Hepatitis C: Neue Methode zur nicht invasiven Risikoeinschätzung nach Heilung entwickelt

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Wiener Forscher haben einen einfachen nicht invasiven Algorithmus zur Einschätzung des Pfortaderhochdrucks und zur Vorhersage von Komplikationen bei Patienten nach Heilung einer Hepatitis C entwickelt.

Durch die virusbedingte chronische Entzündung der Leber bei einer Hepatitis C bildet sich eine Leberfibrose beziehungsweise Zirrhose. Als Folge wird der Blutfluss durch das Organ behindert, es kommt zu Bluthochdruck in der Pfortader. Dieser ist mehrheitlich für tödliche Komplikationen verantwortlich.

Die Forschungsgruppe rund um PD Dr. Mattias Mandorfer und Prof. Thomas Reiberger von der Klinischen Abteilung für Gastroenterologie und Hepatologie der MedUni Wien konnte bereits in vorangegangenen Studien nachweisen, dass durch die Heilung der Hepatitis C bei einem Großteil der PatientInnen der Pfortaderhochdruck reduziert wird, was eine Verbesserung der Prognose bedeutet. Ob dies aber im jeweiligen individuellen Fall zutrifft, konnte bisher nur mit aufwendigen, invasiven Untersuchungen festgestellt werden. Nun hat Dr. Georg Semmler aus derselben Forschungsgruppe einen einfachen nicht-invasiven Algorithmus zur Einschätzung des Pfortaderhochdrucks und zur Vorhersage von Komplikationen bei Patienten nach Heilung der Hepatitis C entwickelt.

Bei den von der Hepatitis C geheilten Personen wird der Pfortaderdruck insgesamt zwar gesenkt, allerdings kann der Pfortaderhochdruck trotzdem fortbestehen, weshalb es weiterhin zu Komplikationen wie etwa zu Blutungen aus Krampfadern in der Speiseröhre oder dem Auftreten von Bauchwassersucht kommen kann. Das Risiko für diese Komplikationen kann durch die invasive Messung des Pfortaderdrucks (in Form des Lebervenendruckgradienten) bestimmt werden, wie eine kürzlich von Mattias Mandorfer veröffentlichte Arbeit zeigt. Die Messung des Lebervenendruckgradienten ist jedoch ein aufwendiges und letztlich auch invasives Verfahren.

Nun hat die Forschungsgruppe an der Universitätsklinik für Innere Medizin III (Klinische Abteilung für Gastroenterologie und Hepatologie) einen Algorithmus basierend auf nicht invasiven Tests entwickelt, der sowohl den Schweregrad des Pfortaderhochdrucks als auch das Risiko für das Auftreten von Komplikationen nach Heilung der Hepatitis C einschätzen kann.

Der Algorithmus basiert auf einem weit verbreiteten Ultraschall-basierten Verfahren, das die Lebersteifigkeit misst, sowie auf routinemäßig verfügbaren Bluttests (von Willebrand Faktor- Antigen/Thrombozytenzahl) und zeigt auch in externen Bestätigungsuntersuchungen eine hohe diagnostische und prognostische Wertigkeit. „Durch die verbesserte Risikoeinschätzung kann bei einem Großteil der PatientInnen Entwarnung gegeben werden, wodurch sie weniger häufig belastende Kontrolluntersuchungen benötigen. Außerdem werden auch Hochrisikopatientinnen und -patienten identifiziert, die einer besonders engmaschigen Betreuung bedürfen“, erklären die Studienautoren.

„Der von uns entwickelte Algorithmus ermöglicht eine personalisierte Nachbetreuung von Patientinnen und Patienten, deren Hepatitis-C-Virus-Infektion geheilt wurde. Somit werden einerseits invasive Untersuchungen vermieden und andererseits Patientinnen und Patienten identifiziert, die trotz virologischer Heilung ein hohes Risiko für Komplikationen aufweisen. Wir sind zuversichtlich, dass unser Algorithmus, welcher auf einfach verfügbaren nicht-invasiven Tests basiert, breite Anwendung finden wird“, fasst Semmler zusammen.