Herzkranke: Angstzustände und Einnahme von Psychopharmaka häufig13. Januar 2022 Foto: ©Hero – stock.adobe.com Antidepressiva und andere Psychopharmaka werden mit einem fast doppelt so hohen Risiko eines vorzeitigen Todes bei Patienten mit Herzerkrankungen in Verbindung gebracht. Dies geht aus Forschungsergebnissen hervor, die aktuell im „European Journal of Cardiovascular Nursing“ veröffentlicht wurden. „Unsere Studie zeigt, dass die Einnahme von Psychopharmaka bei Patienten mit Herzerkrankungen weit verbreitet ist. Darüber hinaus wies fast jeder dritte Patient Angstsymptome auf. Patienten mit Herzerkrankungen sollten systematisch auf psychische Störungen untersucht und gefragt werden, ob sie Psychopharmaka einnehmen und aus welchem Grund“, sagt Studienautorin Dr. Pernille Fevejle Cromhout vom Universitätskrankenhaus Kopenhagen, Dänemark. „Es ist wichtig, daran zu denken, dass die Verschreibung eines Psychopharmakons ein Anzeichen für eine psychische Störung ist, die an sich schon zu einem erhöhten Sterberisiko beitragen kann“, erläutert Cromhout. Weitere Untersuchungen seien jedoch erforderlich, um festzustellen, ob die höhere Sterblichkeit auf die Einnahme von Psychopharmaka oder auf die zugrunde liegende psychische Erkrankung zurückzuführen ist. In früheren Studien wurde bereits ein Zusammenhang zwischen Angstsymptomen und einem schlechten Gesundheitszustand – einschließlich Tod – bei Patienten mit Herzerkrankungen festgestellt. In der nun vorliegenden Studie wurde untersucht, ob dieser Zusammenhang durch die Einnahme von Psychopharmaka erklärt werden könnte. Studienprotokoll An der Studie nahmen 12.913 Patienten teil, die wegen einer ischämischen Herzerkrankung, Herzrhythmusstörungen, Herzinsuffizienz oder Herzklappenerkrankungen in ein Krankenhaus eingeliefert worden waren und an der nationalen Erhebung DenHeart teilnahmen. Die Teilnehmer füllten bei der Entlassung aus dem Krankenhaus einen Fragebogen aus und wurden als Patienten mit Angstsymptomen eingestuft, wenn sie auf der Unterskala „Angst“ der Hospital Anxiety and Depression Scale (HADS-A) einen Wert von acht oder höher erreichten. Informationen über die Medikation wurden aus nationalen Registern entnommen. Die Patienten wurden als Konsumenten von Psychopharmaka definiert, wenn sie in den sechs Monaten vor der Krankenhauseinweisung mindestens ein Rezept für Benzodiazepine, benzodiazepinähnliche Medikamente, Antidepressiva oder Antipsychotika erhalten hatten. Die Patienten wurden nach der Entlassung aus dem Krankenhaus ein Jahr lang auf Todesfälle aller Art hin beobachtet. Jeder dritte Herzpatient hat Ängste Die Forscher fanden heraus, dass 2335 Teilnehmer (18 Prozent) in den sechs Monaten vor der Krankenhauseinweisung mindestens ein Rezept für psychotrope Medikamente eingelöst hatten. Die am häufigsten verwendeten Medikamente waren Benzodiazepine (68 Prozent) und Antidepressiva (55 Prozent). Psychopharmaka wurden häufiger von Frauen, älteren Patienten, Rauchern, verwitweten Patienten, Patienten mit geringerer Schulbildung und Patienten mit einer größeren Anzahl von gleichzeitig bestehenden Gesundheitsproblemen eingenommen. Fast ein Drittel der Herzpatienten (32 Prozent) wurde als ängstlich eingestuft. Der Konsum von Psychopharmaka war bei Patienten mit Angstzuständen (28 Prozent) doppelt so hoch wie bei Patienten ohne Angstzustände (14 Prozent). Erhöhte Sterblichkeit unter Psychopharmaka und Angstzuständen Insgesamt 362 Patienten (drei Prozent) starben innerhalb des ersten Jahres nach der Entlassung aus dem Krankenhaus. Die Ein-Jahres-Todesrate war bei den Anwendern von Psychopharmaka (sechs Prozent) deutlich höher als bei den Nichtanwendern (zwei Prozent). Die Einlösung eines Rezeptes für psychotrope Medikamente in den sechs Monaten vor dem Krankenhausaufenthalt war mit einer um 1,90 höheren Wahrscheinlichkeit verbunden, im Jahr nach der Entlassung an jeglicher Ursache zu versterben, nachdem Alter, Geschlecht, Herzdiagnose, Begleiterkrankungen, Raucherstatus, Body-Mass-Index, Bildungsgrad und Familienstand berücksichtigt worden waren. Das Vorhandensein von Angstzuständen war mit einer um 1,81 höheren Wahrscheinlichkeit für einen Gesamtsterblichkeit während des gleichen Zeitraumes verbunden. Wurden die Analysen auch um die Einnahme von Psychopharmaka vor dem Krankenhausaufenthalt und das Vorhandensein von Angstzuständen bereinigt, wurden die Zusammenhänge schwächer. Die Einnahme von Psychopharmaka war mit einem um 1,73 höheren Sterberisiko verbunden, das Vorliegen von Angstzuständen mit einem um 1,67 höheren Sterberisiko. Cromhout erklärt: „Die Abschwächung der Beziehungen deutet darauf hin, dass der Zusammenhang zwischen psychotropen Medikamenten und Tod durch das Vorhandensein von Ängsten beeinflusst wird. Und ebenso, dass der Zusammenhang zwischen Angst und Tod durch die Einnahme von Psychopharmaka beeinflusst wird.“ Cromhouts Appell an Herzkranke mit Angstzuständen lautet daher, die beteiligten medizinischen Fachkräfte über ihr Leiden zu informieren – so wie sie es auch bei jeder anderen Begleiterkrankung tun würden. „Sie sollten auch darum bitten, dass ihre Ängste als wichtig und gleichwertig mit ihrer Herzerkrankung anerkannt werden.“
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