HDZ NRW mit erstem Patientensicherheitsbeauftragten10. Februar 2023 Kardiotechniker Marc Arend widmet künftig ein Fünftel seiner Arbeitszeit im OP-Zentrum des HDZ NRW dem Thema Patientensicherheit. Foto: ©Marcel Mompour Seit Jahresbeginn ist Dr. Marc Arend als erster Patientensicherheitsbeauftragter für das OP-Zentrum im Herz- und Diabeteszentrum NRW (HDZ NRW), Bad Oeynhausen, im Einsatz. Was in Hessen seit 2019 gesetzlich festgelegt ist, wird in anderen Bundesländern wie Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen auf freiwilliger Basis geregelt. Es geht um die Bestellung von Patientensicherheitsbeauftragten in allen Einrichtungen des Gesundheitswesens. So fordert es das Aktionsbündnis Patientensicherheit (APS) auf der Basis einer Agenda der Weltgesundheitsorganisation seit über drei Jahren. Mit der Beauftragung von Arend als Verantwortlichem in dieser Position zieht das HDZ NRW nun also nach. „Natürlich wird jedes Krankenhaus betonen, dass Qualität und Sicherheit eine besondere Rolle spielen“, sagt Arend. Der 40-jährige Gesundheitsmanager und Perfusionist arbeitet seit zwölf Jahren in der Kardiotechnik am HDZ NRW. „Drei Hochrisikobereiche sind in Krankenhäusern grundsätzlich besonders wichtig: Der Kreißsaal, die Notaufnahme und der OP-Bereich.“ Mit einem der größten und komplexesten herzchirurgischen OP-Programme in Deutschland hat das Thema Sicherheit am HDZ NRW eine besondere Tradition: In diesem Jahr steht bereits das fünfte Zertifizierungsverfahren im Qualitätsmanagement nach KTQ an, das sämtliche Berufsgruppen im Klinikum mit einbezieht einschließlich der Ärztinnen und Ärzte, Qualitäts-, Hygiene- und Risikomanagement Beauftragten. Vorsorge und Maßnahmen „Wir betreiben am HDZ NRW ein sogenanntes ‚Critical Incident Reporting System‘ (CIRS) zur anonymen Meldung von kritischen Ereignissen, führen Managementbewertungen, Risikoassessments, Morbiditäts- und Mortalitätskonferenzen sowie interne Audits durch. All dies dient ebenso wie weitere Präventionsprojekte, z.B. zur Medikamentensicherheit, Sturzprophylaxe, Vermeidung des postoperativen Delirs, letztlich der Sicherheit unserer Patientinnen und Patienten.“ Warum macht die neue, auf das OP Zentrum fokussierte Zusatzaufgabe Sinn?„Weil es sich doppelt lohnt, in einer so komplexen Organisation Krankenhaus einen prüfenden Blick auf alle Prozesse aus der Perspektive der Patientinnen und Patienten zu werfen“, antwortet Dr. Karin Overlack, Geschäftsführerin am HDZ NRW. „Und zwar möglichst so vorausschauend und vorsorglich, dass erst gar keine Fehler passieren“, fügt Prof. Dr. Jan Gummert, Ärztlicher Direktor des HDZ NRW hinzu. „ „Patientensicherheitsbeauftragte werden künftig noch mehr als bisher dazu beitragen, die bestehende Sicherheitskultur im Klinikum konsequent zu stärken und weiterzuentwickeln.“ Und natürlich sei am HDZ NRW ein ganz besonderes Augenmerk auf das Spezialgebiet gerichtet: die Eingriffe am Herzen in den neun Operationssälen. Ein Ziel, das kommuniziert werden muss „Patientensicherheit sollte den gleichen Stellenwert haben wie die Effektivität jeglicher medizinischen Intervention“, bekräftigt Arend, der den Mitarbeitenden im Zentral-OP als vertraulicher Ansprechpartner auch zum Umgang mit Fehlern und Beinahe-Fehlern zur Seite steht. „Das funktioniert nur im gegenseitigen Vertrauen“, betont der in der Bedienung aufwändiger Medizintechnik wie dem Einsatz von Herz-Lungen-Maschinen erfahrene Perfusionist. Nach Ausbildung und Studium an der Akademie für Kardiotechnik in Berlin sowie in Zürich hat Arend einbetriebswirtschaftliches Promotionsstudium mit Schwerpunkt Gesundheitsmanagement erfolgreich abgeschlossen. Zudem besitzt er einen Lehrauftrag an der Fachhochschule Münster. „Schlussendlich geht es uns allen darum, die Patientensicherheit zum selbstverständlichen und routinierten Teil unserer Arbeit zu machen.“ Die Routine soll zudem voraussichtlich noch in diesem Jahr durch die Fortführung von regelmäßigen Simulationstrainings im OP-Saal am HDZ weiter verbessert werden. „Mitarbeitersicherheit ist Patientensicherheit. Kein junger Pilot fliegt einfach los, sondern er geht erst einmal in den Simulator und übt dort besondere Situationen. Dieser Gedanke ist in der Medizin noch nicht selbstverständlich“, sagt Arend, der sich auch wundert, dass dem Thema Patientensicherheit nicht genügend öffentliche Aufmerksamkeit gewidmet werde: „Jeder kennt die Zahlen der Verkehrstoten im Straßenverkehr, aber niemand weiß, dass die Zahl vermeidbarer Todesfälle im Krankenhaus bis zu fünf Mal so hoch ist.
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