Hinweise auf ungleiche Chancenverteilung bei urologischen Kongressen

Trotz identischer wissenschaftlicher Vorarbeit sind Frauen bei großen urologischen Kongressen unterrepräsentiert. Grafik: Elnur Amikishiyev – stock.adobe.com

Frauen sind in urologischen Symposien unterrepräsentiert. Dies ergibt eine quantitative Analyse zur Untersuchung von großen Tagungen im Fachgebiet Urologie.

Das internationale Autorenteam hatte sich zum Ziel gesetzt, die Prävalenz rein männlich besetzter Redner-Panels (male panels, kurz „manels“) bei urologischen Sitzungen zu untersuchen. Dazu überprüften sie von 12/2019–11/2020 urologische Tagungen, die von großen Verbänden bzw. Fachgesellschaften organisiert wurden. Primäre Ergebnisse waren (1) der Prozentsatz der männlichen Dozenten in allen eingeschlossenen Sitzungen und (2) der Gesamtanteil der Manels. Männliche und weibliche Dozenten wurden nach Quartilen bzgl. Veröffentlichungen, Zitierungen und H-Indices stratifiziert und ihre durchschnittliche Anzahl von Sitzungen wurde verglichen.

Von 285 Sitzungen waren 181 (63,5%) Manels. Der durchschnittliche Anteil der männlichen Dozenten betrug 86,9%. In den meisten Subdisziplinen und urologischen Verbänden/Gesellschaften waren Männer bei den urologischen Kongressen überrepräsentiert, mit Ausnahme der Tagungen von Frauen und den von der International Continence Society organisierten Veranstaltungen. Bei Sitzungen, die keine Manels waren, gab es eine höhere Anzahl an Vorsitzenden/Moderatoren (p=0,027), Sprechern (p<0,001) und Dozenten (p<0,001) als in Manel-Sitzungen. Insgesamt wurden 1037 Dozenten in die Untersuchung eingeschlossen, davon waren 900 (86,8 %) männlich. Männliche Dozenten hatten im Durchschnitt mehr Praxisjahre (23,8 vs. 17,7 Jahre; p<0,001) und waren eher Professoren (43,2% vs. 17,5%, p<0,001) als weibliche Lehrende. Männliche Dozenten innerhalb des ersten Quartils (d. h. im unteren Quartil) bzgl. Publikationen und H-Indices waren bei signifikant mehr Sitzungen vertreten als weibliche Lehrkräfte innerhalb desselben Quartils.

„Unsere Studie zeigte, dass Manels in urologischen Sitzungen weit verbreitet sind“, schließen Jeremy Yuen-Chun Teoh und Kollegen. „Es gibt Hinweise darauf, dass Männer mehr Chancen erhielten als Frauen.“ Die Autoren schließen, dass bei urologischen Sitzungen ein großes Ungleichgewicht zwischen den Geschlechtern besteht. Urologische Verbände und Gesellschaften sollten sich aktiv um eine ausgewogenere Geschlechtervertretung bemühen, fordern sie.

(ms)

Publikation:

Teoh JYC et al. A Quantitative Analysis Investigating the Prevalence of „Manels“ in Major Urology Meetings. Eur Urol 2021;80(4):442–449.