Hautkrebs: Immuntherapie gegen Merkelzellkarzinom

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Obwohl das Merkelzellkarzinom zu den seltenen Erkrankungen gehört, erkranken in Deutschland jährlich zwischen 800 und 1000 Menschen. Mehr als ein Drittel der Patientinnen und Patienten versterben an dieser Krebserkrankung, trotz leitliniengerechter Therapie.

Zur Behandlung von Rückfällen oder in Fällen, in denen der Tumor nicht vollständig entfernt werden kann, werden auch PD1-/PD-L1-Immun-Checkpoint-Inhibitoren eingesetzt.

Um die Therapie beim Merkelzellkarzinom zu optimieren, haben Forschende der Universität Duisburg-Essen (UDE) und des Deutschen Konsortiums für Translationale Krebsforschung (DKTK) an den Standorten Berlin, Essen, Dresden, Heidelberg, Mainz und Tübingen in einer multizentrischen Phase-II-Studie erfolgreich eine Behandlung mit einem Immun-Checkpoint-Inhibitor (Nivolumab) noch vor dem Auftreten eines Rückfalls getestet.

In Deutschland und den Niederlanden wurden zwischen 2014 und 2020 insgesamt 179 Patientinnen und Patienten mit Merkelzellkarzinom untersucht, die auch nach operativer Entfernung ein hohes Risiko für einen Rückfall hatten. Sie erhielten monatliche Dosen von jeweils 480 mg Nivolumab über einen Zeitraum von 12 Monaten oder wurden entsprechend dem aktuellen Therapiestandard regelmäßig überwacht. Der monoklonale Antikörper Nivolumab gehört zur Klasse der PD1-Immun-Checkpoint-Inhibitoren, die auch bei anderen Hautkrebserkrankungen eingesetzt werden.

„Das relative Risiko innerhalb der ersten beiden Jahre einen Rückfall der Erkrankung zu erfahren, reduzierte sich um ungefähr 40%, das ist ein bemerkenswerter Fortschritt für eine so aggressive Hautkrebsvariante“, fasst Prof. Jürgen C. Becker, Leiter der DKTK-Abteilung „Translational Skin Cancer Research“ im Zentrum für Medizinische Biotechnologie (ZMB) die Studienergebnisse zusammen. „Insbesondere Patientinnen und Patienten, die jünger als 65 Jahre sind, profitieren unserer Studie zufolge von der adjuvanten Immuntherapie mit Nivolumab.“ Die beobachteten Nebenwirkungen ähneln denen, die bei der Behandlung mit anderen Immun-Checkpoint-Inhibitoren auftreten.

„Weil das Merkelzellkarzinom eine seltene Erkrankung ist, ist es immer sehr aufwendig, solche Studiendaten zu gewinnen. Es gibt deshalb weiteren Forschungsbedarf, bevor man konkrete Therapieleitlinien formulieren kann, wir freuen uns jedoch, dass sich bereits ein so positiver klinischer Nutzen bei der adjuvanten Therapie mit Nivolumab abzeichnet“, sagt Becker. Zukünftig wollen die Forschenden des DKTK die gewonnenen Daten translational aufarbeiten. Sie hoffen prädikative Biomarker zu identifizieren, mit denen sich vorhersagen lässt, welchen Patientinnen und Patienten mit welcher Therapie am besten geholfen werden kann.