Heterogene Behandlungspfade älterer Menschen: Teilweise mehr Krankenhausaufenthalte nach Dialysestart

Senior an der Dialyse. (Abbildung/KI-generiert: © Intelligent Horizons/stock.adobe.co)

Menschen mit fortgeschrittener Chronischer Nierenkrankheit (CKD) werden immer älter. Das erhöht auch die Komplexität der Therapien. Französische Wissenschaftler untersuchten jetzt, welche Behandlungspfade ältere CKD-Patienten vor der Dialyse durchlaufen und wie sich diese auf die Morbidität und Mortalität nach der Dialyse auswirken.

In ihrer Studie stellte das Forschungsteam fest, dass ältere Patienten mit CKD trotz eines ähnlichen Komorbiditätsprofils sehr heterogene­ Behandlungspfade durchlaufen, was bei einigen nach Beginn der Dialyse zu einer höheren Belastung durch Krankenhausaufenthalte führt.

Identifizierung von Behandlungspfaden

Die Forschenden schlossen 22.128 CKD-Patienten im Alter von mindestens 75 Jahren aus dem französischen landesweiten Register, das mit dem Nationalen Gesundheitsdatensystem verknüpft ist, in ihre Studie ein. Alle Patienten hatten zwischen 2009 und 2017 mit einer Dialysetherapie begonnen. Die Behandlungspfade vor der Dialyse identifizierten die Experten durch eine aufsteigende hierarchische Klassifizierung, basierend auf vorab ausgewählten Indikatoren für die Inanspruchnahme des Gesundheitswesens im Vorjahr.

Mittels multivariabler logistischer Regression untersuchten die Wissenschaftler dann den Zusammenhang mit dem kombinierten Outcome Tod oder Krankenhausaufenthalt. Dabei berücksichtigten sie Demografie, Komorbiditäten, Funktionsstatus, Bedingungen bei Dialysebeginn, sozioökonomischer Deprivationsindex und Fahrzeit vom Wohnort zum Dialysezentrum.

Fünf Behandlungspfade mit unterschiedlichen Merkmalen

Die Forschenden identifizierten für die CKD-Patienten fünf Behandlungspfadprofile, die durch Inanspruchnahme medizinischer Leistungen (Cluster 1: 28%), ambulante nicht nephrologische Versorgung (Cluster 2: 17%), ambulante nephrologische Versorgung (Cluster 3: 37%) und eine hohe Zahl nicht nephrologischer oder nephrologischer Krankenhausaufenthalte (Cluster 4 und 5: beide 9%) gekennzeichnet waren.

Die Profiluntergruppen unterschieden sich nicht hinsichtlich Patientenalter und Komorbiditäten. Allerdings wiesen die Cluster 1, 2 und 4 ein höheres Maß an sozialer Deprivation auf. Im Vergleich zu Cluster 3 waren die Odds Ratios (ORs) des primären kombinierten Outcomes für die Cluster 1, 4 und 5 signifikant erhöht (OR 1,16; 95%-Konfidenzintervall [KI] 1,08–1,25; OR 1,17; 95%-KI 1,05–1,32 bzw. OR 1,12; 95%-KI 1,01–1,25). Darüber hinaus kamen im Vergleich zu Cluster 3 längere Krankenhausaufenthalte in allen Gruppen häufiger vor.

(jh/BIERMANN)