz in der Verhütungsforschung“, erklärt Spehr. „Unser Ziel ist es, eine sichere, reversible und nicht hormonelle Methode zu entwickeln, die Männern neue Möglichkeiten der Familienplanung eröffnet und gleichzeitig zu einer gerechteren Verteilung der Verantwortung beiträgt.“ Im Zentrum des Forschungsprojekts steht ein bislang wenig verstandener biologischer Prozess, der den Transport von Spermien im Hoden reguliert – die sogenannte purinerge Signalübertragung. Ausgelöst wird dieser Prozess durch Adenosintriphosphat, das vor allem als universelle Energiewährung der Zelle bekannt ist. ATP an Spermientransport beteiligt Neuere Studien aus dem Kreis der Projektbeteiligten zeigen, dass ATP auch eine zentrale Rolle bei der Auslösung von Kontraktionen in den Muskelzellen spielt, die die Samenkanälchen umgeben. Diese Kontraktionen sorgen dafür, dass reife, aber noch unbewegliche Spermien innerhalb des Hodens transportiert werden. Die Forschenden wollen die Gene, Proteine und Signalwege untersuchen, die an diesen Kontraktionen beteiligt sind. Das Projekt ist als strukturiertes, eng verzahntes Forschungsprogramm angelegt und umfasst mehrere Teilprojekte. Ein Schwerpunkt liegt auf der Entwicklung potenzieller Wirkstoffe, die am Menschen einsetzbar sind. Das Teilprojekt in diesem Bereich wird geleitet von Prof. Artur Mayerhofer vom Biomedizinischen Centrum der LMU. Die LMU-Forschenden wollen unter anderem „Proof-of-Concept“-Experimente mit peritubulären Zellen aus dem Hoden durchführen und vielversprechende Arzneimittelkandidaten testen. Dabei untersuchen sie vorrangig, inwieweit diese die Kontraktionsfähigkeit dieser Zellen beeinflussen. „Unser Ziel ist es, neue Erkenntnisse über die Hodenphysiologie zu gewinnen und gezielt Arzneimittel zu testen, um letztlich eine sichere und akzeptierte Alternative zur bestehenden Verhütung zu schaffen“, sagt Mayerhofer. (ms/BIERMANN) Das könnte Sie ebenfalls interessieren: Fruchtbare Spermien brauchen festes Fundament für ihre Geißel Erster Sonderforschungsbereich zur männlichen Infertilität
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