Hat COVID-19 einen Einfluss auf die Parkinson-Krankheit?13. Juli 2022 Das Integrative Omics-Team für die Analyse großer Datensätze zum Verständnis der Pathophysiologie der Parkinson-Krankheit (v.l.n.r.): Panna Lajer, Carolin Gabbert, Theresa Luth, Susen Schaake, Joanne Trinh (Leiterin), Joshua Lass, Christoph Much und Tugce Gul (Foto: ING) COVID-19 könnte zu einer beschleunigten Nervendegeneration führen und damit neurologische Bewegungsstörungen wie etwa Morbus Parkinson begünstigen. Dieser Vermutung geht eine Forschungsgruppe aus Lübeck und Hamburg nach. Ihr Forschungsprojekt “Welchen Einfluss hat COVID-19 auf die Entwicklung der Parkinson-Erkrankung?” wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft mit 347.750 Euro gefördert. Die Hirnpathologie von COVID-19 ist durch eine spezifische neuroimmunologische Aktivierung mit Astro- bzw. Mikrogliose und verstärkten Entzündungssignalen gekennzeichnet. Darüber hinaus hat das Virus eine Affinität zu den Basalganglien im Hirnstamm und kann nachweislich das Nervensystem angreifen und neurologische Symptome hervorrufen. Obwohl es Fallberichte von COVID-19-Patienten gibt, die innerhalb weniger Wochen nach der Ansteckung mit dem Virus Parkinsonismus entwickelt haben, gibt es derzeit nur spekulative Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen COVID-19 und der Parkinson-Krankheit. Da der Zusammenhang zwischen COVID-19 und Morbus Parkinson erst in den kommenden Jahren oder Jahrzehnten deutlich werden wird, ist es wichtig zu untersuchen, ob und wie sich COVID-19 auf die Krankheit auswirkt. Die Gruppe mit PD Dr. Joanne Trinh und Prof. Christine Klein vom Institut für Neurogenetik der Universität zu Lübeck sowie Prof. Markus Glatzel vom Institut für Neuropathologie des Universitätsklinikums Eppendorf in Hamburg geht davon aus, dass die Untersuchung der Gehirne von COVID-19-Patienten und von COVID-19-Patienten mit gleichzeitiger Parkinson-Erkrankung im Vergleich zu Parkinson-Patienten und Kontrollpersonen Aufschluss über einen möglichen Zusammenhang geben und Wege aufzeigen wird, die bei der COVID-19-modulierten Parkinson-Erkrankung aktiv sind und als Biomarker dienen. Integration und Identifizierung von biologischen Signalwegen Die Forschenden stellen die Hypothese auf, dass die neuroimmunologische Aktivierung bei COVID-19 zu einer beschleunigten Neurodegeneration führt. Sie zielen darauf ab, die Neuropathologie und die gestörten biologischen Signalwege von Parkinson-Patienten und Kontrollpersonen mit und ohne COVID-19 zu vergleichen, um diese Mechanismen zu verstehen. Vorläufige Pathologiedaten zu einem möglichen Zusammenhang zwischen COVID-19 und der Parkinson-Krankheit (Abb.: Glatzel, Trinh, Klein, unveröffentlichte Daten) Die Gruppe wird die Neuroimmunaktivierung und die Wege der Proteinfaltung und -ablagerung sowie des Proteinabbaus in verschiedenen Hirnregionen der Substantia nigra mittels Einzelzell-RNA-Sequenzierung und globaler Transkriptomik untersuchen. Ziel ist die Integration und Identifizierung von biologischen Signalwegen, die bei COVID-19 und Parkinson-Krankheit aktiv sind, und die Bewertung des Biomarker-Potenzials der erhaltenen Markerprofile bei lebenden Parkinson-Patienten nach COVID-19 zur Vorhersage der Parkinson-Ergebnisse. Durch die gründliche Untersuchung, ob ein Zusammenhang zwischen COVID-19 und Parkinson besteht, wird dieser Vorschlag den Forschern zufolge zum Verständnis des Risikos beitragen, das eine SARS-CoV-2-Infektion im Hinblick auf die Beschleunigung der subklinischen Parkinson-Krankheit darstellt.
Mehr erfahren zu: "Umgebung und Sensibilität eines Kindes bestimmen sein ADHS-Risiko" Umgebung und Sensibilität eines Kindes bestimmen sein ADHS-Risiko Kinder mit einem erhöhten Risiko für ADHS profitieren von einem unterstützenden häuslichen Umfeld. Das geht aus einer Langzeitstudie israelischer Wissenschaftler hervor. Die Forschenden sehen hierin eine Möglichkeit für frühzeitige präventive […]
Mehr erfahren zu: "Vorlage für psychiatrische Patientenverfügung veröffentlicht" Vorlage für psychiatrische Patientenverfügung veröffentlicht Forschende der Ruhr-Universität Bochum haben mit Betroffenen und Juristen eine Vorlage für eine psychiatrische Patientenverfügung entwickelt. Die frei zugängliche Vorlage legt besonderen Wert darauf, Menschen mit psychischen Erkrankungen Selbstbestimmung zu […]
Mehr erfahren zu: "Neue S3-Leitlinie zu Delir im höheren Lebensalter veröffentlicht" Neue S3-Leitlinie zu Delir im höheren Lebensalter veröffentlicht Die neue S3-Leitlinie zu Delir im höheren Lebensalter ist seit heute bei der AWMF publiziert. Sie enthält Informationen zu Prävention, Diagnostik und Therapie.