Herzschrittmacher-Studie: Welche Patienten von häufigeren Nachkontrollen und aggressiveren Therapien am meisten profitieren

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Bei Herzschrittmacher-Patienten sind männliches Geschlecht, höheres Alter bei der Schrittmacher-Implantation, Herzschwäche und Diabetes unabhängige Risikofaktoren für die Sterblichkeit. Das zeigt eine Studie der MedUniWien, die auf dem Europäischen Kardiologiekongress in München vorgestellt wurde.

Eine Hyperlipidämie hingegen verlängert das Leben von Schrittmacher-Patienten, wahrscheinlich wegen regelmäßiger ärztlicher Betreuung und wirksamer Vorsorge von kardiovaskulären Krankheiten. Keinen Einfluss auf das Überleben haben die unterschiedlichen Gründe für die Schrittmacherimplantation, Herzinfarkt in der Patientengeschichte oder hohe Blutdruckwerte.

Dr. Martin Riesenhuber, Kardiologe in wissenschaftlicher Tätigkeit an der MedUniWien, stellte diese Studienergebnisse auf dem Europäischen Kardiologiekongress in München vor. Dort kamen vom 25. bis 29. August 31.000 Teilnehmer aus 150 Ländern zusammen. 

„Unsere Studie hat den Zweck, unabhängige Risikofaktoren zu finden, die – wenn vorhanden – die Lebenserwartung unserer Patienten beeinflussen“, berichtet Riesenhuber. „Daraus folgende Konsequenzen könnten sein: häufigere Nachkontrollen, niederschwelligere Überweisung an Spezialisten und aggressivere Therapie von vorhandenen Risikofaktoren.“

Die Studie analysiert die Schrittmacherdaten von 2939 Herzschrittmacher-Patienten der Kardiologie des AKH Wien, die zwischen den Jahren 2000 und 2015 mindestens eine Schrittmacherkontrolle in der Ambulanz hatten. Sterbedaten kamen von der Statistik Austria, der Nachbeobachtungszeitraum betrug zehn Jahre ab dem Zeitpunkt der ersten Herzschrittmacherimplantation. Riesenhuber: „Durch unsere Studienergebnisse können die behandelnden Ärztinnen und Ärzte Herzschrittmacherpatienten mit erhöhtem Risiko identifizieren.“

Im untersuchten Patientenkollektiv waren 61,9 Prozent männlich. Frauen bekamen im Median mit 75,6 Jahren einen Herzschrittmacher, Männer mit 72,8 Jahren, also fast drei Jahre früher. Die Verteilung von Ein- und Zweikammerschrittmachern war zwischen Frauen und Männern gleich.

Lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen, die mit optimierten medikamentösen Therapien nicht behandelt werden können, werden seit Jahrzehnten mit Herzschrittmachern oder ICDs (implantierbarer Kardioverter/Defibrillator) behandelt. Zweikammerschrittmacher haben sich zum Standardmodell in der täglichen Routine entwickelt, da frühere Studien eine Verbesserung der Lebensqualität im Vergleich zu Einkammer-Schrittmacher gezeigt haben. Einkammer-Schrittmacher sind Patienten mit bradykardem Vorhofflimmern bzw. speziellen klinischen Situationen vorbehalten. 

Die Technologie der Schrittmacher entwickelt sich ständig weiter, und so gibt es neben den klassischen Ein- bzw. Zweikammerherzschrittmacher neue Modelle mit erweitertem Indikationsspektrum. Dies umfasst CRT Devices (Dreikammerschrittmacher) zur Therapie der Herzinsuffizienz, ICDs zur Prävention des plötzlichen Herztodes sowie vollständig kabellose Herzschrittmacher in der Größe eines Fingernagels.

„In einer immer älter werdenden Bevölkerung steigt auch der Anteil an Patienten, die mit einem Herzschrittmacher versorgt werden müssen“, so Riesenhuber. „Diese Punkte rechtfertigt die ständige Überwachung und Analyse von Herzschrittmacherpatienten.“ 

Quelle: ESC Abstract Nr. 88004; Riesenhuber et al.: Survival analysis in pacemaker patients: Independent mortality factors in a single-center large-scale study