Hepatitis E-Virus kann auch Nierenzellen befallen2. Juli 2025 Mit HEV infizierte Nierenzellen sind mit einem grünen Fluoreszenzfarbstoff markiert. Nicht infizierte Zellen sind blau angefärbt. Copyright: © TWINCORE Forscher aus Bochum und Hannover haben herausgefunden, dass das Hepatitis E-Virus (HEV) auch Nierenzellen befallen und sich darin vermehren kann. Dort wirken antivirale Medikamente wie Ribavirin weniger effizient als in der Leber. HEV befallen hauptsächlich Leberzellen und richten in der Leber mitunter die größten Schäden an. „Es war aber bekannt, dass sie sich auf Abwege begeben und andere Zellen befallen können, zum Beispiel Nervenzellen“, berichtet Letztautor der neuen Studie, Dr. André Gömer von der Ruhr-Universität Bochum. Dem Team aus Bochum gelang gemeinsam mit Forschern des TWINCORE-Zentrums für Experimentelle und Klinische Infektionsforschung in Hannover in einer Zellkultur nun der Nachweis, dass die Viren auch Nierenzellen befallen und sich mit ihrer Hilfe vermehren können. „Der gesamte Replikationszyklus des Virus läuft in Nierenzellen ebenso ab wie in Leberzellen“, kommentiert Gömer. Die neuen Studienergebnisse wurden in der Fachzeitschrift „Liver International“ veröffentlicht. Antiviraler Wirkstoff Ribaviri getestet Auf eine Therapie mit dem antiviralen Wirkstoff Ribavirin sprachen die infizierten Nierenzellen weniger gut an als die Leberzellen. „Das liegt vermutlich am Stoffwechselprofil der beiden Organe, das sich deutlich unterscheidet“, erklärt Gömer. In der Niere ist das Virus also relativ unempfindlich gegen die medikamentöse Behandlung. „Es könnte sein, dass die Niere bei chronischen Infektionen als Reservoir funktioniert, von wo aus sich die Viren nach einer vermeintlich erfolgreichen Behandlung wieder ausbreiten“, erläutert Nele Meyer, Doktorandin am TWINCORE-Zentrum. Auch könnte es ein solches Reservoir den Viren ermöglichen, sich an eine Behandlung besser anzupassen. Entwicklung in unterschiedlichen Organen Das Team führte darüber hinaus eine vergleichende genetische Analyse von Hepatitis-Viren chronisch infizierter Patienten aus deren Blutplasma, Stuhl und Urin durch. Während mit dem Stuhl vor allem Viren aus der Leber ausgeschieden werden, finden sich im Urin solche aus der Niere. „Die in den unterschiedlichen Proben gefundenen Viren unterscheiden sich deutlich voneinander“, berichtet Dr. Patrick Behrendt, Leiter der Gruppe „Translationale Virologie“ am TWINCORE und ebenfalls Letztautor des Artikels. „Das ist ein Hinweis darauf, dass sich die Populationen schon seit längerer Zeit unabhängig voneinander entwickelt haben und eine Art Evolution im jeweiligen Organ durchlaufen haben.“ Förderung: Die Arbeiten wurden unterstützt durch das Deutsche Zentrum für Infektionsforschung, die VolkswagenStiftung, die Deutsche Forschungsgemeinschaft (398066876/GRK 2485/2 und 448974291) und das Bundesministerium für Bildung und Forschung (Projekt VirBio, Förderkennzeichen: 01KI2106).
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