Heilende Berührung: Oxytocin wandelt somatosensorische Signale in soziales Verhalten um31. Juli 2020 Oxytocin wandelt somatosensorische Signale in soziales Verhalten um. (Idee: Yan Tang; Grafik: © Shari Ross) Parvozelluläre Oxytocin-Neuronen sind für die Umwandlung von sensorischen Signalen in soziale Interaktionen verantwortlich. Diese Erkenntnis eines internationalen Forschungsteams eröffnen neue Therapieansätze bei psychischen Erkrankungen, etwa posttraumatischen Belastungsstörungen. Während der Evolution entwickelten Wirbeltiere eine Vielzahl komplexer sensorischer Systeme, die dazu führten, dass höhere Säugetiere in der Lage waren, zwischen Schmerzen, moderaten und sanften Berührungsformen zu unterscheiden. In Bezug auf soziale Interaktionen hat während des letzten Jahrzehnts ein Eiweiß-Molekül in der Neurowissenschaft für viel Furore gesorgt: das Neuropeptid Oxytocin. Oxytocin fördert als Bluthormon nicht nur die Geburt und die Milchfreisetzung in der Stillzeit, sondern wirkt auch als Botenstoff des Gehirns, um Emotionen, Paarbindung und Sexualverhalten sowie elterliches Verhalten zu optimieren. Wie genau Oxytocin diese sozialen Verhaltensweisen fördert und was die tatsächliche Freisetzung des Neuropeptids auslöst, blieb bisher ein Rätsel. Antworten auf diese Fragen geben nun die Forschungsergebnisse internationaler Forschungsteams in Deutschland, Frankreich, Israel, den USA und dem Vereinigten Königreich, die zu dem Thema zusammenarbeiten. Ihre Ergebnisse liefern grundlegend neue Erkenntnisse darüber, wie das Neuropeptid das Sozialverhalten koordiniert. Sie bilden die Basis für Therapieansätze, bei denen Oxytocin als wirksames Mittel zur Behandlung von psychischen Störungen eingesetzt werden könnte: Eine Kombination aus sensorischer Körperstimulation (z. B. durch Massage) und intranasaler Oxytocin-Verabreichung könnte krankhafte sozial-emotionale Veränderungen beim Menschen synergistisch abschwächen und PatientInnen helfen, die von psychischen Erkrankungen wie Autismus oder posttraumatischen Belastungsstörungen betroffen sind. Die WissenschaftlerInnen verwendeten vielfältige neurobiologische Methoden und zeigten die Aktivität einzelner Oxytocin-Neuronen mittels elektrophysiologischer Aufnahmen in sich frei bewegenden weiblichen Ratten auf. Sie fanden heraus, dass ein spezielles Cluster von Oxytocin-Neuronen im Hypothalamus bei körperlicher Berührung aktiviert wird. Diese kleine Gruppe von Oxytocin-Zellen wird durch Körperberührung stimuliert, was zur weiteren Aktivierung des gesamten Oxytocin-Systems des Gehirns führt und so schlussendlich die sozialen Interaktionen zwischen den weiblichen Ratten förderte. Originalpublikation: Tang Y. Social touch promotes interfemale communication via activation of parvocellular oxytocin neurons. Nature Neuroscience, 27. Juli 2020
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