Herzoperationen: Mit Benzodiazepin-freier Anästhesie ein postoperatives Delir vermeiden?31. Januar 2025 Nach Herzoperationen kommt es häufig zu einem Delir. Ob die Vermeidung von Benzodiazepinen während der Kardioanästhesie die Inzidenz senken kann, untersuchte eine aktuelle Studie. (Symbolfoto: ©Dmitriy Kandinskiy/stock.adobe.com) In einer nordamerikanischen Studie hatte die Einführung restriktiver Richtlinien zur Verwendung von Benzodiazepinen während offener Herzoperationen keinen Effekt auf die Inzidenz eines postoperativen Delirs. Nach herzchirurgischen Eingriffen kommt es häufig zu einem Delir. Dieses ist mit ungünstigen Ergebnissen verbunden. Intraoperative Benzodiazepine können das postoperative Delirium verstärken. Ob eine Beschränkung intraoperativer Benzodiazepine bei der Delir-Vermeidung hilft, ist jedoch unklar. Dem nahm sich nun eine Gruppe kanadischer Mediziner an. In einer aktuellen Studie untersuchten sie, ob eine institutionelle Regelung der eingeschränkten intraoperativen Benzodiazepin-Verabreichung bei einer Herzoperation die Inzidenz des postoperativen Delirs reduziert. Einen solchen Effekt beobachteten die Gruppe um Erstautorin Jessica Spence von der McMaster University in Hamilton (Kanada) jedoch nicht. Die Autoren heben dennoch hervor, dass eine Einschränkung von Benzodiazepinen während der Herzchirurgie in Betracht gezogen werden kann, da kleinere Effektgrößen nicht ausgeschlossen werden könnten. Weiter betonen sie, dass nun untersucht werden muss, ob eine Beschränkung der intraoperativen Benzodiazepine auf Patientenebene die Inzidenz des postoperativen Delirs reduzieren kann. Die Ergebnisse ihrer Studie wurden aktuell im Fachmagazin „JAMA Surgery“ veröffentlicht. Restriktive versus liberale Strategie Die pragmatische, mehrperiodige, für Patienten und Prüfer verblindete, cluster-randomisierte Crossover-Studie wurde an 20 nordamerikanischen herzchirurgischen Zentren durchgeführt. Zwischen November 2019 und Dezember 2022 nahmen die Studienärzte 19.768 Erwachsene auf, die sich in den teilnehmenden Zentren einer offenen Herzoperation unterzogen (mittleres Alter 65±12 Jahre; 73,5% männlich). Dabei wechselten die Krankenhäuser randomisiert 12 bis 18 Mal über einen Zeitraum von 4 Wochen zwischen einer restriktiven und einer liberalen Benzodiazepin-Richtlinien. Somit wurden 9827 Patienten während einer restriktiven Periode und 9941 Patienten während einer liberalen Periode operiert. Unter den restriktiven Richtlinien wurde den Patienten während der Kardioanästhesie keinerlei Benzodiazepine verabreicht. Ob mit oder ohne Benzodiazepine: Kein Unterschied bei Delirium-Inzidenz Das primäre Ergebnis war die Inzidenz von Delirium innerhalb von 72 Stunden nach der Operation, wie sie in der klinischen Routineversorgung festgestellt wurde, entweder mit der Confusion Assessment Method-Intensive Care Unit oder der Intensive Care Delirium Screening Checklist. Die Forscher bewerteten intraoperative Bewusstseinszustände nach Angaben der Patienten als unerwünschtes Ereignis. Während der restriktiven Perioden hielten sich die Ärzte bei 8928 Patienten (90,9%) an die zugewiesenen Richtlinien, verglichen mit 9268 Patienten (93,2%) während der liberalen Perioden. Spence und Kollegen stellten bezüglich der Inzidenz eines postoperativen Deliriums keinen signifikanten Unterschied zwischen den Gruppen fest. Ein solches trat bei 1373 Patienten (14,0%) während der Zeiträume mit restriktiven Richtlinien und bei 1485 (14,9 %) während der Zeiträume mit liberalen Richtlinien auf (bereinigte Odds Ratio 0,92; 95%-KI 0,84–1,01; p=0,07). Kein Patient berichtete spontan über intraoperatives Bewusstsein. Die Publikation wird von einem Kommentar, verfasst von Anästhesisten der University of Virginia School of Medicine (Charlottesville, USA) um Amanda Kleiman, begleitet. Darin erläutern sie, dass mit der vorliegenden Studie Benzodiazepine vermutlich von der Liste der Hauptverdächtigen als Auslöser für ein postoperatives Delirium bei Herzoperationen gestrichen werden können. (ah)
Mehr erfahren zu: "Kasse: Krankheitsausfälle im Job auch 2025 auf hohem Niveau" Kasse: Krankheitsausfälle im Job auch 2025 auf hohem Niveau Erkältungen, psychische Probleme, Rückenschmerzen: Fehlzeiten von Beschäftigten wegen Krankheit halten sich hartnäckig, wie neue Daten zeigen. Politiker stellen Regelungen wie die telefonische Krankschreibung infrage. Auch neue Modelle werden diskutiert.
Mehr erfahren zu: "Merz kritisiert hohen Krankenstand – Liegt es an telefonischer Krankschreibung?" Merz kritisiert hohen Krankenstand – Liegt es an telefonischer Krankschreibung? Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat angesichts aktueller Zahlen zu viele Fehltage wegen Krankheit kritisiert. Seine Partei stellt insbesondere die Möglichkeit zur telefonischen Krankschreibung, die während der Corona-Pandemie eingeführt wurde, infrage.
Mehr erfahren zu: "Neu: „Schwerpunktversorgung Intensivmedizin“ am Universitätsklinikum Jena" Neu: „Schwerpunktversorgung Intensivmedizin“ am Universitätsklinikum Jena Als eine von wenigen Kliniken in Deutschland erhielt die Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin am Universitätsklinikum Jena (UKJ) jüngst die Auszeichnung „Schwerpunktversorgung Intensivmedizin“.