Herzinsuffizienz-Medikamente oft zu gering dosiert1. Oktober 2019 Foto: © fotoknips – Adobe/Stock Wichtige Medikamente zur Behandlung von Herzinsuffizienz werden in Österreich oft in niedrigeren Dosierungen verschrieben als die internationalen Richtlinien vorgeben. Eine Studie unter Mitwirkung der MedUni Wien zeigt eine übervorsichtige Verabreichung der gängigsten Medikamentengruppen durch die behandelnden Ärzte auf. Herzinsuffizienz ist eine der häufigsten Erkrankungen in westlichen Ländern. Zur Behandlung werden unter anderem drei Medikamentengruppen (ACE-Hemmer, Betablocker und Angiotensin-Rezeptorblocker) eingesetzt, für die es klare Richtlinien zur Dosierung gibt. Eine Studie der MedUni Wien gemeinsam mit Experten der Arbeitsgruppe für Herzinsuffizienz der Österreichischen Kardiologischen Gesellschaft untersuchte unter der Leitung von Prof. Thomas Stefenelli anhand des nationalen österreichischen Herzinsuffizienz-Registers (Daten zu 3737 Patienten), welche Dosierungen an die ambulant behandelten Patienten verschrieben werden. Während eines Beobachtungszeitraumes von zwölf Monaten erhielt nur ein begrenzter Anteil der Patienten mit chronischer systolischer Herzinsuffizienz die vorgeschriebenen Dosierungen. Die meisten Patienten lagen deutlich unterhalb der anzustrebenden therapeutisch optimalen Dosierung. Innerhalb einer Substanzklasse mit unterschiedlicher numerischer Maximaldosierung zum Erreichen des gleichen Wirkungseffekts zeigte sich dies besonders deutlich. So wurden Medikamente mit einer höheren Zieldosis in absoluten Zahlen (z. B. Betablocker 10 mg vs. 200 mg) in einer deutlich niedrigeren Dosierung verschrieben als empfohlen, während bei Medikamenten mit einer niedrigeren numerischen Zieldosis die Wahrscheinlichkeit, dass die maximale Zieldosis verschrieben wurde, deutlich höher war. Dr. Martin Hülsmann, Kardiologe der MedUni Wien, der gemeinsam mit seiner Kollegin Dr. Henrike Arfsten an der Studie maßgeblich mitwirkte, sieht eine kognitive Voreingenommenheit als Grund: „Wir orten in der Kollegenschaft eine unbewusste Angst vor Überdosierung und Angst vor Nebenwirkungen von Medikamenten, die auch in der evidenzbasierten Medizin weiter existiert. Diese ist besonders ausgeprägt, je höher die Zieldosis eines Medikamentes ist und verhindert die Verabreichung der in Studien als optimal getesteten Medikamentendosierung.“ Hülsmann geht davon aus, dass diese Übervorsichtigkeit kein spezielles Problem der kardiologischen Behandlungen ist, sondern auch in anderen medizinischen Bereichen eine übervorsichtige Dosierung bei Verschreibungen existiert. „Wir würden uns weitere Studien wünschen, die dieser ‚Befangenheit‘ auch bei anderen Erkrankungen nachspüren.“ Als ersten Schritt schlagen die Studienautoren daher vor, diese Ergebnisse in größeren Patientengruppen und anderen Krankheitsentitäten zu überprüfen. Sollten sich die Ergebnisse bestätigen, empfehlen die Autoren die auf Milligramm-Dosierung basierenden Empfehlungen durch auf Äquivalenzdosierung basierende Richtlinien zu ergänzen. Eine korrekte Dosierung ist wichtig, damit die Medikamente ihre beabsichtigte Wirkung erreichen und damit, in diesem Fall bezogen auf die Herzinsuffizienz, Betroffene eine bestmögliche Lebensqualität gewinnen. Publikation: Henrike Arfsten, Georg Goliasch, Noemi Pavo, Hanno Ulmer, Martin Hülsmann, Thomas Stefenelli. Prescription Bias in the Treatment of Chronic Systolic Heart Failure. Ann Intern Med 01.10.2019. doi: 10.7326/M19-0476 http://annals.org/aim/article/doi/10.7326/M19-0476
Mehr erfahren zu: "Ärztetag: Krankenhausreform praxistauglich weiterentwickeln" Ärztetag: Krankenhausreform praxistauglich weiterentwickeln Der 130. Deutsche Ärztetag hat den Gesetzgeber aufgefordert, die Krankenhausreform in zentralen Punkten weiterzuentwickeln. Darunter fallen die Vorhaltevergütung, die Weiterbildung, die Leistungsgruppensystematik und die Personalausstattung.
Mehr erfahren zu: "Aus PCOS wird PMOS: Häufige Hormonstörung bekommt neuen Namen" Aus PCOS wird PMOS: Häufige Hormonstörung bekommt neuen Namen Das Polyzystische Ovarialsyndrom (PCOS) heißt ab sofort „Polyendokrines Metabolisches Ovarialsyndrom“ (PMOS). Der neue Name beschreibt die multisystemische Natur der Erkrankung und soll die Diagnose und Behandlung von Betroffenen verbessern.
Mehr erfahren zu: "Ärztetag fordert Schutz der freiberuflichen Arztpraxis" Ärztetag fordert Schutz der freiberuflichen Arztpraxis Der 130. Deutsche Ärztetag hat Bund und Länder aufgerufen, die Rahmenbedingungen für die ärztliche Niederlassung zu überprüfen und weiterzuentwickeln.